Rindt-Orgel Hatzfeld: Unterschied zwischen den Versionen

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== Reich verzierte [[Rindt-Orgel]] ==
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[[Bild:Rindtorgel.jpg|thumb|right| Ein Schmuckstück: Die historische Rindt-Orgel in der Hatzfelder Emmauskapelle. Foto: Klaus Jungheim
In der [[Emmauskapelle]] steht die älteste klingende Orgel Nordhessens
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(Copyright: HNA)]]
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Ein besonderes Kleinod der Orgeldenkmalpflege befindet sich in der romanischen [[Emmauskapelle Hatzfeld|Emmauskapelle]] der Stadt [[Hatzfeld]] auf dem Friedhof: die [[Rindt-Orgel Hatzfeld|Rindt-Orgel]]. Sie zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Orgelwerken in Hessen. Zwar existieren im gesamten Bundesland noch ältere Gehäuse, die Rindt-Orgel gilt dort jedoch als eine der ältesten noch spielbaren Orgeln. Nordhessenweit aber ist sie einzigartig!
  
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2006 wird in dem alten Gotteshaus ein Jubiläum gefeiert. Denn die Rindt-Orgel ist 300 Jahre alt. Das Musikinstrument wurde [[1706]] vom Hatzfelder Orgelbauer [[Johann Christian Rindt]] unter Verwendung älterer Gehäuse- und Pfeifenteile gebaut. Dieser Geburtstag wird von der Stadt Hatzfeld mit einem Konzert- und Vortragsprogramm gefeiert werden.
  
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Ursprünglich war die Orgel nicht für die Emmauskapelle errichtet worden, sondern für die [[Stadtkirche Hatzfeld]]. In der Hatzfelder Stadtkirche versah das Instrument für lange Jahre seinen Dienst. Erst 1868 wurde die Rindt-Orgel wegen der Anschaffung einer neuen, größeren Orgel in die Emmauskapelle verlagert. Diese wird seit Generationen bis heute als Friedhofskapelle genutzt.
  
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Im Laufe der Zeit drohte das jahrhundertealte Pfeifenmaterial dieses Kleinods in der feuchten Emmauskapelle zu zerfallen. Dieter Schneider, Orgelexperte aus Biedenkopf, hatte bereits 1950 mit einem Aufsatz im Hinterländer Heimatkalender auf diesen erschreckenden Umstand hingewiesen.
  
Im Jahr 1686 war die Orgel, die heute in der [[Hatzfelder Emmauskapelle]] steht, von dem [[Orgelbauer Conrad Schmidt]] aus [[Kirdorf]] zunächst für die [[Pfarrkirche]] des Ederstädtchens erworben worden. Ihren eigentlichen Namen erhielt sie aber durch den [[Orgel-Baumeister Johann Christian Rindt]](geboren 1672 in [[Hatzfeld]], gestorben 1744 in [[Schönstadt]]). Er renovierte diese Orgel im Jahr 1706 eingehend. 1870 wurde die nach ihm benannte Rindt-Orgel in der Emmauskapelle aufgestellt, die sich auf dem Friedhof befindet. Die Rindt-Orgel wurde von [[Gerald Woehl]] 1984 umfassend und originalgetreu restauriert. Sie ist die älteste noch klingende Orgel Nordhessens und mit ihrem reich verzierten barocken Orgelprospekt ein überaus sehens- und hörenswertes Instrument.
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Schließlich wurde die Emmauskapelle selbst in den 1970er-Jahren renoviert. Nach einem langen Dornröschenschlaf wurde dann die Rindt-Orgel im Auftrag der Stadt Hatzfeld von 1982 bis 1984 in der Werkstatt von [[Gerald Woehl]] ([[Marburg]]) restauriert. Dies geschah derart mustergültig, dass sich bald international bekannte Musikhistoriker und Künstler dafür interessierten. Internationale Künstler spielten bereits mehrere CDs auf dem historischen Pfeifeninstrument ein.
  
Namhafte Künstler aus der Bundesrepublik Deutschland und dem Ausland werden zu Konzerten in der Emmauskapelle verpflichtet. Die Emmauskapelle hat sich als Torso einer ursprünglichen dreischiffigen Basilika mit vorspringendem Rechteckchor (vielleicht auch Chorturm) in ihren romanischen Bauformen bis heute rein erhalten. Ursprünglich als Dorfkirche des im 30-jährigen Krieg verwüsteten Dorfes [[Niederhatzfeld]] [[St.Cyriacus]] geweiht, dient sie den Hatzfeldern seit Generationen als Friedhofskapelle. Wann sie den Namen Emmauskapelle erhielt, ist nicht bekannt, vermutlich nach ihrer Instandsetzung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts (siehe auch Bericht rechts). Auch an der Kenntnis genauer Daten ihrer Erbauung und Renovierung fehlt es bis heute.
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Die Orgelbauer hatten in sorgfältiger Arbeit die Originalfarben hervor geholt, sie ergänzten die fehlenden Prospektteile und rekonstruierten nach einer Bleistiftnotiz auf der Rückseite der Orgel die restlichen Register der ursprünglichen Disposition.
  
