Landgraf Moritz

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Landgraf Moritz der Gelehrte (1572 - 1632)

Moritz von Hessen-Kassel, genannt der Gelehrte (* 25. Mai 1572 in Kassel; † 15. März 1632 in Eschwege), Landgraf von Hessen-Kassel 1592 bis 1627. Moritz war Sohn und Nachfolger von Wilhelm IV.

Nicht umsonst ist Moritz als „der Gelehrte" in die Geschichte eingegangen. Er soll acht Sprachen gesprochen haben, hat sich als Förderer von Wissenschaft und Kunst hervorgetan und verfügte auch selbst über eine umfassende wissenschaftliche und musische Bildung, mit der er auch als Dozent, Forscher und Komponist wirkte.

Moritz war ein großer Freund von allegorischen Aufführungen, Ritterspielen und Theaterstücken. Von 1592 bis 1613 fanden regelmäßig Aufführungen einer englischen Schauspielertruppe statt. Der Liebe des Landgrafen zum Schauspiel verdankt Kassel den ältesten festen Theaterbau auf dem Kontinent, das Ottoneum (so genannt nach seinem Sohn Otto), das 1603-1606 erbaut wurde.

Als evangelisches Kirchenoberhaupt erließ Moritz 1604 die so genannten "Verbesserungspunkte", die für die Kirche von Hessen-Kassel (Niederhessische Kirche) eine nicht vollständige aber weitgehende Abkehr vom Luthertum und eine Hinwendung zur reformierten Theologie Calvins und Zwinglis brachten.

1598 entdeckte Moritz auf einer Reise in einem Gasthaus in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) den musikalisch begabten Gastwirtssohn Heinrich Schütz und nahm ihn für die weitere musische Ausbildung, zunächst an der mit ausgezeichneten Musikern besetzten Hofkapelle, mit nach Kassel. Heinrich Schütz gilt als der erste deutsche Komponist von europäischem Rang.

Auch für die Bildung seiner Untertanen engagierte sich Moritz durch die Einrichtung einer fürstlichen Hofschule: „Es hat ... auch etliche Clöster allhie [in Kassel] gehabt / an denen statt ein Fürsten Schul / das Collegium Adelphicum genannt / auffgerichtet / unnd darinnen neben den Künsten / unnd Sprachen / auch allerhand Adeliche Exercitia zu erlernen / von Landgraff Moritzen angeordnet worden." (Matthäus Merian, 1655). Die von Moritz 1595 eingerichtete Hochschule, das Collegium Adelphicum Mauritianum (auch Ritterschule genannt), an der vor allem junge Adelige in Rhetorik, Dialektik, Physik u.a. unterrichtet wurden, lag neben der Brüderkirche.

Die Sauberkeit in seiner Residenzstadt war ebenfalls ein Thema, das Moritz am Herzen lag. So erreichte er die Entfernung der Misthaufen von den Gassen und veranlasste eine Verordnung, nach der alle Hausbesitzer zwei mal wöchentlich die Gassen und Plätze reinigen mussten. Versäumnisse wurden mit einer Strafe von 5 Gulden belegt.

Kassel hatte zur Zeit des Landgrafen Moritz 5.265 Einwohner (Stand 1599).

Moritz legte auch den ersten Grund für die von seinen Nachfolgern (insbesondere von Landgraf Karl) gestaltete Wilhelmshöhe: 1606 wurde das verlassene Kloster Weißenstein zu einem Jagdschloss Weissenstein umgestaltet. Der Name des Weißenstein-Flügels des heutigen Schloss Wilhelmshöhe erinnert noch an diesen Ursprung.

Die Menschenfreundlichkeit Moritz' hatte die zu jener Zeit üblichen Grenzen. Als 1615 der Verdacht aufkommt, dass Landgräfin Juliane eine Affaire mit dem Hofjunker Heinrich von Eckhardsberg habe, findet eine öffentliche Folterung und Hinrichtung des jungen Mannes statt. Auf Anordnung von Moritz wird der Junker gevierteilt.

Politisch und militärisch agierte Moritz eher ungeschickt und jedenfalls glücklos. Unter ihm eskalierte der Streit mit Hessen-Darmstadt, es gingen Teile des Gebietes von Hessen-Kassel verloren (unter anderem Marburg), im 30-jährige Krieg wurden weite Teile Hessens sehr in Mitleidenschaft gezogen. 1627 trat er, auch unter dem Druck der Landstände, insbesondere der Ritterschaft, zurück und überließ seinem Sohn Wilhelm V. (Hessen-Kassel)das hochverschuldete, innen- und außenpolitisch in Schieflage befindliche Land.

Literatur:

  • Schwarzkopf: Geschichte der Stadt Kassel. In Die Residenzstadt Cassel am Anfange des zwanzigsten Jahrhunderts - Festschrift der 75.Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte. Cassel 1903.
  • Demandt, Karl E.: Geschichte des Landes Hessen. Kassel u. Basel 1972.
  • Ruhl, Klaus-Jörg (Hg.): Kassel in alten und neuen Reisebeschreibungen. Düsseldorf 1991.
  • Wegener, Karl-Hermann: Kurhessens Beitrag für das heutige Hessen. Wiesbaden 1999.
  • Klaube, Frank-Roland: Chronik der Stadt Kassel. Gudensberg 2002.

//Stefan Lange 2006/01/07 23:37//



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