Palais Hessen-Rotenburg (Kassel)

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Palais Hessen-Rotenburg in Kassel war die Stadtresidenz der Nachfahren der Landgrafen von Hessen-Rotenburg, die seit 1629 die teilselbständige Landgrafschaft Hessen-Rotenburg regierten.

Das dreigeschossige Monumentalgebäude stand an der Südostecke der Einmündung der Oberen Königsstraße auf den Königsplatz und wurde 1767-1769 im Auftrag des Landgrafen Konstantin von Hessen-Rotenburg von dem Architekten Christoph Philipp Diede gebaut, mit Hauptfront an der Königsstraße.

Geschichte

Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel. Standort: auf der Osthälfte des Königsplatzes, mit Blick auf Königsplatz 34 und Königsstraße 32, um 1905–1911; ganz links Untere Karlsstraße 7 und 9

Das Palais Hessen-Rotenburg (vgl. Station 3) hatte am Königsplatz nur die westliche Hälfte des Baublocks eingenommen. Die Osthälfte wurde wegen des schlechten Baugrunds erst um 1780 bebaut. Dieses Privathaus bildete äußerlich zwar eine weitgehend symmetrische Ergänzung, war aber angesichts der Gründungsprobleme nur in leichterer Fachwerkbauweise errichtet, verblendet und verputzt.

Das Palais der Landgrafen von Hessen-Rotenburg war nicht der erste Kasseler Stadtsitz dieser Seitenlinie, die neben Rotenburg an der Fulda auch weitere einzelne Gebiete in den hessischen Territorien besaß. Diese sogenannte Rotenburger Quart war 1627 eingerichtet worden, um die Söhne aus der zweiten Ehe des Landgrafen Moritz (mit Juliana von Nassau) materiell abzusichern. Als Nebensitz in Kassel diente zunächst der Nassauer Hof an der Schlagd (der frühere Oberstenhof), den die Landgräfin als Witwensitz genutzt hatte. Um 1769 war die Hofanlage jedoch schon seit längerem unbewohnt, und Landgraf Friedrich II. erwarb sie von Konstantin von Hessen-Rotenburg, um dort verschiedene Behörden und ein Warenlager für den Handel unterzubringen. Dabei machte Friedrich II. zur Bedingung, dass Konstantin von dem Kaufpreis ein Palais an der neuen Königsstraße errichte. 1834 erlosch die Rotenburger Seitenlinie, und ihre hessischen Territorien fielen an Kurhessen zurück.

Nachdem das Palais Hessen-Rotenburg bereits 1813 als Ministerialgebäude angekauft worden war, erwarb der Staat um 1864 auch das Nachbarhaus Nr. 34 hinzu. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 war es naheliegend, das bisherige „Kurhessische Staatsministerium“ als Regierungspräsidium weiterzunutzen, aber bereits 1875 wurde ein zeitgemäßerer Neubau an der Fulda begonnen (1881/82 vollendet).

1911 fiel der gesamte Baukomplex am Königsplatz dem Abbruch zum Opfer, und der Hessische Bankverein errichtete an seiner Stelle ein neues Geschäftshaus. Der Bankverein war 1908 als Zusammenschluss der Bankhäuser J.C. Plauth & Co. in Eschwege und Leopold Plauth & Co in Kassel entstanden und hatte sich durch die Übernahme weiterer Banken auf weitere Städte und Orte ausgedehnt. 1922 wurde er von der Commerzbank AG übernommen.

Aus dem alten Palais Hessen-Rotenburg hatte man das Geländer des Treppenhauses teilweise in den Neubau übernommen, wo es beim Brand des Hauses in der Bombennacht 1943 unterging. Einzelne Brüstungsgitter des Palais waren dem Landesmuseum überwiesen worden, wo sie sich noch heute befinden, und zwei Vasen der Dachbalustrade stehen im Park Schönfeld, unterhalb des Schlösschens.



Burgen und Schlösser in Kassel

Palais Bellevue | Chattenburg | Palais Hessen-Rotenburg | Löwenburg | Burgstall Niederzwehren | Burg Nordshausen | Orangerie | Palais Reichenbach | Rotes Palais | Schloss Schönfeld | Stadtschloss | Wasserburg Waldau | Weißes Palais | Schloss Wilhelmshöhe