Natur, Tradition und Arbeitswelt: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
 
 
(3 dazwischenliegende Versionen von einem anderen Benutzer werden nicht angezeigt)
Zeile 12: Zeile 12:
  
 
''08.06.2007''
 
''08.06.2007''
 +
 +
 +
[[Kategorie: documenta]]  [[ Kategorie: Kunst und Kultur]]

Aktuelle Version vom 3. Dezember 2015, 17:45 Uhr

Wie die documenta 12 die Kunst präsentiert: Sakarin Krue-On

Eine Vielzahl der Künstler, die zur documenta 12 eingeladen wurden, beschäftigt sich mit den Folgen der Globalisierung. Allerdings ist diese politische Dimension nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Doch gerade darin liegt der Reiz der Arbeiten: Sie tragen nicht in platter Form ihre Anklage vor, sondern arbeiten die kritischen Aspekte in komplexe Projekte ein, die auch völlig andere Aspekte ansprechen.

Ein gutes Beispiel dafür liefert der thailändische Künstler Sakarin Krue-On (Jahrgang 1965), der, wie berichtet, in dem Berghang unterhalb von Schloss Wilhelmshöhe Reisterrassen anlegen lässt. Mittlerweile sind die Terrassen und die in sie eingegrabenen Gräben, in denen die Pflanzen wachsen sollen, erkennbar.

Der thailändische Künstler ist stolz darauf, ein Element der Landschaftskultur aus seiner Heimat und den asiatischen Nachbarländern in eine europäische Kulturlandschaft verpflanzen zu können. Ihn fasziniert die historische Dimension des Bergparks, der ja zum Zwecke des fürstlichen Vergnügens und der Repräsentation geschaffen wurde. Die Reisterrassen hingegen stehen für die Arbeitswelt und für die Grundsicherung der Ernährung in Asien. Für Sakarin Krue-On verbindet sich mit dem Bild der Reisterrassen die Vorstellung von einer Gesellschaft, in der die körperliche Arbeit zählt und in der Nachbarn selbstverständlich helfen, der Gedanke also an eine Gemeinschaft, in der das Geld als Tauschwert keine vorrangige Bedeutung hat. Die Globalisierungswelle hingegen, so erläutert er im Gespräch, zerstört die Strukturen und führt dazu, dass jede Arbeit und jeder Konsum über das Geld abgewickelt wird.

Seine Reisterrassen knüpfen aber auch formal an die Strukturen des Bergparks an, denn die übereinander liegenden Gräben nehmen die Form der Kaskaden auf.

Sakarin Krue-On setzt sich ebenso intensiv mit der Kultur seines vom Buddhismus geprägten Landes auseinander. Er beschwört die Bildzeichen und Formen einer Tradition, die unter dem Einfluss der Globalisierung und neuen Medien verloren zu gehen drohen. Das links reproduzierte Bild vermittelt eine Vorstellung von den sehr poetischen Bildern, die der Künstler aus diesem Geist schafft. In dem hinteren Treppenhaus der Neuen Galerie hat Sakarin Krue-On ein über mehrere Stockwerke reichendes Wandbild gestaltet, das mit seinen aus Punkten bestehenden Umrisszeichnungen wie ein aus dem Dunkel auftauchendes Sternbild erscheint.

08.06.2007