Johann Wolfgang von Goethe

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Das Renommee deutscher Städte wird gemeinhin durch den Beleg eines Besuchs von Johann Wolfgang von Goethe (*28.8.1749 †26.3.1832) bestimmt und ggf. gesteigert.

Für Kassel gibt es immerhin vier solcher Besuche. Der erste Aufenthalt fand vom 14.-16.9.1779 mit Herzog Carl-August während der Reise in die Schweiz statt.

Der zweite Aufenthalt ereignete sich zusammen mit Charlotte von Steins Sohn Fritz vom 20.10.- 5.11.1783, bei dem er auch den Herkules besuchte. Die Kritik an der absolutistischen Zweckarchitektur dürfte heutzutage, nachdem der Herkules zum Wahrzeichen Kassels avanciert ist, nicht mehr nachvollziehbar sein. Auf seiner Italienreise vermerkt er 1786 in seinem Tagebuch:

„Eine zweite Natur, die zu bürgerlichen Zwecken handelt, das ist ihre Baukunst […]. Nun fühle ich erst, wie mir mit Recht alle Willkürlichkeiten verhaßt waren, wie z. B. der Winterkasten auf dem Jagdschloss Weissenstein, ein Nichts um Nichts, ein ungeheurer Konfektaufsatz, und so mit tausend andern Dingen. Das steht nun alles totgeboren da, denn was nicht eine wahre inner Existenz hat, hat kein Leben und kann nicht groß sein und nicht groß werden.“

Auf der Durchreise von Düsseldorf kommend fand ein dritter Aufenthalt 1792 von kurzer Dauer statt, der jedoch die längste autobiographische Niederschrift erfuhr:

„Wie aber die Nacht wieder hereinbrach, da fühlte man sich wieder von allen Sorgen umstrickt in einem kummervollen Zustand. Wie düster aber auch in der letzten und schwärzesten aller Nächte meine Gedanken mochten gewesen sein, so wurden sie auf einmal wieder aufgehellt, als ich in das mit hundert und aber hundert Lampen erleuchtete Kassel hineinfuhr. Bei diesem Anblick entwickelten sich vor meiner Seele alle Vorteile eines bürgerlich-städtischen Zusammenseins, die Wohlhäbigkeit eines jeden einzelnen in seiner von innen erleuchteten Wohnung und die behaglichen Anstalten zur Aufnahme von Fremden“.

Eine irrige Annahme, wie sich kurze Zeit später herausstellte, denn – so Goethe weiter: „Diese Heiterkeit jedoch ward mir für einige Zeit gestört, als ich auf dem prächtigen tageshellen Königsplatze an dem wohlbekannten Gasthofe anfuhr; der anmeldende Diener kehrte zurück mit der Erklärung: es sei kein Platz zu finden. Als ich aber nicht weichen wollte, trat ein Kellner sehr höflich an den Schlag und bat in schönen französischen Phrasen um Entschuldigung, da es nicht möglich sei, mich aufzunehmen. Ich erwiderte darauf in gutem Deutsch: wie ich mich wundern müsse, daß in einem so großen Gebäude, dessen Raum ich gar wohl kenne, einem Fremden in der Nacht die Aufnahme verweigert werden wolle. ‚Sie sind ein Deutscher’, rief er aus, ‚das ist ein anderes!’ und sogleich ließ er den Postillion in das Hoftor hereinfahren. Als er mir ein schickliches Zimmer angewiesen, versetzte er: er sei fest entschlossen, keinen Emigrierten mehr aufzunehmen. Ihr Betragen sei höchst anmaßend, die Bezahlung knauserig; denn mitten in ihrem Elend, da sie nicht wüßten, wo sie sich hinwenden sollten, betrügen sie sich noch immer, als hätten sie von einem eroberten Lande Besitz genommen.“


Der vierte Aufenthalt schließlich fiel in die Zeit vom 15.-21.1801, als er von Bad Pyrmont kommend sich in Kassel mit Christiane Vulpius und Johann Heinrich Meyer traf.

Neben den bereits erwähnten Namen, finden sich aber auch diejenigen anderer Künstler und Gelehrter, mit denen Goethe in Kassel zusammentraf: Samuel Thomas von Sömmerring, Georg Forster, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Johann Samuel Nahl und der Architekt Daniel Engelhard.

Schließlich empfing noch ein Tier die goetheschen Weihen: Der so genannte Goethe-Elefant, der im Ottoneum zu bewundern ist.

Darüber hinaus verweisen die Goethestraße, der Goethestern, die Goethe-Anlage, das Goethe-Gymnasium und die am 6.2.2002 eingeweihte Goethe-Büste an Kassels einstigen Gast.

Quellen

Goethe, Johann Wolfgang von: Autobiographische Schriften, Bände II und III. München: dtv 1998 (Hamburger Ausgabe).

Links

[Goethegesellschaft Kassel]