Heinrich der Löwe: Unterschied zwischen den Versionen

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Ab wann Münden eine Stadt war, ist urkundlich belegt – Aber über den Gründer gibt es verschiedene Thesen
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''Von Helmut Saehrendt''
 
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Heinrich der Löwe, ein mächtiger Welfe des 12. Jahrhunderts, seit 1142 Herzog in Sachsen, baute die Herrschaft in seinem Lande zielstrebig aus. Nach Süden konnte er sie erweitern, da ihm hier 1152 der Besitz des erschlagenen Winzenburger Grafen zufiel. Auch kriegerische Auseinandersetzungen ermöglichten ihm ein weiteres Vordringen. So hatte Heinrich Einfluss an der Oberweser erlangt.
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Heinrich der Löwe, ein mächtiger [[Welfen|Welfe]] des 12. Jahrhunderts, seit 1142 Herzog in Sachsen, baute die Herrschaft in seinem Lande zielstrebig aus. Nach Süden konnte er sie erweitern, da ihm hier 1152 der Besitz des erschlagenen Winzenburger Grafen zufiel. Auch kriegerische Auseinandersetzungen ermöglichten ihm ein weiteres Vordringen. So hatte Heinrich Einfluss an der [[Weser|Oberweser]] erlangt.
  
Die entscheidende Frage ist, ob sich der Welfenherzog damals auch das Mündungsdreieck zwischen Fulda und Werra aneignete, auf dem die Stadt Münden entstand. Denn eine Stadt gründen konnte nur derjenige, der auch das Sagen für das Gelände hatte, auf dem die Stadt angelegt werden sollte. Eine Urkunde, die Heinrich hier als Besitzer dieses Grund und Bodens ausweisen würde, gibt es nicht.
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Die entscheidende Frage ist, ob sich der Welfenherzog damals auch das Mündungsdreieck zwischen [[Fulda (Fluss)|Fulda]] und [[Werra]] aneignete, auf dem die Stadt [[Hann. Münden|Münden]] entstand. Denn eine Stadt gründen konnte nur derjenige, der auch das Sagen für das Gelände hatte, auf dem die Stadt angelegt werden sollte. Eine Urkunde, die Heinrich hier als Besitzer dieses Grund und Bodens ausweisen würde, gibt es nicht.
  
Münden war Reichslehen
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'''Münden war Reichslehen'''
  
Überliefert in der Heimatgeschichte ist eine Aussage aus dem 16. Jahrhundert von Johann Letzner, ein Vorgängerbau des Mündener Schlosses sei von Otto von Northeim errichtet worden. Sollte dies zutreffen, dann wäre in der Tat das Mündungsdreieck Heinrich dem Löwen zuzuordnen. Nachfolger der Northeimer waren nämlich die Winzenburger. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass Letzner, der nur wenige Jahre Kaplan in Münden war, ein höchst umstrittener Historiker war. Das gilt besonders für Ereignisse, die in Bezug zu seiner Lebenszeit weit zurücklagen. Auch ist nicht bekannt, wie Letzner zu der Otto von Northeim betreffenden Meinung definitiv gekommen ist. In seinen zahlreichen Schriften ist jedenfalls dazu nichts Überzeugendes zu finden.
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Überliefert in der Heimatgeschichte ist eine Aussage aus dem 16. Jahrhundert von Johann Letzner, ein Vorgängerbau des [[Hann. Münden|Mündener]] Schlosses sei von Otto von Northeim errichtet worden. Sollte dies zutreffen, dann wäre in der Tat das Mündungsdreieck Heinrich dem Löwen zuzuordnen. Nachfolger der Northeimer waren nämlich die Winzenburger. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass Letzner, der nur wenige Jahre Kaplan in Münden war, ein höchst umstrittener Historiker war. Das gilt besonders für Ereignisse, die in Bezug zu seiner Lebenszeit weit zurücklagen. Auch ist nicht bekannt, wie Letzner zu der Otto von Northeim betreffenden Meinung definitiv gekommen ist. In seinen zahlreichen Schriften ist jedenfalls dazu nichts Überzeugendes zu finden.
  
 
Bliebe noch die Möglichkeit, dass der Welfenherzog sich das Mündungsdreieck gewaltsam im Kampf mit den hessisch-thüringischen Landgrafen angeeignet hat. Von einer solchen Veränderung ist allerdings nichts bekannt. Außerdem: In diesem Falle hätte der Kaiser mit der Stadtgründung einverstanden sein müssen, denn die Stadt Münden war Reichslehen. Mit einer solchen Genehmigung ist aber nicht zu rechnen, da der Kaiser langjährig ein sehr enges Verhältnis mit den Landgrafen hatte.
 
