Werk Mittelfeld: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Bild:Werk2.jpg|thumb|450px|right|Das Werk Mittelfeld der [[Firma Henschel & Sohn AG]] im Jahre 1916]]
Das nebenstehende Bild zeigt das [[Kassel]]er '''Werk Mittelfeld''' der [[Firma Henschel & Sohn AG]] im Jahre 1916.
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Das [[Kassel]]er '''Werk Mittelfeld''' der [[Firma Henschel & Sohn AG]] war unter anderem für die Produktion von Waffen und Rüstungsutensilien zuständig.
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Mit Ausbruch des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] war auch der Lokomotivenbauer in [[Kassel]], die Firma [[Henschel AG]], zur Rüstungsschmiede geworden. Die Arbeiter produzierten Geschosse, Zünder und Munitionswagen.  
 
Mit Ausbruch des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] war auch der Lokomotivenbauer in [[Kassel]], die Firma [[Henschel AG]], zur Rüstungsschmiede geworden. Die Arbeiter produzierten Geschosse, Zünder und Munitionswagen.  
  
Bereits 1915 hatte Firmenchef [[Carl Anton Oscar Henschel|Carl Henschel]] dem Kriegsministerium den Bau von Geschützen angeboten. Die Politiker aber lehnten ab, da zu jenem Zeitpunkt das Heer an allen Fronten siegte und die Regierung daher einen baldigen Friedensschluß erwartete. Dazu kam es jedoch nicht, im Gegenteil das Heer benötigte Waffen, die Henschel bauen sollte. Da der Platz in den Fabrikhallen in Rothendithmold nicht ausreichte, baute Henschel eine neue Anlage für den Geschützbau, das ''Werk Mittelfeld''.  
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Bereits [[1915]] hatte Firmenchef [[Carl Anton Oscar Henschel|Carl Henschel]] dem Kriegsministerium den Bau von Geschützen angeboten. Die Politiker aber lehnten ab, da zu jenem Zeitpunkt das Heer an allen Fronten siegte und die Regierung daher einen baldigen Friedensschluß erwartete. Dazu kam es jedoch nicht, im Gegenteil das Heer benötigte Waffen, die Henschel bauen sollte. Da der Platz in den Fabrikhallen in Rothendithmold nicht ausreichte, baute Henschel eine neue Anlage für den Geschützbau, das ''Werk Mittelfeld''.  
  
Die Rüstungsproduktion läuft auf Hochtouren, die Arbeiter müssen Nachtschichten einlegen, um die Aufträge zu schaffen.
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Die Rüstungsproduktion lief auf Hochtouren, die Arbeiter mussten Nachtschichten einlegen, um die Aufträge zu schaffen.
  
 
Die Henschelaner – die Beschäftigtenzahl lag 1908 bei 6200 und hatte 1922 ihren Höchststand mit 10733 – fertigen neue Geschütze an, arbeiten aber auch erbeutete Geschütze sowie Maschinenkanonen der Marine für die Fliegerabwehr um.
 
Die Henschelaner – die Beschäftigtenzahl lag 1908 bei 6200 und hatte 1922 ihren Höchststand mit 10733 – fertigen neue Geschütze an, arbeiten aber auch erbeutete Geschütze sowie Maschinenkanonen der Marine für die Fliegerabwehr um.
  
Der Lokbau wird parallel dazu mit Hochdruck vorangetrieben. Henschel liefert der Reichsregierung 798 Feldbahn-Lokomotiven, 1917 fährt erstmals die Kriegs-Einheits-Lokomotive aus den Fabrikhallen. 433 Exemplare dieser Baureihe werden ausgeliefert.
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Der Lokbau wurde parallel dazu mit Hochdruck vorangetrieben. Henschel lieferte der Reichsregierung 798 Feldbahn-Lokomotiven, [[1917]] fuhr erstmals die Kriegs-Einheits-Lokomotive aus den Fabrikhallen. 433 Exemplare dieser Baureihe wurden ausgeliefert.
  
 
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[[Bild:Eisenbahn-geschuetz.jpg|thumb|right|250px|Eisenbahngeschütz von 1918]]
Der Dank des Kaisers für diese Anstrengung ist der Firma gewiß. Am 31. August 1918 kommt Wilhelm II. nach Kassel und zeichnet [[Carl Anton Oscar Henschel|Carl Henschel]] und einige seiner Angestellten und Arbeiter mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe aus.
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Der Dank des Kaisers für diese Anstrengung war der Firma gewiß. Am [[31. August]] [[1918]] kam [[Wilhelm II.]] nach Kassel und zeichnet [[Carl Anton Oscar Henschel|Carl Henschel]] und einige seiner Angestellten und Arbeiter mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe aus.
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Das Ende des Kriegs im Jahr 1918 zwang Henschel zur Umstellung: Die Maschinen für die Rüstungsproduktion mussten auf Druck der Siegermächte verschrottet werden. Andererseits war der Neuaufbau der Eisenbahn-Infrastruktur notwendig. Die Firmenleitung investierte und vergrößerte das Werk Mittelfeld zum Bau von Lokteilen. Außerdem wurden ein eigenes Dampfkraftwerk und eine Gießerei errichtet. Ab [[1925]] wurden im "Werk Mittelfeld" 35 Jahre lang Lastkraftwagen und Busse hergestellt.
  
