Hirschkäfer

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König der Käfer trägt stolzes Geweih

Stark gefährdeter Hirschkäfer ist der größte unter den 5700 mitteleuropäischen Arten

Männlicher Hirschkäfer: Ein echter Siegertyp mit einer beachtlichen Trophäe. Foto: Bogumil

Der bemerkenswert dekorative Hirschkäfer ist unter 5700 in Mitteleuropa vorkommenden Käferarten der größte. Das Männchen kann bis zu neun Zentimeter lang werden und fällt besonders durch seinen stark verbreiterten Kopf und dem hirschgeweihähnlichen Oberkiefer auf. Seit Jahrzehnten auf der Roten Liste der stark gefährdeten Käfer zeichnet sich zunehmend ein positiver Trend zur steten Zunahme dieser Tierart an. Hirschkäfer brauchen als Lebensraum Totholz. Das sind absterbende und abgestorbene Laubbäume, vor allem Eichen. Seit langem tragen umweltbewusste Waldbesitzer dieser Forderung Rechnung. Den blankgefegten Wald – wie manche Kritiker meinen – gibt es längst nicht mehr. In den naturgemäß bewirtschafteten Wäldern um Münden sind die ortstreuen Käfer häufig vorhanden, auch wenn man sie nur selten erblickt. Denn Hirschkäfer sind nachtaktiv.

Die Entwicklung des Hirschkäfers vom Ei über die Larve und Puppe bis zum fertigen Käfer dauert durchschnittlich sechs Jahre. Die Lebensdauer der erwachsenen Hirschkäfer beträgt dagegen lediglich drei bis sechs Wochen. In den Monaten Juni und Juli fliegen die schwerfälligen Tiere in der Abenddämmerung oder nachts um die Baumkronen alter Eichen. Angelockt von Sexualduftstoffen, die das am Stammfuß krabbelnde Weibchen verströmt, kommt es zwischen den Männchen zu Rivalenkämpfen. Am Ende wird Sieger, wer seinen Gegner auf den Rücken legt. Und dem Sieger gehört das Weibchen.

Der außergewöhnliche, ein Hirschgeweih tragende Hirschkäfer lieferte bereits seit dem frühen Mittelalter den Stoff zu allerlei finsteren Geschichten. Unter dem Namen Feuerschröter soll er etwa auf seinem Geweih glühende Kohlen in Gebäude getragen haben, um diese zu entzünden.

Altklösterliche Quellen wiederum berichten, dass aufgefundene Oberkieferreste des Hirschkäfers, im Volksmund Mönchskrallen genannt, am Körper getragen vor Blitzschlag und Krankheiten bewahren sollten.

Von Manfred Bogumil