Marienkäfer

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Marias Sonnenkalb

Kleines Insekt mit großem Symbolgehalt: Marienkäfer

Eben noch quicklebendig, stellt sich der Siebenpunkt-Marienkäfer tot, wenn Gefahr droht. Foto: Bogumil

Hann. Münden. Wie überall mögen besonders Kinder die rot-schwarz gepunkteten Marienkäfer, die Sonnenkälbchen. Auf den Rücken gelegt oder angerührt, ziehen die kleinen Glücksbringer ihre sechs Beinchen ein und stellen sich tot. In die Freiheit gesetzt, hinterlassen sie auf der Handfläche winzige gelbe, unangenehm riechende Kleckse. Die vermeintlichen Kothäufchen sind in Wirklichkeit zur Gefahrenabwehr aus den Gelenkhäuten austretende Tröpfchen.

Der Siebenpunkt-Marienkäfer „Insekt des Jahres 2006“ hätte eine Verlängerung seiner Kür um ein weiteres Jahr verdient. Denn nach dem milden Jahrhundertwinter erwarten Biologen eine Invasion von Blattläusen, die Hauptnahrung der lackglänzenden Krabbler. Bereits die Larven des Marienkäfers vertilgen täglich 30 Blattläuse, die Käfer drei bis viermal so viele. Hochgerechnet können die Nachkommen eines einzigen Käferweibchens in einer Saison 150 000 der pflanzensaugenden Blattläuse verspeisen. Die Hauptfeinde der Marienkäfer sind Menschen. Vögel speien die biologischen „Schädlingsbekämpfer“ wegen des gallebitteren Geschmacks wieder aus.

Deswegen sind alle Gärtner aufgerufen, ihre Spritzen, gefüllt mit Fraß- oder Kontaktmitteln gegen Schädlinge jeglicher Art, im Schrank zu belassen, oder zumindest äußerst zurückhaltend einzusetzen. In den Forsten um Münden ist der Gebrauch von so genannten Insektiziden längst Geschichte. Man arbeitet inzwischen ausschließlich naturgemäß und naturbelassen.

Die sieben schwarzen Punkte auf den Flügeldecken sind keinesfalls als Hinweis auf das Alter der Käfer zu verstehen. Es ist lediglich ein Artenmerkmal unter zahlreichen, zwischen zwei bis 24 Punkten, versehenen Käferarten. Die seit jeher mystische Zahl Sieben – sie soll die vier irdischen Elemente und die himmlische Dreifaltigkeit symbolisch verbinden – machte den kleinen Käfer zum Glücks- und Gesundheitsbringer. Ursprünglich der Göttin Freya geweiht, wurde er später zum Käfer der mit sieben Tugenden bedachten Heiligen Jungfrau Maria. Von Manfred Bogumil