Kurhessisches Parlament

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Zur Zeit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bestand ein von Adel und Städten beschickter Landtag, der wenig Einfluss hatte. Er wurde im Jahre 1806 durch den Reichstag des Königreichs Westphalen ersetzt. In den Jahren danach wurden 1815 und 1816 die Landstände einberufen, ohne dass aber ein Landesgesetz mit ihnen zu Stande gekommen wäre.

Zum Teil heftige Auseinandersetzungen mit einem wirtschaftlich erstarkenden Bürgertum fielen dann in die Regierungszeit der Kurfürsten Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm I..

Im Juli 1830 brach von Frankreich her die Revolution aus, die sich durch ganz Europa zog und die auch in Kassel ihre Spuren hinterliess. Die äußeren und inneren Umstände dieser Umwälzung führten zur bekannten Überreichung der Petition an den Kurfürsten am 15. September 1830 durch Carl Schomburg, Kassels erstem Bürgermeister, an der Spitze der Bürgerdelegation. Sie führten dann in der Folgezeit zur demokratischen Kurhessischen Verfassung von 1831.

Nach 14-jähriger „Pause“ war der Landtag wieder eröffnet worden. Schomburg war dessen Mitglied und stand an der Spitze der 2. Curie. Er wirkte auch maßgeblich an der neuen Verfassung mit und war ein Garant für die zügige Ausarbeitung. Seinem Verhandlungsgeschick war es letztlich zu verdanken, dass der Kurfürst der Halbierung des Familien- und Staatsvermögens zustimmte.

Aber die Errungenschaft einer demokratischen Kurhessischen Verfassung hatte nicht automatisch ein liberales Hessen zur Folge. Zu stark waren die Kräfte, die diese Bestimmungen als für den Staat gefährlich empfanden. Außerdem machte sich schnell bemerkbar, dass ab 1831 der Sohn des Kurfürsten (Friedrich Wilhelm I.), der die Verfassung ablehnte, Mitregent geworden war.

Kurhessische Verfassung

Dem Kurfürsten abgetrotzt

1831 Jahren wurde die liberale Verfassung in Kurhessen verkündet

Es war kein Akt der Aufklärung, dass das Kurfürstentum Hessen im Jahre 1831 eine Verfassung erhielt, die zusammen mit der belgischen zu den liberalsten in Europa gehörte.

Begünstigt wurde dieser fast revolutionäre Akt durch mehrere Faktoren: Der regierende Kurfürst Wilhelm II. (1821-1831) war gutmütig und schwach. Die wirtschaftliche Krise und soziale Not im Lande sorgten für Unruhe. Außerdem hatten die französischen Besatzer zur Zeit des Königreichs Westphalen revolutionär-liberale Gedanken mit nach Hessen gebracht. So war es 1830 dazu gekommen, dass eine gewählte Abordnung der Bürgerschaft dem Kurfürsten eine Petition überreichte, in der die Einberufung der Stände und die Erarbeitung einer Verfassung gefordert wurden.

In dem Abschnitt der Verfassung, in dem von den „allgemeinen Rechten und Pflichten der Unterthanen” die Rede ist, sind Freiheitsrechte verbrieft, die mit einigen unserer Grundrechte vergleichbar sind: Gleiche Rechte für alle, Freiheit der Berufswahl, Glaubens- und Gewissensfreiheit und Freiheit der Person und des Eigentums.

Ständehaus in Kassel

Das Ständehaus in Kassel - LWV Hessen-Archivbild

Bereits 1831 rang Hessens Bürgerschaft dem Kurfürsten Wilhelm II. eine für die damalige Zeit außerordentlich liberale und fortschrittliche Kurhessische Verfassung ab. Eine weitere Forderung der demokratischen Bewegung, die mit dem Namen des ersten Kasseler Oberbürgermeister Karl Schomburg verbunden ist, war die nach einem eigenen Parlamentsgebäude. Auch diesem mit Nachdruck vorgebrachten Wunsch konnte sich der Monarch nicht verschließen. 1836 wurde das Ständehaus in Kassel als erstes hessisches Parlamentsgebäude errichtet, die Abgeordneten des Kurhessischen Landtages nahmen das auch in seiner architektonischen Gestaltung bewusst als Palais für die Bürger errichtete Gebäude voller Enthusiasmus in Besitz.

Die Annexion Kurhessens durch Preußen im Jahre 1866 wandelte dann auch die Rolle und Aufgabe des dort tätigen Parlaments. Fortan tagten Kommunal- und Provinziallandtage im Ständehaus.

siehe auch