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Hermann Heiligers Bankgeschäft war das erste in Hann. Münden
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Hann. Münden. „Das Bank- und Wechsel-Geschäft von H. Heiliger Münden empfiehlt sich zum An- und Verkauf von Werthpapieren aller Art, Einlösung von Zins-Coupons, sowie zur Besorgung aller die Branche berührenden Aufträge unter Zusicherung promptester und billigster Bedienung“ stand als Anzeige am 4. Januar 1874 in den Mündenschen Nachrichten.
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[[Hann. Münden]]. „Das Bank- und Wechsel-Geschäft von H. Heiliger Münden empfiehlt sich zum An- und Verkauf von Werthpapieren aller Art, Einlösung von Zins-Coupons, sowie zur Besorgung aller die Branche berührenden Aufträge unter Zusicherung promptester und billigster Bedienung“ stand als Anzeige am 4. Januar 1874 in den Mündenschen Nachrichten.
  
 
Hermann Heiliger war der Sohn des jüdischen Lehrers in Münden, Michael Heiliger. Sein Bankgeschäft war das erste in Münden. Wahrscheinlich betrieb er es zunächst bei seinem Vater im jüdischen Schulhaus Hinter der Stadtmauer Nr. 23. Nachdem sein Vater das Eckhaus Marktstraße/Burgstraße erworben hatte, befand sich dort seit Ende des Jahres 1874 das Geschäftslokal (heute Marktstraße 20).
 
Hermann Heiliger war der Sohn des jüdischen Lehrers in Münden, Michael Heiliger. Sein Bankgeschäft war das erste in Münden. Wahrscheinlich betrieb er es zunächst bei seinem Vater im jüdischen Schulhaus Hinter der Stadtmauer Nr. 23. Nachdem sein Vater das Eckhaus Marktstraße/Burgstraße erworben hatte, befand sich dort seit Ende des Jahres 1874 das Geschäftslokal (heute Marktstraße 20).
  
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Hermann Heiligers Geschäfte beschränkten sich auf den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und die Auszahlung der Zinserträge. Sie umfassten deutsche und ausländische, darunter auch amerikanische Anleihen und Pfandbriefe. In den Mündenschen Nachrichten veröffentlichte er regelmäßig einen kleinen Kurszettel mit aktuellen Börsenkursen, aber schon nach knapp drei Jahren schloss er aus nicht erkennbaren Gründen sein Geschäft und verließ Münden.
 
Hermann Heiligers Geschäfte beschränkten sich auf den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und die Auszahlung der Zinserträge. Sie umfassten deutsche und ausländische, darunter auch amerikanische Anleihen und Pfandbriefe. In den Mündenschen Nachrichten veröffentlichte er regelmäßig einen kleinen Kurszettel mit aktuellen Börsenkursen, aber schon nach knapp drei Jahren schloss er aus nicht erkennbaren Gründen sein Geschäft und verließ Münden.
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Am 1. April 1900 verlegten sie ihr Geschäftslokal in die Lange Straße Nr. 75, damals die Ratsapotheke, und Mitte des Jahres 1903 in die Lange Straße 63. Nachdem die Dresdner Bank 1910 Mauer & Plaut übernommen hatte, setzte sie deren Geschäftstätigkeit in der bisherigen Weise in Münden fort.
 
Am 1. April 1900 verlegten sie ihr Geschäftslokal in die Lange Straße Nr. 75, damals die Ratsapotheke, und Mitte des Jahres 1903 in die Lange Straße 63. Nachdem die Dresdner Bank 1910 Mauer & Plaut übernommen hatte, setzte sie deren Geschäftstätigkeit in der bisherigen Weise in Münden fort.
  
Unter der eigenen Firma Reibstein & Co. eröffnete die in Göttingen alteingesessene Bank Kettwig & Reibstein im September 1898 ein Zweiggeschäft in der Rosenstraße in Münden, dessen Geschäftstätigkeit sich zunächst ebenfalls nicht von Mauer & Plaut unterschied, sich im Laufe des folgenden Jahrzehnts aber auf alle Geschäftfelder eines modernen Bankhauses ausdehnte.  
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Unter der eigenen Firma Reibstein & Co. eröffnete die in Göttingen alteingesessene Bank Kettwig & Reibstein im September 1898 ein Zweiggeschäft in der Rosenstraße in Münden, dessen Geschäftstätigkeit sich zunächst ebenfalls nicht von Mauer & Plaut unterschied, sich im Laufe des folgenden Jahrzehnts aber auf alle Geschäftfelder eines modernen Bankhauses ausdehnte.
 