Bliebe noch die Möglichkeit, dass der Welfenherzog sich das Mündungsdreieck gewaltsam im Kampf mit den hessisch-thüringischen Landgrafen angeeignet hat. Von einer solchen Veränderung ist allerdings nichts bekannt. Außerdem: In diesem Falle hätte der Kaiser mit der Stadtgründung einverstanden sein müssen, denn die Stadt Münden war Reichslehen. Mit einer solchen Genehmigung ist aber nicht zu rechnen, da der Kaiser langjährig ein sehr enges Verhältnis mit den Landgrafen hatte.
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Alles in allem: Es ist recht unwahrscheinlich, dass Heinrich der Löwe die Stadt Münden gegründet hat. Wird in Rechnung gestellt, dass es gute Gründe gibt, die Stadtgründer in den hessisch-thüringischen Landgrafen zu sehen, ist es nicht mehr vertretbar, den Welfenherzog als den Gründer der Stadt hinzustellen.
 
Alles in allem: Es ist recht unwahrscheinlich, dass Heinrich der Löwe die Stadt Münden gegründet hat. Wird in Rechnung gestellt, dass es gute Gründe gibt, die Stadtgründer in den hessisch-thüringischen Landgrafen zu sehen, ist es nicht mehr vertretbar, den Welfenherzog als den Gründer der Stadt hinzustellen.
  
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===Die historische Frage: Wer gründete die Stadt?===
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'''Wann Münden eine Stadt war, das ist urkundlich belegt, das Jubiläum kann gesichert gefeiert werden. Über den Gründer gibt es verschiedene Thesen'''
  
'''Die historische Frage: Wer gründete die Stadt?'''
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''Helmut Saehrendt''
  
Wann Münden eine Stadt war, das ist urkundlich belegt, das Jubiläum kann gesichert gefeiert werden. Über den Gründer gibt es verschiedene Thesen
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Als die Stadt [[Hann. Münden|Münden]] im Jahr 1183 erstmals urkundlich erwähnt wurde, war sie nur wenige Jahre oder Jahrzehnte alt. Wann sie aber gegründet wurde, auch wer der Gründer war, darüber gibt es keine Urkunden.
  
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Gefragt werden kann, zu welchem Herrschaftsbereich das Mündungsdreieck zwischen Fulda und Werra, auf dem die Stadt entstand, damals gehörte. Es versteht sich nämlich von selber, dass ein Herrscher eine Stadt nur auf Gelände gründen konnte, für das er das Sagen hatte. Aber auch hierzu wurden keine entsprechenden Urkunden gefunden.
  
''Helmut Saehrendt''
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Daher muss weiter gefragt werden, welchem größeren Gebiet das Mündungsdreieck im 12. Jahrhundert zugeordnet werden kann. Der im Gebiet zwischen [[Fulda (Fluss)|Fulda]] und [[Werra]] sich erstreckende und noch heute bis an die Stadt reichende [[Kaufunger Wald]] muss einst zwischen den beiden Flüssen weitergegangen sein, also eine Fortsetzung in das Tal hinab bis zum Zusammenfluss von Fulda und Werra gefunden haben. Ob dies zur Zeit der Stadtgründung auch noch so uneingeschränkt gegeben war, kann hinterfragt werden. Es gibt aber gute Gründe anzunehmen, dass das Mündungsdreieck damals politisch zum Gebiet des [[Kaufunger Wald]]es gehörte. Im Mittelalter wurden nämlich in der Mündener Region nachweislich gerne die Flüsse zur Abgrenzung der Territorien verwendet.
  
Als die Stadt Münden im Jahr 1183 erstmals urkundlich erwähnt wurde, war sie nur wenige Jahre oder Jahrzehnte alt. Wann sie aber gegründet wurde, auch wer der Gründer war, darüber gibt es keine Urkunden.  
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Außerdem lassen sich in der Stadtgeschichte [[Hann. Münden|Mündens]] Rechte des ehemaligen Klosters [[Hilwartshausen]] nicht finden, obwohl die jenseitigen Ufer von Fulda und Werra unstrittig damals fest in der Hand dieser Institution waren.
  