Zwischenzeitlich kann davon ausgegangen werden, dass für die Zeit um 1200 der Hof bzw. die Siedlung Niederhatzfeld eine größere Bedeutung besaß. Die Herren von Hatzfeld sind wohl auch als die Gründer bzw. Stifter der Kirche anzusehen (Eigenkirche), deren Patronat sie besaßen. Als Baudenkmal und als historisches Zeugnis der alten Siedlung Hatzfeld fällt der Emmauskapelle heute eine besondere Bedeutung zu. Wie es um die gesellschaftliche Situation in Hatzfeld um die Zeit der Rindt-Orgel-Renovierung und danach bestellt war, darüber geben die geschichtlichen Hatzfelder Hefte ausführlich Auskunft: Über die Reparatur des Pfarrhauses sowie der Stadt- und der Totenkirche finden sich zahlreiche Angaben in den erhaltenen Archivalien für das 18.Jahrhundert.
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Die Rindt-Orgel besitzt einen reich verzierten Prospekt, der darauf hinweist, dass das Instrument vorher in einer bedeutenderen Kirche gestanden hatte. König David und Trompetenengel in den Ohren (so nennt man die Schnitzereien an den Außenseiten) verweisen auf die Aufgabe des Instruments zur Darstellung christlicher Musik. Schwieriger zu deuten sind die derben Löwenfiguren auf dem Gehäuse: Aber auch sie sind der christlichen Symbolik entnommen.
  
Bereits 1712 teilt der Bürgermeister der Regierung in Gießen mit, dass das Pfarrhaus sich in einem sehr schlechten und bedauernswerten Zustand befinde. Der Pfarrer könne nur unter großer Gefahr in dem Hause wohnen. Auch der Superintendent vertrat die Auffassung, dass ein neues Pfarrhaus gebaut werden müsse. Die Stadt bittet daher die Regierung um Genehmigung, aus den fürstlichen Waldungen Bauholz beziehen zu dürfen. Aus einem Bericht von 1735 geht hervor, dass sich beide Kirchen, also die Stadt- und die Totenkirche, in einem ganz baufälligen Zustand befänden. Man müsse unbedingt die Baumängel abstellen, denn falls solche nicht bald repariret werden, die gänzliche Niederfallung zu befürchten sei". Mehrfach bittet die Stadt die Regierung um Bewilligung einer Kollekte. Erst am 30.Oktober 1739, also vier Jahre nach dem gestellten Gesuch, wird die Genehmigung zur Erhebung einer Kollekte erteilt. Auch in den Jahren 1774-1776 geben die Archivalien Auskunft über rege Baumaßnahmen an den Kirchen- und Schulgebäuden der Stadt.
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Das größte Rätsel gibt jedoch die Figur am Untergehäuse auf, die einer Galionsfigur gleich, halb entblößt von einer Säule mit Rankenwerk getragen wird - vom Rindtschen Orgelwerk sind viele Teile noch im Original erhalten. So ist ein großer Bestand des alten Pfeifenwerkes noch vorhanden, fehlende Teile waren bei der Restaurierung material- und mensurgerecht ergänzt worden. Dies betraf auch die Windladen und die Traktur.
  
Die für das 18. Jahrhundert vorliegenden Akten über Anstellung und Besoldung des Lehrers zeigen den Kampf des Lehrers um eine gerechtere Besoldung, zumal die Tätigkeit des Lehrers sich nicht nur auf die Erteilung des Unterrichts erstreckte. Lehrer Johann Jost Löber schildert im Brief vom 9. Mai 1737, mit dem er um Erhöhung seiner Besoldung bittet, deutlich, dass er außer dem Schulunterricht den Organistendienst noch zu versehen habe. Außerdem müsse er, wenn Pfarrer Müller es verlange, diesen beim Predigtdienst vertreten. Die von den Lehrern nachgesuchten Besoldungserhöhungen wurden fast ausnahmslos bewilligt. Von 1769-1774 berichten die Akten über beträchtliche Auseinandersetzungen um die Besoldung der Rektorstelle. Die jährlichen Einkünfte betrugen 26 Gulden und fünf Albus.
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Vollständig fehlten die Klaviatur und die Balg-Anlage, die aufgrund vorhandener Spuren rekonstruiert werden konnten. Die Balg-Anlage wurde mit einer Treteinrichtung versehen, so dass die Orgel auch ohne Strom, mit Hilfe eines Bälgetreters, des so genannten Kalkanten, gespielt werden kann.  
  
[[Rektor Lyncker]] stellt am 13. 9. 1774 an den Geheimen Rat und das Konsistorium ein Gesuch um Besoldungserhöhung von zehn Gulden aus dem geistlichen Landkasten. Das Gutachten von Pfarrer Kolb lautet: Die Hatzfelder Schulbesoldung ist mager und schlecht und reicht nicht zur Besorgung. Bei diesen Umständen wäre demnach dem untertänigsten Supplikanten wohl zu gönnen eine Erhöhung, so wie bereits am 19. 9. 1768 schon beantragt. Nachdem bereits der Vorgänger Lynckers, Rektor Löber, schon um eine Besoldungserhöhung gebeten hatte, wurde dem Gesuch stattgegeben.
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Seit der Renovierung veranstaltet die [[Stadt Hatzfeld]] alljährlich Konzerte in der [[Emmauskapelle]]. Sie sind für Musikfreunde aus dem Oberen Eder- und Lahntal zu einer festen Adresse geworden.
 
