Landgraf Wilhelm V.

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Wilhelm V., genannt der Beständige, war Landgraf von Hessen-Kassel in den Jahren 1627 bis 1637.

Leben und Wirken

"Der Beständige" im festen Glaube

Sein Vater, Landgraf Moritz drängte dem 25-jährigen die Regierung förmlich auf, da er selbst nicht mehr weiter wusste. Wilhelm V. übernahm ein im Inneren der Auflösung nahes, im Äußeren von schwersten Gefahren bedrohtes Land.

Politisch und militärisch hatte Moritz ausgesprochen ungeschickt und glücklos agiert. Unter ihm eskalierte der Streit mit Hessen-Darmstadt, es gingen Teile des Gebietes der Landgrafschaft Hessen-Kassel verloren (unter anderem Marburg) und im Dreißigjährigen Krieg wurden weite Teile Hessens sehr in Mitleidenschaft gezogen. Zum Ende seiner Regierungszeit hatte der Landgraf auch Kaiser und Nachbarfürsten zum Feind.

1627 trat der Landgraf, auch unter dem Druck der Landstände (insbesondere der Ritterschaft) zurück und überließ seinem Sohn das hochverschuldete, innen- und außenpolitisch in Schieflage befindliche Land. Zuvor sicherte er seiner zweiten Frau Juliane von Nassau-Dillenburg und ihren Kindern durch einen "Hausvertrag" ein Viertel des Landes, das Wilhelm V. als sogenannte "Rotenburger Quart" abtreten musste, bevor das Territorium durch einen sogenannten Haupt-Akkord (Hauptvergleich) neu zu verteilen war.

Letztlich hatte Landgraf Wilhelm V. im Jahre 1627 ein von seinem Vater wirtschaftlich weitgehend ruiniertes und politisch bedeutungsloses Land übernommen. Erst die diplomatischen Fähigkeiten des Landgrafen und besonders seiner Gemahlin Landgräfin Amalie Elisabeth haben der Landgrafschaft im Verlaufe des Krieges wieder politische Anerkennung gebracht.

Im Restitutionsedikt von Kaiser Ferdinand II., einer am 6. März 1629 erlassenen Verordnung, die ohne Einverständnis der evangelischen Reichsstände zustande gekommen war, vefügte der Kaiser die Rückgabe aller von den Protestanten eingezogenen geistlichen Güter und erklärte die "Declaratio Ferdinandea" des Augsburger Religions- und Landfriedens von 1555 ("cuius regio, eius religio") für ungültig. Das Erzbistum Mainz versuchte daraufhin mit Hilfe Tillyscher Truppen, die niederhessischen Klöster wieder in Besitz zu nehmen.

Da sich die Protestanten auf dem Leipziger Konvent (1631) nicht zu einem Bündnis mit dem schwedischen König Gustav Adolf durchringen konnten - Sachsen war dagegen -, schloß Wilhelm V. 1631 mit dem König im Feldlager zu Werben ein Schutz- und Trutzbündnis.

Wilhelm V. unterstellte König Gustav Adolf von Schweden - wie er ein Urenkel von Landgraf Philipp I. von Hessen - seine Armee und nahm auch selbst als Feldherr am Krieg teil.

Nach der von Gustav Adolf gegen den katholischen Heerführer Johann Graf von Tilly gewonnenen Schlacht bei Breitenfeld erhielt Landgraf Wilhelm V. unter anderem die Stifte Fulda, Hersfeld, Paderborn und Corvey und konnte im August des gleichen Jahres Hersfeld und im September auch Fritzlar erobern. Nachdem Gustav Adolf aber in der Schlacht bei Lützen aber im Jahre 1632 gefallen war, brach diese politische Koalition zusammen und die katholische Liga gewann an Kraft.

Bis zum Tode des Königs (1632) und noch zwei Jahre danach bis zur schwedischen Niederlage bei Nördlingen (1634) blieb Hessen aber einigermaßen von der Kriegsfurie verschont.

Strafe und Vergeltung

Als Kaiser Ferdinand II. im „Vertrag von Prag“ eine Vielzahl deutscher Fürsten vereinigte, um die ausländischen Mächte aus Deutschland zu vertreiben, beteiligte sich Landgraf Wilhelm V. nicht daran. Der Prager Friede vom 30. Mai 1635 beendete den Krieg zwischen den Reichsständen und dem Kaiser. Bis auf Bernhard von Sachsen-Weimar und den Landgrafen von Hessen-Kassel ratifizierten nach und nach alle Reichsfürsten diesen Friedensschluss.