Gefragt werden kann, zu welchem Herrschaftsbereich das Mündungsdreieck zwischen Fulda und Werra, auf dem die Stadt entstand, damals gehörte. Es versteht sich nämlich von selber, dass ein Herrscher eine Stadt nur auf Gelände gründen konnte, für das er das Sagen hatte. Aber auch hierzu wurden keine entsprechenden Urkunden gefunden.
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Herren des [[Kaufunger Wald]]es waren die thüringisch-hessischen Landgrafen. Sie gründeten zum Beispiel das damals in diesem Forst gelegene Landwehrhagen. Überliefert ist auch, dass sie in diesem Gebiet ein Reichslehen besaßen. Dass ihre Herrschaft sich auch in den Norden des [[Kaufunger Wald]]es und in das Mündungsdreieck zwischen [[Fulda (Fluss)|Fulda]] und [[Werra]] erstreckte, dafür spricht das Reichslehen, das für [[Hann. Münden|Münden]] bei seiner Stadtgründung anzunehmen ist. Alles in allem: Mit großer Wahrscheinlichkeit waren es die thüringisch-hessischen Landgrafen, die die Stadt Münden einst gegründet haben.
  
Daher muss weiter gefragt werden, welchem größeren Gebiet das Mündungsdreieck im 12. Jahrhundert zugeordnet werden kann. Der im Gebiet zwischen Fulda und Werra sich erstreckende und noch heute bis an die Stadt reichende Kaufunger Wald muss einst zwischen den beiden Flüssen weitergegangen sein, also eine Fortsetzung in das Tal hinab bis zum Zusammenfluss von Fulda und Werra gefunden haben. Ob dies zur Zeit der Stadtgründung auch noch so uneingeschränkt gegeben war, kann hinterfragt werden. Es gibt aber gute Gründe anzunehmen, dass das Mündungsdreieck damals politisch zum Gebiet des Kaufunger Waldes gehörte. Im Mittelalter wurden nämlich in der Mündener Region nachweislich gerne die Flüsse zur Abgrenzung der Territorien verwendet.
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''Wer sich über dieses Thema ausführlicher informieren möchte: unter www.hann-muenden.edvbeer.de gibt es mehr zur Geschichte.''
  
Außerdem lassen sich in der Stadtgeschichte Mündens Rechte des ehemaligen Klosters Hilwartshausen nicht finden, obwohl die jenseitigen Ufer von Fulda und Werra unstrittig damals fest in der Hand dieser Institution waren.
 
  
Herren des Kaufunger Waldes waren die thüringisch-hessischen Landgrafen. Sie gründeten zum Beispiel das damals in diesem Forst gelegene Landwehrhagen. Überliefert ist auch, dass sie in diesem Gebiet ein Reichslehen besaßen. Dass ihre Herrschaft sich auch in den Norden des Kaufunger Waldes und in das Mündungsdreieck zwischen Fulda und Werra erstreckte, dafür spricht das Reichslehen, das für Münden bei seiner Stadtgründung anzunehmen ist. Alles in allem: Mit großer Wahrscheinlichkeit waren es die thüringisch-hessischen Landgrafen, die die Stadt Münden einst gegründet haben.
 
  
Wer sich über dieses Thema ausführlicher informieren möchte: Unter www.hann-muenden.edvbeer.de gibt es mehr zur Geschichte.
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[[Kategorie: Geschichte]]
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[[Kategorie: Hann.Münden]]

Version vom 17. Mai 2008, 17:48 Uhr

Ist Heinrich der Löwe Gründer der Stadt?

Ab wann Münden eine Stadt war, ist urkundlich belegt – Aber über den Gründer gibt es verschiedene Thesen

Von Helmut Saehrendt

Heinrich der Löwe, ein mächtiger Welfe des 12. Jahrhunderts, seit 1142 Herzog in Sachsen, baute die Herrschaft in seinem Lande zielstrebig aus. Nach Süden konnte er sie erweitern, da ihm hier 1152 der Besitz des erschlagenen Winzenburger Grafen zufiel. Auch kriegerische Auseinandersetzungen ermöglichten ihm ein weiteres Vordringen. So hatte Heinrich Einfluss an der Oberweser erlangt.

Die entscheidende Frage ist, ob sich der Welfenherzog damals auch das Mündungsdreieck zwischen Fulda und Werra aneignete, auf dem die Stadt Münden entstand. Denn eine Stadt gründen konnte nur derjenige, der auch das Sagen für das Gelände hatte, auf dem die Stadt angelegt werden sollte. Eine Urkunde, die Heinrich hier als Besitzer dieses Grund und Bodens ausweisen würde, gibt es nicht.

