Stück

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Fritz Stück und die Verkehrsplanung in Kassel

In den 20er Jahren wurde die verkehrspolitische Diskussion in Kassel sehr stark von dem freien Stadtplaner Fritz Stück bestimmt. Dieser hatte in einer Serie von 50 ganzseitigen Artikeln in der Kasseler Post unter der Überschrift „Das Groß-Kassel der Zukunft“ Vorschläge für ein Entwicklungskonzept des Großraumes Kassel vorgestellt. Der Ansatz von Stück beruhte auf einem von ihm entwickelten geotechnischen Ansatz, der Kassel stufenweise in immer größere Räume einordnete und dazu führte, dass Stück den Raum Kassel im Schnittpunkt der beiden Weltachsen London-Tokio und Hamburg-Kapstadt sah. Immer wieder wies er auf die Defizite der Verkehrsanbindung von Kassel im Netz der Eisenbahn hin. Ferner plante Stück eine Panoramastraße rund um das Kasseler Fuldabecken von 45 Kilometer Länge und 23 Meter Breite. Diese Straße „bringt die Grünfläche des Tales mit dem Kranz der Wälder in organische Verbindung. Sie betont und sichert auch die Kammlinien, Blickfelder und -achsen. Dieser Monumentalrahmen würde ein Bild von so überwältigender Schönheit abgeben, dass er in seiner Eigenart kaum seines Gleichen hätte“, führte Stück aus. In seiner 1930 in seinem geotechnischen Verlag erschienenen Schrift „Um Kassels Zukunft“ dokumentierte Stück die Vielzahl seiner Aktivitäten um die Stadtplanung und Gebietsreform in Nordhessen. Es handelt sich dabei um Vorträge im hessischen Landesmuseum, Rundfunkvorträge und Zeitungsartikel. Unter anderem griff er die, auch heute noch aktuellen, Fragen der Tourismusförderung auf, etwa die Sababurg mit dem umgebenden Eichen-Urwald. Auch wies er auf das brachliegende Gut Beberbeck hin. Stück beklagte oft die Verkehrsarmut im Raum Kassel („Wüste Gobi“) und sagte ein starkes Wachstum der Städte Eschwege und Bebra auf Kosten von Kassel voraus.

Stück konnte sich nicht in das soziale Gefüge von Kassel integrieren, sondern erwarb sich den Ruf eines ungeliebten Mahners. Dadurch blieben viele seiner Ansätze unbeachtet. Seine unglückliche Rolle wurde fortgeführt, als er zum Beginn des NS-Autobahnprojektes in Nordhessen von Fritz Todt als Landschaftsanwalt berufen worden war, siehe Autobahnbau. Auch hier stand er im Dauerkonflikt mit der Obersten Bauleitung Kassel und konnte seine Beratertätigkeit nicht adäquat ausführen. Von den Beamten der Obersten Bauleitung wurde er als „Rasenanwalt“ verspottet und ihm der Zugang zu den Baustellen verwehrt, bis die Reichsautobahngesellschaft in Berlin eingreifen mußte. Schließlich verlor Stück seinen Posten als Landschaftsanwalt im Jahre 1937.

Siehe auch Hafraba in Kassel und Autobahnbau in Nordhessen.

Literatur: Folckert Lüken-Isberner: Fritz Stück und die Stadtplanungsdiskussion im Kassel der Weimarer Republik, in: Hes-sisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Bd. 40, 1990, S. 219-240

Richard Vahrenkamp: Die Zentrallage Kassels - Verkehrspolitik und Autobahnbau in Nordhessen 1920 bis 2000, in: Hildebrand Ptak (Hersg.): Betriebswirtschaftlicher Wandel in Deutschland, Hamburg 2006, S. 121-174

[Working Papers in the History of Mobility No. 10/2006]