Kupferbergbau in Thalitter

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Der Kupferbergbau in Thalitter geht auf die Gründung des Oberberginspektors Balthasar Ludwig Müller vor mehr als 300 Jahren zurück. In den Jahren zwischen 1709 und 1868 wurde in Thalitter, einst eine wohlhabende "freie Bergstadt", Kupferbergbau mit einer eigenen Kupferhütte betrieben.

Davon zeugen noch vorhandene alte Stollen, die Bergkirche oder das dreigeschossige Fachwerkhaus (das "Große Haus") am Ort, das vermutlich einst als Jagdschloss der Landgrafen von Hessen-Darmstadt erbaut wurde und im 18. und 19. Jahrhundert der Sitz des Berginspektors war, bis zum Ende des Kupferbergbaus im Jahre 1868,

Geschichte

Bergbaugeschichte

Der erste Schacht wurde zwischen Thalitter und Dorfitter angelegt und es folgten rasch weitere Schächte in der Gemarkung von Thalitter. Unter Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt wurde der Bergbau am Ort gefördert. 1712 entstand eine Kupferhütte bei dem Ort und 1715 erhielt Thalitter ein Bergamt.

Die Frankenberger Allgemeine veröffentlichte am Samstag, 23 November 1968, folgenden Artikel:

Fromme Bergleute gruben nach Kupfer

Thalitter Bergwerk vor 100 Jahren stillgelegt

Thalitter. Ein dunkelgrauer Schiefermantel umschließt den Turm der Bergkirche von Thalitter, deren Glocken vor 250 Jahren noch täglich die Bergleute des Kupferbergwerkes zum Gebet riefen, ehe die Arbeit unter Tage begann. Die Gefahren in den Stollen, die ständige Bedrohung durch Unfall und Tod, aber auch der Dank der Bergleute für den Reichtum, der in der Erde gewachsen war, bestimmten ihre Frömmigkeit und ihr Fühlen. Die kleine Bergwerkskirche ist heute eines der wenigen Zeugnisse aus jener Zeit.

Urkunden, Inschriften, Gedenkmünzen und ein eigenes Gesangbuch berichten von dem Glauben und der Zuversicht der Bergleute, Grabsteine und Bilder im Kircheninneren schildern ihren Tod. Vom Aberglauben ist jedoch auch die Rede, von einem rätselhaften "Bergmönch" erzählen die Chroniken, von merkwürdigen Lichtern im Schacht und einer Gestalt mit einem Hundekopf, die zwei Knappen in Schrecken jagte.

Eine Persönlichkeit, die besonders nachhaltig auf das Denken und Tun der Bergleute einwirkte, war der Bergwerksgründer Balthasar Müller, der dem Gotteshaus auch eine Glocke stiftete mit der Inschrift: "Als das itt-rische Bergwerk im Flore war, im siebzehnhundertfünfzehnten Jahr, ließ mich Herr Inspektor Müller gießen, dass ich der Knappschaft thät zu wissen, wie sie hät vor die Seel´ zu wachen und treulich ihre Schicht zu machen. Ein jeder, der mein Schall wird hören, kehr sich von Sünd, leb´ Gott zu Ehren."

700 Lieder und Gebete
Die Bergwerksangehörigen von Thalitter besaßen sogar ein eigenes Gesangbuch, das im Jahr 1722 erschien und 1756 noch einmal in zweiter Auflage gedruckt wurde. Es enthielt über 700 Lieder, Gebete und eine Geschichte des Itterschen Bergwerkes, die von dem Herausgeber des Gesangbuchs, dem Bergsekretär Sebastian Jasche, geschrieben worden war.

Dieser Bergsekretär stürzte am 25. Januar 1734 in den Schacht "Neuer Segen" und wurde unter der Kanzel der Bergkirche von Thalitter beerdigt. Auf der kupfernen Grabplatte stehen die Zeilen: "Ich war in dem Beruf auf meines Gottes Wegen. Da fiel ich in den Schacht, genannt der "Neue Segen". Nun wird hier meinen Leib dies Grab solange bedecken, bis Jesus, Gottes Sohn, vom Tod mich wird auferwecken."

Tödlich verunglückt
Bereits 1716 war in dem Schacht "Bergmannshoffnung" ein Haspelknecht tödlich verunglückt, der als erster auf dem neu angelegten Friedhof in Thalitter beigesetzt wurde. Ein Jahr nach dem Unfall Jasches gab es ein neues Unglück auf der Kupferzeche: Ein Gewitter zog durch das Ittertal, und ein Blitz schlug in das Zechenhaus. Dort hatte sich eine Menschengruppe versammelt und vor dem Regen Schutz gesucht. Zwei Kinder wurden getötet.

Dem Bergwerksgründer Müller war die Frau im Tode vorausgegangen. Sie wurde ebenfalls in der Bergkirche begraben, wie eine große Kupferplatte berichtet, auf der Christus am Kreuz dargestellt ist. "Du musst ein Wanderer, ein kühner Bergmann werden", heißt es in ihrer Inschrift, "der täglich fähret ein in düstern Schoß der Erden. Dann wird dich Tod und Grab im Sterben nicht erschrecken und Jesus sich nebst mich zum Leben auferwecken..."

Seltsame Stimmung
Eine seltsame Stimmung geht von dem großen, in dunklen Farben gehaltenen Ölgemälde aus, das heute an der Seitenwand des Kirchenschiffes hängt. Es ist von Balthasar Müller gestiftet worden und zeigt in seinem oberen Teil Christus am Kreuz, umgeben von Frauen und Kindern. Auf seinem unterem Teil wird seine im Sarg liegende Frau dargestellt, um die herum eine Gruppe von Menschen mit bedrückten Gesichtern steht. "Sie stehen alle hier betrübt und Kummer voll und trösten sich der Stimm, die uns erweckten soll", lauten die beiden letzten Zeilen der dazugehörigen Inschrift.

Am 4. Februar 1867 läuteten die Glocken der Bergkirche von Thalitter mittags um 12 Uhr eine Viertelstunde lang: Die Herrschaft Itter, und damit auch das Bergwerk, war preußisch geworden. Vor hundert Jahren, 1868, wurde es schließlich stillgelegt. Importiertes Kupfer aus dem Ausland hatte die Preise fallen lassen, die Bergleute verloren ihren Arbeitsplatz und wanderten in andere Gebiete ab oder suchten sich einen neuen Beruf. Die Zeit "reichen Segens" aus den Tiefen der Itterberge war vorbei.

Oberbeginspektor Balthasar Ludwig Müller

Oberbergbauinspektor Balthasar Ludwig Müller, auf dessen Gründung der Kupferbergbau in Thalitter zurückgeht, starb im Jahre 1746 und wurde neben seiner bereits im Jahr 1730 verstorbenen Ehefrau Ursula Marianne in der evangelischen Bergkirche zu Thalitter beigesetzt.

An ihn und seine Ehefrau erinnern in der Kirche eine große Grabplatte aus Kupfer vor dem Altar, ebenso ein Ölgemälde an der linken Wand im Kirchenschiff aus dem Jahr 1730.

Literatur

  • Itterische Berg-Ordnung, ‚‘wie solche vom Fürstl. Berg-Ambt daselbst errichtet und darauf gnädigst confirmiret, auch ferner um mehrerer Nachrichten willen zum Druck befördert und publiciret worden. Anno 1718‘‘
  • Christian Paul, Die Geschichte des Itterschen Kupfer-Bergwerks, Korbach 1939

siehe auch

Weblinks