Louis Spohrs Klaviertrios

Aus Regiowiki
Version vom 23. Januar 2012, 09:04 Uhr von Hasso (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Louis Spohr (1784-1859)

Louis Spohr komponiert in den Jahren 1840 bis 1849 fünf Klaviertrios (op. 119, 123, 124, 133 und 142) in der klassischen Besetzung für Klavier, Geige und Cello. Dabei hält er sich, wenn es um die Rolle des Klaviers in einem Instrumentalensemble geht, an sein Vorbild Wolfgang Amadeus Mozart: „Ein Pianofortekonzert kann meiner Meinung nach nur den Effekt machen, wenn es wie die Mozartschen geschrieben, wo das Piano nicht viel mehr bedacht ist wie jedes andere Orchesterinstrument.“ (Spohr 1968, II/16) Dies trifft auch auf seine Klaviertrios zu, in denen das Klavier – anders als etwa bei seinen jüngeren Zeitgenossen Schubert, Mendelssohn oder Schumann – nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die Themenbearbeitung findet fast ausschließlich in den Streichern statt, während das Piano weitgehend begleitende und kommentierende Aufgaben erfüllt. Trotz dieser augenscheinlichen Unterschiede zu seinen Zeitgenossen erhält Spohr großes Lob; Robert Schumann rezensiert 1842 Spohrs erstes Klaviertrio op.119 durchaus positiv: „Seine neue Gabe müssen wir denn als eine neue Blüte seines reichen Geistes begrüßen, die im Kranze seiner Schöpfungen sich gar wohl mitblicken lassen darf. Zwar Duft und Farbe sind dieselben, die wir schon kennen. Aber es scheint eine unerschöpfliche Gemütstiefe gerade in diesem Künstler zu liegen, daß er uns immer zu fesseln versteht, sosehr er sich auch gleichbleibt.“ (Schumann 1914, II/94) Über das vierte Klaviertrio heißt es in der „Selbstbiographie“: „Da es auch in den musikalischen Kreisen zu Cassel bald ein Lieblingsstück wurde, so behielt Spohr es erst eine Zeit lang als Manuscript zurück, bis er es seinem Verleger Schuberth, der stets mit wahrhaft leidenschaftlicher Unruhe dem Erscheinen der Spohr’schen Trio’s entgegensah, zur Veröffentlichung zusandte.“ (Spohr 1861, II/311)

Klaviertrio B-Dur op. 133

Spohrs Klaviertrio B-Dur aus dem Jahr 1846 ist sein viertes Werk in dieser Besetzung. Er beginnt es im Mai 1846 in Kassel und beendet es im Juli desselben Jahres in Karlsbad. Das Klaviertrio besteht aus vier Sätzen, angelehnt an die klassische Sonate, auch ist der erste Satz in der Sonatenhauptsatzform komponiert. Die Binnensätze sind vertauscht, als zweiter Satz folgt das Menuett, danach das langsame Poco Adagio, am Schluss steht ein Rondo. Der Kopfsatz, in einem ungewöhnlichen 9/8-Takt, beginnt mit dem fröhlichen und schwungvollen ersten Thema in B-Dur. Es wird durch die Geige vorgestellt und danach von Geige und Cello wiederholt. Anschließend moduliert Spohr in Takt 22 in die Mediante Des-Dur, daraufhin greift das Klavier den Themenkopf erneut auf. Dies bleibt eine der wenigen Stellen, an denen das Klavier thematisch arbeitet.

Themenkopf des ersten Themas in B-Dur

Es folgt eine Art solistische Überleitung, in der Spohr über f-moll, die Molldominante von B-Dur, nach F-Dur moduliert, um nun das zweite Thema klassischerweise in der Dominanttonart vorzustellen. Auch das zweite Thema wird von der Geige präsentiert und durch eine rhythmisch unstete Begleitung des Klaviers unterlegt. Überraschend ist der synkopische Beginn mit dem Sforzato auf eine unbetonte Zählzeit. Dieses Thema klingt schwungvoll und tänzerisch, einen wirklichen Themenkontrast im klassischen Sinne kann man somit nicht feststellen. Das Ende des Themas beinhaltet eine für Spohr typische chromatische Sequenzierung. Auch das zweite Thema wird nun wiederholt, erneut von Geige und Cello zusammen. Hier folgt bereits vor der Durchführung eine Verarbeitung des zweiten Themas, ehe Spohr in Takt 77 zur eigentlichen Durchführung kommt. Die Durchführung bleibt überraschend spärlich und kurz. Spohr beginnt traditionell mit dem ersten Thema in der Dominante F-Dur, moduliert dann in entlegene Tonarten und kombiniert schließlich beide Themen miteinander. In der Reprise (T. 123) stehen, wie in der Klassik üblich, beide Themen in der Tonika B-Dur. Die Themen zeichnen sich beide dadurch aus, dass sie nicht eindeutig einzugrenzen sind, da sie keinen eindeutigen Abschluss besitzen. Erst am Ende des Stückes (T. 196) zeigt sich das erste Thema in seiner Grundgestalt, die eine achttaktige Geschlossenheit erkennen lässt.

