Immenhausen

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Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Kassel
Höhe: 339
Fläche: 28,53 qkm
Einwohner: ca. 7.300
Postleitzahl: 34376
Vorwahl: 05673
Kfz-Kennzeichen: KS
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 1
34376 Immenhausen
Website: www.immenhausen.de
Bürgermeister: Andreas Güttler (SPD)

Immenhausen ist eine Stadt im Landkreis Kassel in Nordhessen mit etwa 7.300 Einwohnern.

Stadtteile

Sehenswürdigkeiten

Geschichte

Der Ort lag im Mittelalter an der "Königsstraße", einer alten Handelsstrasse, die von der Fulda im Süden, über Immenhausen, Hombressen und Gottsbüren zur Weser führte.

Evangelische Stadtkirche

Erstmals urkundlich erwähnt wird die Stadt im 13. Jahrhundert als Emmenhusin. Schon zuvor ist der Sitz der „Edelherren von Immenhausen“ unter der Herrschaft des Erzbistums Mainz belegt. Obwohl der Besitzanspruch vom Erzbistum Mainz bestritten wurde, baute Landgraf Heinrich I. von Hessen den Stützpunkt im 13. Jahrhundert zu einer wehrhaften Stadt aus. Urkundlich wird eine größere Zahl von adeligen Burgmannen genannt, die ihn bei der Sicherung der Stadt am Rande des Reinhardswalds unterstützte, darunter Hanns von Stockhausen oder Heinrich von Uffeln.

Im Juli 1385 wird die landgräfliche Stadt Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen und - anders als die deutlich stärker befestigte Nachbarstadt Grebenstein – fast gänzlich zerstört. In der Folge wurden Grebenstein und Immenhausen an den Erzbischof von Mainz verpfändet und erst 1399 an den Landgrafen von Hessen zurückgegeben.

1409 wird mit der Wiedererrichtung der St. Georgs-Kirche begonnen, die als spätgotische, dreischiffige Hallenkirche entsteht und Mitte des 15. Jahrhunderts kunstvoll ausgemalt wird. Ein Schüler Luthers, Bartholomäus Rieseberg (auch: Riseberg) aus der Altmark (1492-1566), war dann zur Zeit der Reformation einer der ersten evangelischen Prediger im Norden Hessens und in der Stadtkirche von Immenhausen, was ihm eine mehrwöchige Kerkerhaft im „Jungfernturm“ von Grebenstein einbrachte, aus der er entfliehen konnte.

Denkmal - Bartholomäus Rieseberg

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die eroberte Stadt wiederholt geplündert und fast vollständig niedergebrannt. Nach dem Ende des Kriegs lebten hier nicht einmal mehr 500 verarmte Bewohner. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das Fachwerk-Rathaus der Stadt wieder errichtet.

In den Jahren 1686 und 1687 zogen vorübergehend französische Glaubensflüchtlinge in die Stadt ein, bevor sie im benachbarten Mariendorf einen dauerhaften Wohnsitz fanden. Zu dieser Zeit begann das Siedlungsprogramm des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel für die aus Frankreich ausgewiesenen Hugenotten in den nach dem Dreißigjährigen Krieg vielfach zerstörten und entvölkerten Landstrichen im Norden Hessens. Erste neue Dörfer entstanden seinerzeit in Carlsdorf (benannt nach Landgraf Carl) und Mariendorf (benannt nach seiner Ehefrau Maria Amalia).

Unter Kurfürst Wilhelm II. und dessen Sohn Friedrich Wilhelm I. wurde ab 1844 im Kurfürstentum Hessen-Kassel mit dem Bau der Friedrich-Wilhelms–Nordbahn von Karlshafen über Kassel bis nach Bebra begonnen. Die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn war die erste kurhessische Eisenbahnstrecke. Der erste eröffnete Abschnitt war die Strecke GrebensteinHümme im Jahre 1848. Erst 1884 erhielt auch die Ackerbürgerstadt Immenhausen eine Haltestelle. 1898 entstand auf der gegenüberliegenden Seite eine Glashütte, deren Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg von Richard Süßmuth wieder aufgenommen wurde.

Aktivitäten einer erstarkenden Arbeiterbewegung fanden Niederschlag in der Gründung des "Arbeiter-Turn- und Sportvereins Jahn 1906", des "Arbeiter-Radfahr-Vereins Flottweg", des Musikvereins "Glashütte 1908" und eines Arbeiter-Sängervereins.

Immenhausen-Rathaus.JPG

In der Weimarer Republik entwickelte sich die SPD zur stärksten kommunalpolitischen Kraft und stellte seit Dezember 1929 mit Gustav Tiggemann den Stadtverordnetetvorsteher und ab 1930 mit Gustav Seitz den Bürgermeister.

Bei den ersten Gemeindewahlen nach dem Zweiten Weltkrieg am 27. Januar 1946 errang die SPD in Immenhausen 66,4% der abgegebenen Stimmen und zwei Sozialdemokraten, Wilhelm Erkelenz und Gustav Tiggemann wurden Stadtverordnetenvorsteher und Bürgermeister.

