Landgraf Hermann II.

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Burg Grebenstein

Hermann II. von Hessen (* 1341 auf Burg Grebenstein; + 24. Mai 1413), wurde auch der Gelehrte genannt (er studierte in Paris und Prag) und war seit 1367 Mitregent und später Landgraf von Hessen.

Geschichte

Burg Grebenstein

Die Stadt Grebenstein lag im Mittelalter an der "Königsstraße", einer alten Handelsstrasse, die von der Fulda im Süden, über Grebenstein, Hombressen und Gottsbüren zur Weser führte. In einer Urkunde des Bischofs von Münster wird die Stadt im Jahre 1311 erwähnt, die im Verlaufe von etwa 300 Jahren aus einem Marktflecken entstanden war.

Bereits um das Jahr 1265 zur Zeit des Grafen Ludolph von Dassel wurde auf einem Berg südlich der Stadt eine Burg errichtet, auf der im Jahre 1341 der spätere Landgraf Hermann II. von Hessen geboren wurde.

Herkunft

Der Vater des späteren Landgrafen Hermann II. war Ludwig der Junker, ein Bruder des Landgrafen Heinrich II.. Nachdem der Sohn des Landgrafen Heinrich, Otto der Schütz als vorgesehener Thronerbe verstorben war, berief Heinrich II. seinen Neffen Hermann zum Mitregenten und bestimmte ihn zu seinem Nachfolger.

Leben und Wirken

Im Jahre 1366 starb Otto der Schütz, der einzige Sohn des Landgrafen Heinrich II. völlig überraschend. Auf Grund seiner Mitregentschaft gilt er in der genealogischen Zählung des Hauses Hessen als Otto II.; Landgraf Heinrich II. musste nun für einen neuen Nachfolger sorgen. Zunächst benannte er den Sohn seiner Tochter Elisabeth, die mit dem Herzog Ernst von Braunschweig verheiratet war. Sein Enkel Otto von Braunschweig führte jedoch ein "wüstes Leben" und äußerte sich lieblos über seinen Großvater, so dass dieser ihm schon 1367 das Erbe absprach und sich für seinen Neffen Hermann entschied. Darauf kam es zu schweren Kämpfen zwischen der Landgrafschaft Hessen und dem Herzogtum Braunschweig.

In die Regierungszeit von Landgraf Hermann II. fielen auch Auseinandersetzungen mit der Kasseler Bürgerschaft, insbesondere durch Steuerforderungen infolge des Sternerkriegs und nach dem Erlaß einer neuen Verfassung im Jahre 1384, wodurch die Stadt ihre Selbständigkeit verlor.

Bereits die Erhebung neuer Steuern infolge des Sternerkriegs führte zu Unmut bei Adel und Bürgern. Städte in Niederhessen und an der Werra bildeten 1376 einen Bund, darunter die drei Kasseler Städte (Altstadt, Neustadt und Freiheit) und die Städte Allendorf an der Werra, Eschwege, Felsberg, Grebenstein, Gudensberg, Homberg an der Efze, Immenhausen, Lichtenau, Melsungen, Niedenstein, Rotenburg an der Fulda, Spangenberg, Witzenhausen, Wolfhagen und Zierenberg.

Infolge der Vermittlung des Landgrafen Balthasar von Thüringen kam es im Mai 1378 zwar zu einem Vergleich. Nach Erlass einer neuen Verfassung durch Landgraf Hermann im Jahre 1384, wodurch die Stadt Kassel ihre Selbständigkeit verlor, wandten sich die Kasseler Bürger aber erneut an Balthasar von Thüringen. Dieser verbündete sich mit dem Herzog Otto I. von Braunschweig-Göttingen und dem Mainzer Erzbischof Adolf I. von Nassau gegen Hermann von Hessen.

Als der Mainzer Erzbischof im Jahre 1390 starb, kam Hermann 1394 mit dessen Nachfolger Konrad II. von Weinsberg zu einem Ausgleich, der im Frankfurter Frieden besiegelt wurde. Es folgte der Friedberger Frieden mit Mainz und Braunschweig, nachdem Herzog Friedrich I. von Braunschweig-Lüneburg im Jahre 1400 bei Fritzlar von dem Grafen Heinrich von Waldeck und dessen Gehilfen (Friedrich von Hertingshausen und Konrad von Falkenberg) ermordet worden war (siehe dazu auch: Kaiserkreuz in Kleinenglis).

Landgraf Hermann II. konnte während seiner Regentschaft das Herrschaftsgebiet weiter ausdehnen. Er nahm im Jahre 1399 Ulrichstein und bald darauf Schotten am Vogelsberg in Besitz, weiterhin in 1402 Burg Hauneck, 1406 Vacha (im heutigen Thüringer Wartburgkreis) und schließlich 1408 einen Teil der Herrschaft Itter.

Ehefrau und Nachkommen

Hermann II. war in erster Ehe mit Johanna von Nassau-Weilburg (1355–1383) verheiratet. Diese Ehe blieb kinderlos.

Aus einer zweiten Ehe (1383) mit Margarete von Nürnberg-Zollern (1383–1406) hatte er acht Kinder, von denen aber nur drei das Kindesalter überlebten, darunter Ludwig, der seinem Vater als Landgraf von Hessen folgte. Margarete verstarb im Jahre 1406 in Gudensberg.

Kinder aus der Ehe mit Margarete von Nürnberg-Zollern:

  • Anna (1385–1386)
  • Heinrich (1387–1394)
  • Elisabeth (1388–1394)

Das Geschwisterpaar Heinrich und Elisabeth verstarb 1394 innerhalb von zehn Tagen und wurde in einem Doppelgrab in der Marburger Elisabethkirche beigesetzt.

Literatur

  • Ingrid Baumgärtner, Niederhessen in der Krise? Städtischer Aufruhr im landgräflichen Kassel und im erzbischöflichen Hofgeismar in: I. Baumgärtner / W. Schich (Hrsg.): Nordhessen im Mittelalter. Probleme von Identität und überregionaler Integration , Marburg 2001 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 64) S. 137 - 170 | kobra.bibliothek.uni-kassel.de (pdf)
  • Eckhart G. Franz, Das Haus Hessen, Stuttgart 2005

siehe auch

Weblinks


Landgrafen von Hessen (bis 1568)

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