Es folgt das Menuett, das in g-Moll steht und mit einem Thema beginnt, das durch den Triller sowie die aufwärtsgeführte Sexte sehr markant ist.

Themenkopf des Menuetts in g-Moll

Es ist klassisch nach der Form |:A:||:B A':| gebaut, anschließend folgt das Trio. Dieses steht in G-Dur, der gleichnamigen Durtonart. Geige und Cello stellen ein getragenes Thema vor, das anschließend abwechselnd von den Streichern und dem Klavier verarbeitet wird, während die jeweils anderen Stimmen mit chromatischen Wellenbewegungen begleiten. Auch das Trio folgt einer klassischen C-D-C'-Form, allerdings wird nur der erste Teil wiederholt. Das Trio endet mit einem ausgeschriebenen Da Capo, in dem erst das Menuett und danach das Trio nochmals aufgegriffen werden.

Als dritter Satz folgt ein Poco Adagio in Liedform. In einer Art „Frage-Antwort-Spiel“ beantwortet das Klavier durch schnelle Läufe die Streicher immer reichhaltiger. Im abschließenden Finale Presto greift Spohr den Kopf seines Menuettthemas erneut auf. Das Thema dieses Rondos lebt auch hier von der Signalwirkung des Trillers, im Gegensatz zum Menuett ist es jedoch nun klar achttaktig konturiert. Auf den Themenkopf mit Triller und abwärts geführtem Quartgang folgen lebhafte Sprungbewegungen im Stakkato.

Beginn des Rondothemas

Das Thema wird zweimal von der Violine vorgestellt und dann vom Klavier einmal wiederholt, es taucht immer wieder auf, unterbrochen durch verschiedene Ritornelle, häufig begleitet durch schier endlose Läufe des Klaviers. Berühmt wurde dieser Schlusssatz als „Karlsbader Sprudelsatz", eine Hommage an die belebenden Quellen des Entstehungsortes. Dem Zuhörer bleibt der erquickende Charakter des Stückes nicht verborgen, die Läufe und Sprungbewegungen des Klaviers sowie der Triller und die Stakkati des Themas sorgen für den lebendigen Eindruck. Im weiteren Verlauf des Stückes lässt Spohr nun den Themenkopf in immer kürzeren Abständen auftauchen, bis schließlich ein abwärtslaufendes Wechselspiel der Streicher mit dem Themenkopf das Ende des Stückes einleitet. In der „Selbstbiographie“ heißt es über die Entstehung dieses Rondosatzes: „Da nun die große Mäßigkeit nicht nur in leiblichen, sondern auch in geistigen Genüssen und Anstrengungen zur Kurordnung gehörte, so hatte Spohr, als gewissenhafter Kurgast, es sich anfangs zur Pflicht gemacht, jeder musikalischen Aufregung, insbesondere des Componirens sich zu enthalten, bis der Drang dazu bald so mächtig in ihm wurde, daß es ihm schwerer dünkte, denselben gewaltsam zu unterdrücken, als den seiner Phantasie schon lebhaft vorschwebenden Ideen Gestalt zu verleihen, und so entfloß denn seiner Feder in ungezwungener Leichtigkeit der noch fehlende letzte Satz zu seinem in Cassel bereits begonnen vierten Claviertrio, welcher von heiterer Lebendigkeit gleichsam übersprudelnd, von ihm selbst in scherzhaftem Doppelsinn zum Andenken an den ihm so heilbringenden Carlsbader Sprudel ‚der Sprudelsatz’ genannt zu werden pflegte.“ (Spohr 1861, II/310)

Literatur

  • Katow, Paul: Louis Spohr. Persönlichkeit und Werk. Luxembourg 1983.
  • Schumann, Robert: Gesammelte Schriften über Musik und Musiker. 2 Bd. Hg. v. Martin Kreisig. 5. Aufl. Leipzig 1914.
  • Spohr, Louis: Lebenserinnerungen. 2 Bd. Hg. v. Folker Göthel. Tutzing 1968.
  • Spohr, Louis: Selbstbiographie. 2 Bd. Cassel/Göttingen 1861.