Schwein mit drei Beinen: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Ria Ahrend|RIA AHREND]] (76), geborene Koch, stammt aus Großenritte und lebt in Altenritte. Sie hat fünf Bücher veröffentlicht, teilweise in Mundart, die zumeist vergriffen sind. Ahrend schlüpft auch seit Jahren ins Kostüm der Grimm'schen Märchenlieferantin Dorothea Viehmann, fotografiert und filmt Viele Beiträge der Autorin laufen im Bürgerfernsehen Offener Kanal Kassel, in der HNA war schon manches ihrer Fotos zu sehen. Ahrend -verheiratet, drei Kinder, sechs Enkel - ist gelernte Versicherungskauffrau. Sie arbeitet noch immer in der Druckerei der Familie mit. (ing)
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==Die Nachkriegszeit ==
 
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* '''Nach dem Krieg war Hamstern auf den Äckern angesagt – Tabak aus dem Garten '''
 
* '''Nach dem Krieg war Hamstern auf den Äckern angesagt – Tabak aus dem Garten '''

Version vom 23. Juli 2011, 12:16 Uhr

Foto: priv.

RIA AHREND (76), geborene Koch, stammt aus Großenritte und lebt in Altenritte. Sie hat fünf Bücher veröffentlicht, teilweise in Mundart, die zumeist vergriffen sind. Ahrend schlüpft auch seit Jahren ins Kostüm der Grimm'schen Märchenlieferantin Dorothea Viehmann, fotografiert und filmt Viele Beiträge der Autorin laufen im Bürgerfernsehen Offener Kanal Kassel, in der HNA war schon manches ihrer Fotos zu sehen. Ahrend -verheiratet, drei Kinder, sechs Enkel - ist gelernte Versicherungskauffrau. Sie arbeitet noch immer in der Druckerei der Familie mit. (ing)

Die Nachkriegszeit

  • Nach dem Krieg war Hamstern auf den Äckern angesagt – Tabak aus dem Garten
  • HNA Bericht am 23.07.2011 von Ria Ahrend

Die Nachkriegszeit brachte für die Landbevölkerung auch Entbehrungen mit sich, doch die Stadtbewohner hatten noch viel weniger zu essen und wurden oft nicht satt. Nun setzte das große Hamstern ein. Die Züge, die vereinzelt wieder in das Umland von Kassel fuhren, waren proppenvoll. Jeder Acker wurde nach der Ernte von den Eigentümern gründlich abgelesen. Dennoch fand sich die Stadtbevölkerung auf den Äckern ein, um sie nochmals nach Ähren und Kartoffeln abzusuchen.


Kartoffelernte in alten Zeiten. Auf dem Feld bei Großenritte füllen Lisbeth Lange (von links), Annchen Landau, Gustchen Schenk, Minna Koch, Mutter unserer Autorin Ria Ahrend, und Elise Herz ihre Körbe.

Nicht selten wurden kostbare Sachen wie Schmuck, Uhren, Teppiche oder Großmutters wertvolles Geschirr auf dem Lande gegen Essbares eingetauscht. Zigarren und Zigaretten, die rationiert waren und die es nur in kleinen Mengen zu kaufen gab, wurden auch auf dem Tauschwege beschafft.

Marke Eigenbau

In den Gärten der damaligen Zeit konnte man große Tabakpflanzen bestaunen, aus deren getrockneten Blättern mit einer selbstgebastelten Schneidemaschine der so genannte Krüllschnitt entstand. Noch heute lachen wir über Vaters Tabakschneidemaschine, doch die Not machte auch damals erfinderisch. Der „Duft der großen, weiten Welt“ war der Tabakqualm allerdings nicht.

Schnapsbrennen und Likörherstellung jedweder Art waren untersagt, doch die Bevölkerung ließ sich allerlei einfallen, um diese Vorschrift zu umgehen. Einige Wachleute standen auf Posten und meldeten sich sofort, falls etwas Verdächtiges zu bemerken war.