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Geschichte an
 
  
den drei Flüssen
 
  
hna-serie
 
  
In der Bildmitte das Eckhaus Marktstraße/Burgstraße in den 1920er Jahren: Hier betrieb Hermann Heiliger von 1874 bis 1876 sein Bankgeschäft. Repro von Pezold
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[[Kategorie: Geschichte]]
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[[Kategorie: Hann.Münden]]

Aktuelle Version vom 17. Mai 2008, 17:59 Uhr

Von Zinsen und Zaster

In der Bildmitte das Eckhaus Marktstraße/Burgstraße in den 1920er Jahren: Hier betrieb Hermann Heiliger von 1874 bis 1876 sein Bankgeschäft. Repro von Pezold

Hermann Heiligers Bankgeschäft war das erste in Hann. Münden

Von Dr. Johann Dietrich von Pezold

Hann. Münden. „Das Bank- und Wechsel-Geschäft von H. Heiliger Münden empfiehlt sich zum An- und Verkauf von Werthpapieren aller Art, Einlösung von Zins-Coupons, sowie zur Besorgung aller die Branche berührenden Aufträge unter Zusicherung promptester und billigster Bedienung“ stand als Anzeige am 4. Januar 1874 in den Mündenschen Nachrichten.

Hermann Heiliger war der Sohn des jüdischen Lehrers in Münden, Michael Heiliger. Sein Bankgeschäft war das erste in Münden. Wahrscheinlich betrieb er es zunächst bei seinem Vater im jüdischen Schulhaus Hinter der Stadtmauer Nr. 23. Nachdem sein Vater das Eckhaus Marktstraße/Burgstraße erworben hatte, befand sich dort seit Ende des Jahres 1874 das Geschäftslokal (heute Marktstraße 20).

Heiliger gab Geschäft auf

Hermann Heiligers Geschäfte beschränkten sich auf den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und die Auszahlung der Zinserträge. Sie umfassten deutsche und ausländische, darunter auch amerikanische Anleihen und Pfandbriefe. In den Mündenschen Nachrichten veröffentlichte er regelmäßig einen kleinen Kurszettel mit aktuellen Börsenkursen, aber schon nach knapp drei Jahren schloss er aus nicht erkennbaren Gründen sein Geschäft und verließ Münden.

Nur wenig später teilte das Kasseler Bankgeschäft Mauer & Plaut kurz vor Weihnachten 1876 seiner Mündener Kundschaft mit, dass künftig „zunächst jeden Dinstag und Freitag Jemand von unserm Hause zur Entgegennahme von Aufträgen in Münden, Langestrasse Nr. 25 (heute Nr. 9) parterre, in der Behausung des Herrn Lobenstein, anwesend sein wird. Wir halten uns zum An- und Verkauf von Werthpapieren u.s.w. bestens empfohlen.“

Mauer & Plaut waren dem interessierten Mündener Publikum schon seit 1870 durch Zeitungsanzeigen bekannt. Anfangs war der Ansprechpartner in Münden ganztägig anwesend, aber bald nur von 10 bis 13 Uhr.

Die Geschäftstätigkeit unterschied sich nicht von der Hermann Heiligers. Auch sie umfasste An- und Verkauf festverzinslicher Wertpapiere und die damit zusammenhängenden Dienstleistungen. Auch Mauer & Plaut veröffentlichten regelmäßig Kurszettel.

Am 1. April 1900 verlegten sie ihr Geschäftslokal in die Lange Straße Nr. 75, damals die Ratsapotheke, und Mitte des Jahres 1903 in die Lange Straße 63. Nachdem die Dresdner Bank 1910 Mauer & Plaut übernommen hatte, setzte sie deren Geschäftstätigkeit in der bisherigen Weise in Münden fort.

Unter der eigenen Firma Reibstein & Co. eröffnete die in Göttingen alteingesessene Bank Kettwig & Reibstein im September 1898 ein Zweiggeschäft in der Rosenstraße in Münden, dessen Geschäftstätigkeit sich zunächst ebenfalls nicht von Mauer & Plaut unterschied, sich im Laufe des folgenden Jahrzehnts aber auf alle Geschäftfelder eines modernen Bankhauses ausdehnte.