Schon das Bündnis Wilhelms V. mit Gustav Adolf hatte die Bedeutung einer Kampfansage des protestantischen hessischen Landgrafen an den katholischen deutschen Kaiser gehabt. Nachdem Wilhelm V. noch sein Bündnis mit Frankreich geschlossen hatte, wurde er zum Reichsfeind erklärt. Die antikaiserliche Position des Landgrafen führte zur kaiserlichen Acht mit der Konsequenz, dass die Verwaltung der Landgrafschaft Hessen-Kassel dem kaisertreuen Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt übertragen wurde.

Im Jahr 1636 kam es als Straf- und Vergeltungsaktion zum Einmarsch der kaiserlich-bayrischen Armee in das Territorium der Landgrafschaft. Die Jahre 1636 und 1637 gingen als „Kroatenjahre“ in die Annalen ein.

1636 rückten Kroaten und Götzens Arkebusierreiter (Arkebus = Hakenbüchse) in das Land ein, die Truppen des Generals Götz besonders verheerend in Niederhessen. Damals sollen in Hessen 18 Städte, darunter Eschwege und Allendorf, 47 Burgsitze und weit über 100 Dörfer zerstört worden und ein Drittel der Bevölkerung zugrunde gegangen sein. Die Stadt Kassel blieb verschont, doch brach hier die Pest aus, der 1440 Menschen zum Opfer fielen.

Ein allgemeiner Frieden in Deutschland konnte erst sehr viel später hergestellt werden. Noch mehr als zehn Jahre dauerte der Krieg, bis 1648 der Westfälische Frieden geschlossen wurde.

Der Landgraf, der auf dem Regensburger Kurfürstentag wegen seines Bündnisses mit dem Reichsfeind Frankreich, in die Reichsacht erklärt worden war, konnte sich weder in Hessen noch Westfalen halten und zog sich ins leichter zu verteidigende Ostfriesland zurück. Hier starb er am 21. September 1637 - mitten im Dreißigjährigen Krieg - in Leer.

Aufgrund der politischen Verhältnisse wurde er erst am 23. April 1640 in der Martinskirche in Kassel beigesetzt. Seine Witwe, Landgräfin Amalie Elisabeth übernahm die Regentschaft als Vormund für den noch minderjährigen Erben Landgraf Wilhelm VI., die sie bis 1650 führte.

Literatur

  • Eckhart G. Franz, Das Haus Hessen, Stuttgart 2005

Nachkommen

Er war ab 1619 verheiratet mit Amalie Elisabeth von Hanau-Münzenberg (* 1602, † 1651), Tochter von Philipp Ludwig II., Graf von Hanau-Münzenberg. Zu ihren Kindern gehörte der spätere Landgraf Wilhelm VI..

siehe auch

Würdigung

Wilhelm V. hat sich nach dem Urteil von Historikern im Gegensatz zu vielen anderen evangelischen Fürsten mit ganzer Kraft für die Gesamtinteressen der Evangelischen eingesetzt, besonders aber handelte er als protestantischer Territorialfürst in dieser Zeit. Er hoffte auf eine glückliche Zukunft Deutschlands durch die Gründung eines evangelischen Kaiserreiches unter schwedisch-brandenburgischer Führung. Sein festes Stehen zum Glauben und dieser Idee trugen ihm den Beinamen "der Beständige" ein.

Andererseits hatte die antikaiserliche Position des hessischen Landgrafen Wilhelm V. im Dreißigjährigen Krieg zur kaiserlichen Acht geführt. Kaiser Ferdinand II. hatte in der Konsequenz der Acht die Verwaltung Hessen-Kassels dem kaisertreuen Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt übertragen. Im Jahr 1636 kam es zum Einmarsch der kaiserlich-bayrischen Armee in das Territorium der Landgrafschaft Hessen-Kassel, der die Züge einer brutalen Straf- und Vergeltungsaktion trug.

Weblinks


Landgrafen von Hessen (bis 1568)

Heinrich I. | Johann I. | Otto I. | Heinrich II. | Hermann II. | Ludwig I. | Ludwig II. | Wilhelm I. | Wilhelm II. | Philipp I.

Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.