Hugenottenkirchen im Altkreis Hofgeismar

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Hugenottenkirchen
im Altkreis Hofgeismar
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Zum Ende des 17. Jahrhunderts fanden zahlreiche französische Glaubensflüchtlinge Aufnahme in der Landgrafschaft Hessen-Kassel, besonders in den nach dem Dreißigjährigen Krieg nur noch dünn besiedelten nördlichen Landesteilen.

Auch die ehemalige Ackerbürgerstadt Hofgeismar gehörte zu den Orten, in denen Landgraf Karl im 17. Jahrhundert französische „Réfugiés“ ansiedelte. Etwa 265 französische Flüchtlinge trafen Anfang Februar 1686 in Hofgeismar ein, nachdem König Ludwig XIV. in Frankreich schon 1685 das Toleranzedikt von Nantes aufgehoben hatte.

Bereits am 22. Februar 1686 wurde eine französisch-reformierte Gemeinde in Hofgeismar an der Neustädter Kirche gegründet. Der erste Pfarrer der Gemeinde war der Waldenserpfarrer David Clément, der 1685 seine Heimat im Pragelatal verlassen musste und über die Schweiz mit drei Flüchtlingsbrigaden (den Brigaden "Elsaß", "Val Cluson" und "Queyras") nach Hessen gekommen war.

Noch 1686 begann das Siedlungsprogramm des Landgrafen in den nach dem Dreißigjährigen Krieg vielfach zerstörten und entvölkerten Landstrichen. Hugenotten (aus dem französischen Staatsgebiet) und Waldenser (aus den französischen Alpentälern und den Alpentälern Savoyens) siedelten sich nicht nur in Hofgeismar an. Neue Dörfer entstanden auch in der Umgebung der Stadt, als erstes Carlsdorf (benannt nach Landgraf Carl) oder Mariendorf bei Immenhausen (benannt nach seiner Ehefrau Maria Amelia).

Besonders sehenswert ist die Carlsdorfer Fachwerkkirche, die – wie der Ort selbst – offenbar von Paul du Ry geplant und in den Jahren 1699 bis 1704 errichtet wurde. Als hugenottischer Glaubensflüchtling war Paul du Ry von Landgraf Carl nach Kassel, der Residenzstadt der Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Hofbaumeister berufen worden.

Auch in dem benachbarten und nur dünn besiedelten Dorf Hombressen wurden in den Jahren 1686 und 1687 französische Flüchtlinge untergebracht, denen - wie in Carlsdorf - Parzellen zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung zugewiesen wurden.

Später entstanden - im Jahre 1699 - die Hugenottendörfer in Kelze und Schöneberg, nachdem mit einer zweiten Flüchtlingswelle weitere Glaubensflüchtlinge aus Frankreich nach Hofgeismar gekommen waren. In Kelze entstand im Anschluss an diese zweite Ausweisung eine Kolonie an der Stelle eines ehemaligen mittelalterlichen Dorfes, das unter der Bezeichnung Oberkelze bereits im Jahre 1146 urkundlich erwähnt wird.

Im Jahre 1699 erfolgte auch die einzige Stadtgründung für Hugenotten in Hessen, sieht man von der Neuanlage der Oberneustadt in Kassel einmal ab. Die neue Stadt an der Mündung der Diemel in die Weser wurde in Sieburg gegründet, dem späteren Karlshafen.

1722 wurden dann mit Gewissenruh und Gottstreu zwei weitere neue Waldenser-Dörfer an der Weser gegründet.

Als letzte Neugründung entstand in der Nähe der Stadt Hofgeismar – bereits unter der Regentschaft des Landgrafen Friedrich II. – das Dorf Friedrichsdorf im Jahre 1775.

Literatur

  • Jochen Desel, „Hugenotten und Waldenser in und um Hofgeismar“ in: Hessische Heimat – Sonderheft Hofgeismar, Marburg 1978, S. 70 ff.
  • Jochen Desel, Die 300-Jahrfeiern in Carlsdorf und Mariendorf 1986 und 1987, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1988, S. 77 ff.
  • Jochen Desel, Französische Dörfer - deutsche Zuwanderer 1669 - 1779: 300 Jahre Kelze und Schöneberg, Band II, Hofgeismar 1999
  • Jochen Desel, Asyl für 265 aus dem Queyrastal, Artikel in der HNA (Ausgabe Hofgeismar) vom 22.2.1986
  • Siegfried Lotzr, Die Weihe der Jugenottenkriche in Schöneberg vor 300 Jahren, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2007, S. 107 ff.

siehe auch

Weblinks