Das Ende des Kriegs im Jahr 1918 zwingt Henschel zur Umstellung: Die Maschinen für die Rüstungsproduktion müssen auf Druck der Siegermächte verschrottet werden. Andererseits ist der Neuaufbau der Eisenbahn-Infrastruktur notwendig. Die Firmenleitung investiert, vergrößert das Werk Mittelfeld zum Bau von Lokteilen. Außerdem werden ein eigenes Dampfkraftwerk und eine Gießerei errichtet. Ab 1925 werden im "Werk Mittelfeld" 35 Jahre lang Lastkraftwagen und Busse hergestellt.
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== Industiegebiet Mittelfeld ==
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Das heutige Kasseler Mittelfeld ist ein Industriegebiet und befindet sich zwischen [[Rothenberg]] und [[Hollänische Straße|Holländischer Straße]].
  
 
== siehe auch ==
 
== siehe auch ==
 
*[[1917]]
 
*[[1917]]
 
*[[Henschel]]
 
*[[Henschel]]
*[[ Mittelfeld]]
 
  
  

Version vom 3. Februar 2015, 13:07 Uhr

Das Werk Mittelfeld der Firma Henschel & Sohn AG im Jahre 1916

Das Kasseler Werk Mittelfeld der Firma Henschel & Sohn AG war unter anderem für die Produktion von Waffen und Rüstungsutensilien zuständig.

Geschichte

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs war auch der Lokomotivenbauer in Kassel, die Firma Henschel AG, zur Rüstungsschmiede geworden. Die Arbeiter produzierten Geschosse, Zünder und Munitionswagen.

Bereits 1915 hatte Firmenchef Carl Henschel dem Kriegsministerium den Bau von Geschützen angeboten. Die Politiker aber lehnten ab, da zu jenem Zeitpunkt das Heer an allen Fronten siegte und die Regierung daher einen baldigen Friedensschluß erwartete. Dazu kam es jedoch nicht, im Gegenteil das Heer benötigte Waffen, die Henschel bauen sollte. Da der Platz in den Fabrikhallen in Rothendithmold nicht ausreichte, baute Henschel eine neue Anlage für den Geschützbau, das Werk Mittelfeld.

Die Rüstungsproduktion lief auf Hochtouren, die Arbeiter mussten Nachtschichten einlegen, um die Aufträge zu schaffen.

Die Henschelaner – die Beschäftigtenzahl lag 1908 bei 6200 und hatte 1922 ihren Höchststand mit 10733 – fertigen neue Geschütze an, arbeiten aber auch erbeutete Geschütze sowie Maschinenkanonen der Marine für die Fliegerabwehr um.

Der Lokbau wurde parallel dazu mit Hochdruck vorangetrieben. Henschel lieferte der Reichsregierung 798 Feldbahn-Lokomotiven, 1917 fuhr erstmals die Kriegs-Einheits-Lokomotive aus den Fabrikhallen. 433 Exemplare dieser Baureihe wurden ausgeliefert.

Eisenbahngeschütz von 1918

Der Dank des Kaisers für diese Anstrengung war der Firma gewiß. Am 31. August 1918 kam Wilhelm II. nach Kassel und zeichnet Carl Henschel und einige seiner Angestellten und Arbeiter mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe aus.

Das Ende des Kriegs im Jahr 1918 zwang Henschel zur Umstellung: Die Maschinen für die Rüstungsproduktion mussten auf Druck der Siegermächte verschrottet werden. Andererseits war der Neuaufbau der Eisenbahn-Infrastruktur notwendig. Die Firmenleitung investierte und vergrößerte das Werk Mittelfeld zum Bau von Lokteilen. Außerdem wurden ein eigenes Dampfkraftwerk und eine Gießerei errichtet. Ab 1925 wurden im "Werk Mittelfeld" 35 Jahre lang Lastkraftwagen und Busse hergestellt.

Industiegebiet Mittelfeld

Das heutige Kasseler Mittelfeld ist ein Industriegebiet und befindet sich zwischen Rothenberg und Holländischer Straße.

siehe auch