Herkules-Brauerei: Unterschied zwischen den Versionen

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=== Bierkutsche mit 50 Pferdestärken ===
 
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Von Pferde- auf Maschinenkraft, diese Umstellung vollzog auch die Hessische & Herkules-Bierbrauerei AG Cassel, die einen der ersten 1926 gebauten [[Henschel]]-Lkw in Dienst stellte. Das Fahrzeug hatte 50 PS, 48 mehr als ein herkömmliches Pferdegespann und war mit Holzspeichenrädern und Vollgummireifen ausgestattet.
 
Von Pferde- auf Maschinenkraft, diese Umstellung vollzog auch die Hessische & Herkules-Bierbrauerei AG Cassel, die einen der ersten 1926 gebauten [[Henschel]]-Lkw in Dienst stellte. Das Fahrzeug hatte 50 PS, 48 mehr als ein herkömmliches Pferdegespann und war mit Holzspeichenrädern und Vollgummireifen ausgestattet.
  
== Quellen und Links ==
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== Herkules Bierbrauerei am Karlsplatz ==
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[[Datei:Hercules-bierbrauerei-kassel.jpg|thumb|In der Wilhelmsstraße; links fällt der Blick in den Karlsplatz, rechts in die Obere Karlsstraße]]Das große Eckhaus [[Karlsplatz]] 1-2 / [[Obere Karlsstraße]] 18 ist eng mit der Kasseler Brauereigeschichte verbunden. Nach [[1714]] von den Manufakturbesitzern Landré errichtet, übernahm [[1839]] der Schneidermeister [[Hermann Meyer]] den Gebäudekomplex; um [[1860]] erwarb ihn der Bierbrauer [[Sebastian Losch]] und richtete die Gaststätte „[[Zum Carlsplatz]]“ ein. Das Bier wurde damals bevorzugt in Kellern gekühlt, die man im [[Weinberg]] oder an der [[Kölnische Straße|Kölnischen Straße]] in den Felsen getrieben hatte; das benötigte Eis schnitt man im Winter aus der [[Fulda]].
  
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Losch ließ seinen Bierkeller ab [[1860]] auf dem heutigen Grundstück Kölnische Straße 112 anlegen. Später betrieb er auch das beliebte Gartenlokal „Stadtpark“ ([[Wilhelmsstraße]] 6; vgl. Station 18). Im Jahre [[1885]] übernahmen die Gebrüder Sumpf das Haus am Karlsplatz und wurden Teilhaber der Brauerei, die sie nach Loschs Tod [[1887]] alleine weiterführten. [[1897]] schlossen sie sich mit den Brauereien Wentzell ([[Gasthaus zur Pinne]]) und [[August Sumpf Söhne]] (in Greifswald) zusammen: Die Herkules-Brauerei entstand, mit Sitz in der [[Hafenstraße]].
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[[1925]] und [[1926]] wurde der Komplex am Karlsplatz von der Besonderen Ortskrankenkasse erworben, [[1936]] von der [[Stadt Kassel]] und der [[GWG]]; nun zogen hier mehrere städtische Ämter ein, wobei die Gaststätte bestehen blieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ man das Gelände zunächst unbebaut; anstelle der Häuserzeile an der Karlsstraße erhebt sich heute der Südflügel des [[Rathaus (Kassel)|Rathauses]]. – Die Herkules-Brauerei wurde [[1972]] der [[Binding AG]] eingegliedert und [[1999]] geschlossen.
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Der Gebäudeflügel an der Karlsstraße griff das Motiv des Dreifensterhauses auf, wobei das oberste Geschoss aber von vornherein als Vollgeschoss ausgebaut war (ohne Zwischenräume zwischen den Giebeln). Die Mauer rechts im Bild gehört zum Rathaushof; die frühere Bebauung aus dem 18. Jahrhundert war [[1904]] für den Neubau des Rathauses abgebrochen worden.
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== Quellen und Links ==
 