Außerdem hatten ganz Pfiffige die Fußmatten leicht mit Petroleum besprüht, damit der süßliche Duft der Zuckerrüben, die für die Schnapsherstellung gekocht werden mussten, und der Alkohol nicht zu riechen waren.

Wir schlachteten jedes Jahr, kurz vor dem Weihnachtsfest, ein selbst gefüttertes Schwein. Fleisch und Wurst wurden sorgsam aufbewahrt und eingeteilt. Rippchen wurden angebraten und in Gläsern und Dosen eingekocht.

Die Beine und andere Fleischteile des Schweines wurden eingepökelt in einem großen Faß, das in einer Stube außerhalb unserer Wohnung aufgestellt war. Das Fleisch wurde des öfteren mit der Salzlake begossen.

Eines Tages stellten wir mit Schrecken fest, daß unser liebes Schwein nur drei Beine gehabt haben musste! Das vierte Bein war und blieb verschwunden.

Sauerkraut erbettelt

Doch dummerweise hatte eine Mitbewohnerin des Hauses bei unseren Nachbarn eine Portion Sauerkraut mit der Bemerkung erbettelt, meine Mutter hätte ihnen ein Stück Pökelfleisch geschenkt. Das Rätsel vom dreibeinigen Schwein war somit für uns gelöst.

HNA-Serie "Früher im Bauna-Tal" mit Adam Ritze und Ria Ahrend

Adam Ritze: Teil 1 bis 17 | Teil 1: Erinnerungen an den Baunsberg | Teil 2: Amerikanische Besatzung | Teil 3: Zwei junge Männer ließen Leben | Teil 4: Erste Vertriebene kamen | Teil 5: Abenteuer im Baunsberg | Teil 6: Endlich wieder Kirmesvergnügen | Teil 7: Man lernte, was möglich war | Teil 8: Eine neue Glocke für die Kirche | Teil 9: Die Zeit, als sich alles änderte | Teil 10: Die Abrissbirne regiert im Dorf | Teil 11: Kriegsende zum Osterfest | Teil 12: Sirenengeheul prägte Schulzeit | Teil 13: Kindergartenzeit im Krieg | Teil 14: Luftmine fiel vom Himmel | Teil 15: Bei Angriff in den Splittergraben | Teil 16: Blick auf das brennende Kassel | Teil 17: Bombenangst im Keller | Ria Ahrend: Teil 18 bis 40 | Teil 18: Flucht in den Kirchenbunker | Teil 19: Füße auf dem Küchentisch | Teil 20: Schlange stehen fürs Brot | Teil 21: Schwein mit drei Beinen | Teil 22: Ein Dieb stahl die Marken | Teil 23: Neue Stiefel von den Amis | Teil 24: Auf Reisen in Trizonesien | Teil 25: Bucheckern für etwas Öl | Teil 26: Spielen mit den Lämmchen | Teil 27: Spaß mit Hickelkästchen | Teil 28: Morgenwäsche im Bach | Teil 29: Bunker sind unvergessen | Teil 30: Kaffeemühle war der Hit | Teil 31: Polster im Hosenboden | Teil 32: Baden bei Denn und Ditt | Teil 33: Kindliche Gaumenfreuden | Teil 34: Zum Zahnarzt ging’s mit Briketts | Teil 35: Omas am Spinnrad|Teil 36: Zum Geburtstag gab’s Klöße | Teil 37: Stinkattacke auf die Läuse | Teil 38: Klassenzimmer mit Kino | Teil 39/40: Mit Zöpfen auf dem Motorrad | Weitere Artikel: Teil: 41 Kreuzkirche feiert Jubiläum | Gotteshaus feiert 100-jähriges Bestehen | Besuch bei Molly in Besse | Englisch-Lektion auf der Treppe


Siehe auch

Weblinks

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