Keiler

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Damit der Braten nicht davonrennt

Jäger üben am laufenden Keiler

Übungsstunde: Sylvia Strenzke, Jungjägerin aus Kassel, beim Training auf den laufenden Keiler am Schießstand der Mündener Jägerschaft im Reinhardswald. Fotos: bogumil
Laufender Keiler. Es muss noch intensiv geübt werden. Die überklebten Schüsse sitzen hier fast alle zu tief.

Einen laufenden Keiler findet man in Mündens Wäldern im Rattbach, auf der Schießanlage der Mündener Jägerschaft im Reinhardswald.

Eigentlich laufen Wildschweine nicht, sagen die Jäger. Sie ziehen, wenn sie sich langsam bewegen, flüchten, wenn sie Witterung von Jägern bekommen und durchrinnen Fulda, Werra und Weser, statt sie zu durchschwimmen. Längst sind viele dieser jagdlichen Spezialausdrücke in den allgemeinen Sprachgebrauch eingeflossen. So liegt der Kranke im Wundbett und der Genesende kommt wieder auf die Läufe.

Der laufende Keiler ist aus Pappe. Er bewegt sich elektronisch gesteuert auf dem Schießstand und dient Jägerinnen und Jägern als Trainingsgerät für sicheres Treffen auf bewegliche Ziele. Das Pappschwein läuft in zwei Geschwindigkeiten von neun, beziehungsweise 18 Kilometern. Allerdings ist die Laufstrecke auf sechs Meter eingeengt, so dass der schwarze Blitz in 1,5 bis 3,5 Sekunden verschwunden ist.

Die Zeiten, wo Jäger in Deutschland Bären mit der Keule gegenüber traten und Wildschweine mit der Lanze zum Zweikampf aufforderten, sind längst Geschichte. Inzwischen wird die Jagd mit Präzisionsgewehren ausgeübt. Das schützt aber keinesfalls vor schlecht sitzenden Schüssen.

Das ist ein Grund für die umliegenden Waldbesitzer, bei ihren Gesellschaftsjagden von jedem Teilnehmer den Nachweis über mindestenszehn Schüsse auf den laufenden Keiler einzufordern - und zwar Jahr für Jahr aufs Neue. Jagen ist in erster Linie Töten von lebenden Kreaturen. Und das muss so schmerzfrei wie möglich vonstatten gehen.

Außerdem wäre es höchst bedauerlich, wenn der leckere, lang ersehnte Wildbraten dann doch davonläuft.

Von Manfred Bogumil