* [[Binding-Brauerei]]  
 
* [[Binding-Brauerei]]  
 
* [[Martini]]
 
* [[Martini]]
 
* [[Ausstellung "Verlorene Stadt": Herkules Bierbrauerei]]
 
* [[Ausstellung "Verlorene Stadt": Herkules Bierbrauerei]]
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[[Kategorie:Geschichte]]
 
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[[Kategorie:Wirtschaft]]
 
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Version vom 4. August 2011, 21:22 Uhr

HB.jpg

Im Jahre 1895 bauten die Gebrüder Sumpf die bereits 1861 erstmals erwähnte Brauerei Losch an der Hafenstraße neu auf. Durch Zusammenschluss der Kasseler Brauereien E. Wentzell und der Losch’schen Brauerei Gebr. Sumpf mit der Greifswalder Brauerei August Sumpf Söhne im Jahr 1897 entsteht in Kassel die Herkules-Brauerei mit einer Dependance gleichen Namens in Greifswald. Die Namensgebung rekurrierte auf das Wahrzeichen Kassels - dem auf 580 m gelegenen Herkules-Bauwerk.

Nach Übernahme der Schiebelerschen Brauerei im Jahr 1898 und der „Hessischen-Actien-Bierbrauerei“ - 1872 als erste Aktiengesellschaft im Kasseler Raum gegründet und deren Bier ob ihres Geschmacks und der Gesellschaftsform wegen im Volksmund „Dividendenjauche“ genannt - wurde die Brauerei 1912 in „Hessische und Herkules-Bierbrauerei AG“ umbenannt.

Nach Stilllegung der Hessischen Aktienbrauerei und der Konzentrierung des Brauens auf die Herkules-Brauerei an der Hafenstraße entfiel die Notwendigkeit doppelter Namensbezeichnung, so dass seit 1921 die Bezeichnung Herkules-Brauerei geläufig wurde.

Die im Jahre 1912 aus der Fusion von Herkules und Hessischen Actien-Brauerei Wehlheiden hervorgegangene Brauerei schloss sich im Jahre 1972 - nach Jahren der Kooperation - mit der Binding-Brauerei zusammen. Die Brauereitradition fand nach dem Beschluß der Binding AG 1999 ihr Ende.

Geschichte

Aus der Firmengeschichte

HBDeckel.jpg

Herkules-Brauerei 1928 - Das in der Mitte der 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts eingeführte Firmenlogo zeigt die Silhouette des Haupthauses der Brauerei in der Hafenstraße (Mitte des Fotos)

Bis dahin firmierte die Brauerei mit einem naturgetreuen Abbild der Herkulesstatue (auf Gläsern) oder des gesamten Herkulesbauwerkes (auf Werbeplakaten). Die anfänglichen Werbeschilder waren (wie in den frühen Jahren der Werbung allerorten) recht schlicht und zeigten ebenfalls in der Mitte den Herkules mit einer kurzen Umschrift.

1953 kam es zur Übernahme der Kasseler Schöfferhof-Brauerei, die zur Binding AG gehört und den Beginn der Kooperation auslöste. 1964 wurde von Herkules Römer-Pils auf Binding-Pils umgestellt und zwei Jahre später von Herkules auf Binding-Export – ein Flop, wie sich herausstellte und die erste Wiederbelebung der Marke Herkules auslöste: Bereits 1968 - um den erheblichen Umsatzrückgang zu stoppen, wurde Herkules Privat-Pils neu auf den Markt gebracht. Dennoch: Der Untergang der Kasseler Traditionsbrauerei war nicht aufzuhalten. 1972 folgte schließlich der Zusammenschluss von Herkules und Binding. Aus der eigenständigen Brauerei wurde eine Binding-Zweigniederlassung. Herkules-Bier wurde noch bis Anfang der 90er Jahre in kleiner Menge gebraut – und 1998 durch einen Streit mit der Kropf-Brauerei um den Namen Herkules erneut kurzfristig und wohl zum letzten Mal wiederbelebt: Im Dezember 1999 wurde der Betrieb in der Kasseler Binding-Dependance völlig aufgegeben und auch die Produktion der letzten Kasseler Biermarke – das Schöfferhofer Weizenbier – nach Frankfurt am Main verlegt. Der Versuch einer weiteren Wiederbelebung der Marke Herkules im Rahmen der Herkules-Spendenaktion der HNA im Jahr 2005 war eher ein begleitender Werbegag denn ein ernsthafter Versuch, die Marke erneut am Markt zu platzieren.

