Werk Mittelfeld

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Der Lokomotivenbauer in Kassel, die Firma Henschel und Sohn AG, wird mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs auch zur Rüstungsschmiede. Die Arbeiter produzieren Geschosse, Zünder und Munitionswagen. 1915 bereits hatte Firmenchef Carl Henschel dem Kriegsministerium den Bau von Geschützen angeboten. Die Politiker aber lehnten ab, da zu jenem Zeitpunkt das Heer an allen Fronten siegte und die Regierung daher einen baldigen Friedensschluß erwartete. Dazu kommt es nicht, das Heer benötigt Waffen, die Henschel bauen soll. Da der Platz in den Fabrikhallen in Rothendithmold nicht ausreicht, baut Henschel eine neue Anlage für den Geschützbau, das Werk Mittelfeld. Im Mai 1918 wird es seiner Bestimmung übergeben.

Die Rüstungsproduktion läuft auf Hochtouren, die Arbeiter müssen Nachtschichten einlegen, um die Aufträge zu schaffen.

Die Henschelaner – die Beschäftigtenzahl lag 1908 bei 6200 und hatte 1922 ihren Höchststand mit 10733 – fertigen neue Geschütze an, arbeiten aber auch erbeutete Geschütze sowie Maschinenkanonen der Marine für die Fliegerabwehr um.

Der Lokbau wird parallel dazu mit Hochdruck vorangetrieben. Henschel liefert der Reichsregierung 798 Feldbahn-Lokomotiven, 1917 fährt erstmals die Kriegs-Einheits-Lokomotive aus den Fabrikhallen. 433 Exemplare dieser Baureihe werden ausgeliefert.

Der Dank des Kaisers für diese Anstrengung ist der Firma gewiß. Am 31. August 1918 kommt Wilhelm II. nach Kassel und zeichnet Carl Henschel und einige seiner Angestellten und Arbeiter mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe aus.

Das Ende des Kriegs im Jahr 1918 zwingt Henschel zur Umstellung: Die Maschinen für die Rüstungsproduktion müssen auf Druck der Siegermächte verschrottet werden. Andererseits ist der Neuaufbau der Eisenbahn-Infrastruktur notwendig. Die Firmenleitung investiert, vergrößert das Werk Mittelfeld zum Bau von Lokteilen. Außerdem werden ein eigenes Dampfkraftwerk und eine Gießerei errichtet. Ab 1925 werden im "Werk Mittelfeld" 35 Jahre lang Lastkraftwagen und Busse hergestellt.

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