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Von [[Klaus Jungheim]] (HNA)
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''Von Klaus Jungheim (HNA)''
  
 
[[Kategorie: Waldeck-Frankenberg]] [[Kategorie: Kirche]] [[Kategorie: Geschichte]]
 
[[Kategorie: Waldeck-Frankenberg]] [[Kategorie: Kirche]] [[Kategorie: Geschichte]]

Aktuelle Version vom 9. Oktober 2006, 18:22 Uhr

Ein Schmuckstück: Die historische Rindt-Orgel in der Hatzfelder Emmauskapelle. Foto: Klaus Jungheim (Copyright: HNA)

Ein besonderes Kleinod der Orgeldenkmalpflege befindet sich in der romanischen Emmauskapelle der Stadt Hatzfeld auf dem Friedhof: die Rindt-Orgel. Sie zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Orgelwerken in Hessen. Zwar existieren im gesamten Bundesland noch ältere Gehäuse, die Rindt-Orgel gilt dort jedoch als eine der ältesten noch spielbaren Orgeln. Nordhessenweit aber ist sie einzigartig!

2006 wird in dem alten Gotteshaus ein Jubiläum gefeiert. Denn die Rindt-Orgel ist 300 Jahre alt. Das Musikinstrument wurde 1706 vom Hatzfelder Orgelbauer Johann Christian Rindt unter Verwendung älterer Gehäuse- und Pfeifenteile gebaut. Dieser Geburtstag wird von der Stadt Hatzfeld mit einem Konzert- und Vortragsprogramm gefeiert werden.

Ursprünglich war die Orgel nicht für die Emmauskapelle errichtet worden, sondern für die Stadtkirche Hatzfeld. In der Hatzfelder Stadtkirche versah das Instrument für lange Jahre seinen Dienst. Erst 1868 wurde die Rindt-Orgel wegen der Anschaffung einer neuen, größeren Orgel in die Emmauskapelle verlagert. Diese wird seit Generationen bis heute als Friedhofskapelle genutzt.

Im Laufe der Zeit drohte das jahrhundertealte Pfeifenmaterial dieses Kleinods in der feuchten Emmauskapelle zu zerfallen. Dieter Schneider, Orgelexperte aus Biedenkopf, hatte bereits 1950 mit einem Aufsatz im Hinterländer Heimatkalender auf diesen erschreckenden Umstand hingewiesen.

Schließlich wurde die Emmauskapelle selbst in den 1970er-Jahren renoviert. Nach einem langen Dornröschenschlaf wurde dann die Rindt-Orgel im Auftrag der Stadt Hatzfeld von 1982 bis 1984 in der Werkstatt von Gerald Woehl (Marburg) restauriert. Dies geschah derart mustergültig, dass sich bald international bekannte Musikhistoriker und Künstler dafür interessierten. Internationale Künstler spielten bereits mehrere CDs auf dem historischen Pfeifeninstrument ein.

Die Orgelbauer hatten in sorgfältiger Arbeit die Originalfarben hervor geholt, sie ergänzten die fehlenden Prospektteile und rekonstruierten nach einer Bleistiftnotiz auf der Rückseite der Orgel die restlichen Register der ursprünglichen Disposition.

Die Rindt-Orgel besitzt einen reich verzierten Prospekt, der darauf hinweist, dass das Instrument vorher in einer bedeutenderen Kirche gestanden hatte. König David und Trompetenengel in den Ohren (so nennt man die Schnitzereien an den Außenseiten) verweisen auf die Aufgabe des Instruments zur Darstellung christlicher Musik. Schwieriger zu deuten sind die derben Löwenfiguren auf dem Gehäuse: Aber auch sie sind der christlichen Symbolik entnommen.

Das größte Rätsel gibt jedoch die Figur am Untergehäuse auf, die einer Galionsfigur gleich, halb entblößt von einer Säule mit Rankenwerk getragen wird - vom Rindtschen Orgelwerk sind viele Teile noch im Original erhalten. So ist ein großer Bestand des alten Pfeifenwerkes noch vorhanden, fehlende Teile waren bei der Restaurierung material- und mensurgerecht ergänzt worden. Dies betraf auch die Windladen und die Traktur.

Vollständig fehlten die Klaviatur und die Balg-Anlage, die aufgrund vorhandener Spuren rekonstruiert werden konnten. Die Balg-Anlage wurde mit einer Treteinrichtung versehen, so dass die Orgel auch ohne Strom, mit Hilfe eines Bälgetreters, des so genannten Kalkanten, gespielt werden kann.

Seit der Renovierung veranstaltet die Stadt Hatzfeld alljährlich Konzerte in der Emmauskapelle. Sie sind für Musikfreunde aus dem Oberen Eder- und Lahntal zu einer festen Adresse geworden.

Von Klaus Jungheim (HNA)