Um die Markenrechte an "Herkules" nicht zu verlieren, gibt es von Binding ein "Herkules Privat-Malz", das aber weder mit dem Kasseler Herkules noch mit Kassel irgendetwas gemein hat. Zumindest anfänglich war noch der Herkules abgebildet, nun ist dort das Porträt eines griechischen Helden (stilisiert) zu sehen.

Bierkutsche mit 50 Pferdestärken

Von Pferde- auf Maschinenkraft, diese Umstellung vollzog auch die Hessische & Herkules-Bierbrauerei AG Cassel, die einen der ersten 1926 gebauten Henschel-Lkw in Dienst stellte. Das Fahrzeug hatte 50 PS, 48 mehr als ein herkömmliches Pferdegespann und war mit Holzspeichenrädern und Vollgummireifen ausgestattet.

Herkules Bierbrauerei am Karlsplatz

In der Wilhelmsstraße; links fällt der Blick in den Karlsplatz, rechts in die Obere Karlsstraße
Das große Eckhaus Karlsplatz 1-2 / Obere Karlsstraße 18 ist eng mit der Kasseler Brauereigeschichte verbunden. Nach 1714 von den Manufakturbesitzern Landré errichtet, übernahm 1839 der Schneidermeister Hermann Meyer den Gebäudekomplex; um 1860 erwarb ihn der Bierbrauer Sebastian Losch und richtete die Gaststätte „Zum Carlsplatz“ ein. Das Bier wurde damals bevorzugt in Kellern gekühlt, die man im Weinberg oder an der Kölnischen Straße in den Felsen getrieben hatte; das benötigte Eis schnitt man im Winter aus der Fulda.

Losch ließ seinen Bierkeller ab 1860 auf dem heutigen Grundstück Kölnische Straße 112 anlegen. Später betrieb er auch das beliebte Gartenlokal „Stadtpark“ (Wilhelmsstraße 6; vgl. Station 18). Im Jahre 1885 übernahmen die Gebrüder Sumpf das Haus am Karlsplatz und wurden Teilhaber der Brauerei, die sie nach Loschs Tod 1887 alleine weiterführten. 1897 schlossen sie sich mit den Brauereien Wentzell (Gasthaus zur Pinne) und August Sumpf Söhne (in Greifswald) zusammen: Die Herkules-Brauerei entstand, mit Sitz in der Hafenstraße.

1925 und 1926 wurde der Komplex am Karlsplatz von der Besonderen Ortskrankenkasse erworben, 1936 von der Stadt Kassel und der GWG; nun zogen hier mehrere städtische Ämter ein, wobei die Gaststätte bestehen blieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ man das Gelände zunächst unbebaut; anstelle der Häuserzeile an der Karlsstraße erhebt sich heute der Südflügel des Rathauses. – Die Herkules-Brauerei wurde 1972 der Binding AG eingegliedert und 1999 geschlossen.

Der Gebäudeflügel an der Karlsstraße griff das Motiv des Dreifensterhauses auf, wobei das oberste Geschoss aber von vornherein als Vollgeschoss ausgebaut war (ohne Zwischenräume zwischen den Giebeln). Die Mauer rechts im Bild gehört zum Rathaushof; die frühere Bebauung aus dem 18. Jahrhundert war 1904 für den Neubau des Rathauses abgebrochen worden.

Quellen und Links