Münden war Reichslehen

Überliefert in der Heimatgeschichte ist eine Aussage aus dem 16. Jahrhundert von Johann Letzner, ein Vorgängerbau des Mündener Schlosses sei von Otto von Northeim errichtet worden. Sollte dies zutreffen, dann wäre in der Tat das Mündungsdreieck Heinrich dem Löwen zuzuordnen. Nachfolger der Northeimer waren nämlich die Winzenburger. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass Letzner, der nur wenige Jahre Kaplan in Münden war, ein höchst umstrittener Historiker war. Das gilt besonders für Ereignisse, die in Bezug zu seiner Lebenszeit weit zurücklagen. Auch ist nicht bekannt, wie Letzner zu der Otto von Northeim betreffenden Meinung definitiv gekommen ist. In seinen zahlreichen Schriften ist jedenfalls dazu nichts Überzeugendes zu finden.

Bliebe noch die Möglichkeit, dass der Welfenherzog sich das Mündungsdreieck gewaltsam im Kampf mit den hessisch-thüringischen Landgrafen angeeignet hat. Von einer solchen Veränderung ist allerdings nichts bekannt. Außerdem: In diesem Falle hätte der Kaiser mit der Stadtgründung einverstanden sein müssen, denn die Stadt Münden war Reichslehen. Mit einer solchen Genehmigung ist aber nicht zu rechnen, da der Kaiser langjährig ein sehr enges Verhältnis mit den Landgrafen hatte.

Alles in allem: Es ist recht unwahrscheinlich, dass Heinrich der Löwe die Stadt Münden gegründet hat. Wird in Rechnung gestellt, dass es gute Gründe gibt, die Stadtgründer in den hessisch-thüringischen Landgrafen zu sehen, ist es nicht mehr vertretbar, den Welfenherzog als den Gründer der Stadt hinzustellen.


Die historische Frage: Wer gründete die Stadt?

Wann Münden eine Stadt war, das ist urkundlich belegt, das Jubiläum kann gesichert gefeiert werden. Über den Gründer gibt es verschiedene Thesen

Helmut Saehrendt

Als die Stadt Münden im Jahr 1183 erstmals urkundlich erwähnt wurde, war sie nur wenige Jahre oder Jahrzehnte alt. Wann sie aber gegründet wurde, auch wer der Gründer war, darüber gibt es keine Urkunden.

Gefragt werden kann, zu welchem Herrschaftsbereich das Mündungsdreieck zwischen Fulda und Werra, auf dem die Stadt entstand, damals gehörte. Es versteht sich nämlich von selber, dass ein Herrscher eine Stadt nur auf Gelände gründen konnte, für das er das Sagen hatte. Aber auch hierzu wurden keine entsprechenden Urkunden gefunden.

Daher muss weiter gefragt werden, welchem größeren Gebiet das Mündungsdreieck im 12. Jahrhundert zugeordnet werden kann. Der im Gebiet zwischen Fulda und Werra sich erstreckende und noch heute bis an die Stadt reichende Kaufunger Wald muss einst zwischen den beiden Flüssen weitergegangen sein, also eine Fortsetzung in das Tal hinab bis zum Zusammenfluss von Fulda und Werra gefunden haben. Ob dies zur Zeit der Stadtgründung auch noch so uneingeschränkt gegeben war, kann hinterfragt werden. Es gibt aber gute Gründe anzunehmen, dass das Mündungsdreieck damals politisch zum Gebiet des Kaufunger Waldes gehörte. Im Mittelalter wurden nämlich in der Mündener Region nachweislich gerne die Flüsse zur Abgrenzung der Territorien verwendet.

Außerdem lassen sich in der Stadtgeschichte Mündens Rechte des ehemaligen Klosters Hilwartshausen nicht finden, obwohl die jenseitigen Ufer von Fulda und Werra unstrittig damals fest in der Hand dieser Institution waren.

Herren des Kaufunger Waldes waren die thüringisch-hessischen Landgrafen. Sie gründeten zum Beispiel das damals in diesem Forst gelegene Landwehrhagen. Überliefert ist auch, dass sie in diesem Gebiet ein Reichslehen besaßen. Dass ihre Herrschaft sich auch in den Norden des Kaufunger Waldes und in das Mündungsdreieck zwischen Fulda und Werra erstreckte, dafür spricht das Reichslehen, das für Münden bei seiner Stadtgründung anzunehmen ist. Alles in allem: Mit großer Wahrscheinlichkeit waren es die thüringisch-hessischen Landgrafen, die die Stadt Münden einst gegründet haben.

Wer sich über dieses Thema ausführlicher informieren möchte: unter www.hann-muenden.edvbeer.de gibt es mehr zur Geschichte.