Der Anteil der katholischen Bevölkerung in dem bis dahin stark protestantisch geprägten Norden von Hessen stieg nach dem Zweiten Weltkrieg stark an, im ehemaligen Kreis Hofgeismar auf mehr als 22.000 Personen. In Immenhausen wurden bereits 1948 mehr als 840 Heimatvertriebene und Evakuierte gezählt. Heimatvertriebene – zum Beispiel aus Schlesien oder dem sog. Sudetenland – mit zumeist katholischer Konfession kamen im Kreisgebiet an und fanden hier auf Dauer eine neue Heimat. In den 1950-er Jahren entstanden zahlreiche neue katholische Gotteshäuser im ehemaligen Kreisgebiet, darunter auch die Kirche St. Clemens Maria in Immenhausen im Jahre 1952.

Immenhausen gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst zu den Städten und Gemeinden im ehemaligen Kreis Hofgeismar, später im Zuge der hessischen Gebietsreform zum Landkreis Kassel. Durch die hessische Gebietsreform kam es am 01. Oktober 1970 auch zum Zusammenschluss von Immenhausen mit den umliegenden Dörfern Holzhausen und Mariendorf.

Literatur

  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 150 ff.

Lilli Jahn und Klara Haase

Lilli Jahn, Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie studierte Medizin und heiratete 1926 den jungen Arzt Ernst Jahn, mit dem sie in Immenhausen eine gemeinsame Hausarztpraxis eröffnet. Das Ehepaar hatte fünf Kinder, darunter der spätere Bundesjustizminister Gerhard Jahn.

Mit den Folgen von Hitlers "Machtergreifung" wurden die Jahns erstmals Ende März 1933 konfrontiert. SA-Leute verhaftteen in Immenhausen Sozialdemokraten und Kommunisten und die übel zugerichteten Leute wurden am nächsten Tag in der Praxis von Ernst Jahn medizinisch versorgt. Aber auch der eben noch geachteten Arztfamilie ging man zunehmend aus dem Wege. Im Juli 1943 wurde Lilli Jahn auf Betreiben des stellvertretenden Ortsgruppenleiters der NSDAP und Bürgermeisters aus Immenhausen vertrieben und 1944 über Dresden nach Ausschwitz deportiert. Im September 1944 erhielten die Kinder in Immenhausen die Nachricht vom Tod ihrer Mutter.

An das Schicksal der im Zweiten Weltkrieg verfolgten Ärztin Lilli Jahn erinnert das von Martin Doerry editierte und kommentierte Buch „Das Leben der Lilli Jahn 1900-1944“ mit zahlreichen Briefen der Verfolgten.

Zum Gedenken an Lilli Jahn pflanzte ihr Sohn Gerhard Jahn 1962 zwei Bäume zu Ehren seiner Mutter in Yad Vashem in Jerusalem. Ihre Großcousine und enge Freundin Lotte Paepcke überlebte die Nazizeit, wurde Schriftstellerin und erinnerte an sie im Jahre 1952 in ihrer Autobiografie „Unter einem fremden Stern“.

In der Gedenkstätte Breitenau erinnert seit 1992 eine Vitrine mit Briefen und weiteren Erinnerungsstücken an Lilli Jahn.

In Immenhausen wurden 1995 eine Straße und 1999 die örtliche Grundschule nach ihr benannt.

Seit Mai 2007 erinnert eine Gedenktafel in der Stadt auch an Klara Haase aus Immenhausen (damals Glashütte 8), die 1941 auf Grund einer Denunziation verhaftet und in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück deportiert wurde, wo sie am 23. März 1943 ermordet wurde. Die Gedenktafel befindet sich am Geburtshaus von Klara Haase, heute Poststraße 24. Gleichzeitig wurde die Gedenktafel für die Ärztin Dr. Lilli Jahn in der Lindenstraße 11 erneuert.

Auf der Homepage des Stadtmuseums Hofgeismar sind die Namen (bei Ehefrauen auch die Geburtsnamen), das Geburtsjahr und das Deportationsziel von insgesamt 453 jüdischen Opfern der Nazi-Zeit vermerkt, die aus den Städten und Gemeinden der früheren Landkreise Hofgeismar, Kassel und Wolfhagen stammen.

Glashütte Süßmuth

Immenhausen-Glasmuseum.JPG

Firmengründer Richard Süßmuth war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in Schlesien in der Glasfabrikation tätig. Nach dem Krieg kam er als Vertriebener nach Immenhausen im ehemaligen Kreis Hofgeismar und baute dort die gleichnamige Glashütte auf, die im Jahre 1996 stillgelegt wurde.

Im umgebauten Generatorhaus wurde im Jahre 1987 durch die Stadt Immenhausen ein attraktives Glasmuseum geschaffen (Am Bahnhof 3, 34376 Immenhausen).

siehe auch

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Weblinks


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WappenLkKassel.jpg

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