Haus der Jugend: Unterschied zwischen den Versionen

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Mit dem Bau der neuen Fuldabrücke 1788-94 unter [[Landgraf Wilhelm IX.]] wurde der alte Südflügel abgebrochen und kurz darauf das Gebäude als befestigter Brückenkopf ausgebaut. Aus dieser Zeit stammen die Kasematten und das klassizistische Portal, ein von einem Dreiecksgiebel gekröntes, rustiziertes Rundbogenportal. Die Kasematten (Gewölbekeller) können heute noch besichtigt werden. Das frühere Jägerhaus wurde nun zugleich in ein Staatsgefängnis umgewandelt.   
 
Mit dem Bau der neuen Fuldabrücke 1788-94 unter [[Landgraf Wilhelm IX.]] wurde der alte Südflügel abgebrochen und kurz darauf das Gebäude als befestigter Brückenkopf ausgebaut. Aus dieser Zeit stammen die Kasematten und das klassizistische Portal, ein von einem Dreiecksgiebel gekröntes, rustiziertes Rundbogenportal. Die Kasematten (Gewölbekeller) können heute noch besichtigt werden. Das frühere Jägerhaus wurde nun zugleich in ein Staatsgefängnis umgewandelt.   
  
Diese Nutzung behielt es auch im [[Königreich Westphalen]] bei, sowie nach der Wiederherstellung Kurhessens 1813/14. Außerdem wurde es als Militärarresthaus genutzt, weshalb bis in das 20. Jh. eine Infanterieabteilung dort stationiert war. Hier saßen die Männer des Dörnbergschen Aufstandes gegen [[:jerome_bonaparte|König Jérôme]] ein, die 1809 bei [[Bettenhausen]] erschossen wurden, politische Gefangene der revolutionären 1830er Jahre waren in dieser "Bastille" inhaftiert und als berühmtester Gefangener wurde Dr. [[Gottlieb Theodor Kellner]] (1819-1898), Herausgeber des satirischen Wochenblatt "Hornisse", hier gefangen gehalten, dem mit Hilfe des Gefangenenwärters und Soldaten Zinn am 13. Februar 1852 die Flucht gelang.
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Diese Nutzung behielt es auch im [[Königreich Westphalen]] bei, sowie nach der Wiederherstellung Kurhessens 1813/14. Außerdem wurde es als Militärarresthaus genutzt, weshalb bis in das 20. Jh. eine Infanterieabteilung dort stationiert war. Hier saßen die Männer des Dörnbergschen Aufstandes gegen [[Jerome Bonaparte|König Jérôme]] ein, die 1809 bei [[Bettenhausen]] erschossen wurden, politische Gefangene der revolutionären 1830er Jahre waren in dieser "Bastille" inhaftiert und als berühmtester Gefangener wurde Dr. [[Gottlieb Theodor Kellner]] (1819-1898), Herausgeber des satirischen Wochenblatt "Hornisse", hier gefangen gehalten, dem mit Hilfe des Gefangenenwärters und Soldaten Zinn am 13. Februar 1852 die Flucht gelang.
  
 
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Version vom 28. November 2007, 12:56 Uhr

Das Willi-Seidel-Haus, Zentrum für Jugendgruppen, ist benannt nach Willi Seidel, Oberbürgermeister von Kassel 1945-1954.

Adresse: Mühlengasse 1, 34125 Kassel

s.a.Lage im Stadtplan

geöffnet: Montag bis Freitag von 8:00 bis 22:00 Uhr

Seit dem Mittelalter befand sich an dieser Stelle das Jägerhaus, in dem vor allem die Gerätschaften für die herrschaftlichen Jagden gelagert wurden. Es wird 1362 zum ersten Mal erwähnt, dürfte aber schon spätestens nach der Gründung der Unterneustadt entstanden sein (vor 1283).

Nach teilweisen Neubauten Ende des 16. Jh. und Anfang des 18. Jh. wurde unter Landgraf Karl 1686 der fuldaseitige Flügel abermals neu errichtet; dafür und für den Bau des Nordflügels (um 1710) wurde das Gelände um vier angrenzende Grundstücke in der Mühlengasse vergrößert. Der alte Flügel an der Ostseite wurde um 1760 abgebrochen und durch eine Mauer mit Tor ersetzt. Von 1756 bis 1763, im siebenjährigen Krieg, diente es als Fourage-Magazin für französische Truppen, welche gegen das Vereinigte Königreich Großbritannien / Hannover und somit auch den Bundesgenossen Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel kämpften. Ab 1763 wurde im früheren Jägerhaus ein Lazarett für die Kasseler Garnison eingerichtet, wenige Jahre später zusätzlich eine Tuchfabrik; ab 1789 diente es als Artillerie-Kaserne. Nach dem Abbruch der Unterneustädter Kirche 1795 diente es zunächst provisorisch als Kirche; weitere Umbaupläne wurden aber fallen gelassen. Mit dem Bau der neuen Fuldabrücke 1788-94 unter Landgraf Wilhelm IX. wurde der alte Südflügel abgebrochen und kurz darauf das Gebäude als befestigter Brückenkopf ausgebaut. Aus dieser Zeit stammen die Kasematten und das klassizistische Portal, ein von einem Dreiecksgiebel gekröntes, rustiziertes Rundbogenportal. Die Kasematten (Gewölbekeller) können heute noch besichtigt werden. Das frühere Jägerhaus wurde nun zugleich in ein Staatsgefängnis umgewandelt.

Diese Nutzung behielt es auch im Königreich Westphalen bei, sowie nach der Wiederherstellung Kurhessens 1813/14. Außerdem wurde es als Militärarresthaus genutzt, weshalb bis in das 20. Jh. eine Infanterieabteilung dort stationiert war. Hier saßen die Männer des Dörnbergschen Aufstandes gegen König Jérôme ein, die 1809 bei Bettenhausen erschossen wurden, politische Gefangene der revolutionären 1830er Jahre waren in dieser "Bastille" inhaftiert und als berühmtester Gefangener wurde Dr. Gottlieb Theodor Kellner (1819-1898), Herausgeber des satirischen Wochenblatt "Hornisse", hier gefangen gehalten, dem mit Hilfe des Gefangenenwärters und Soldaten Zinn am 13. Februar 1852 die Flucht gelang.

Der Kellner und der Zinn:

Wo sind die beiden hin?

An der Fulda sind sie runner,

An der Schlagd da lag der Plunder.

1909 wurde der Graben auf der Brückenseite der Zitadelle beim Bau der neuen Brücke zugeschüttet und ab 1938 gab die NS-Fürsorgebehörde hier die Volksspeise aus. 1943 brannte das Gebäude schließlich im Bombenhagel aus.

Vorlage:Hausderjugend.jpg?400 Werner Noell, Hochbauamtsleiter der Stadt Kassel erbaute auf den Fundamenten des Kastells 1952/53 das Haus der Jugend. Er übernahm dabei den L-förmigen Grundriss und hob das Bodenniveau des Innenhof auf das Straßenniveau der neuen Fuldabrücke an. In Anlehnung an die Kasematten wurde der Neubau mit Bruchstein verkleidet. Der dreigeschossige Hauptflügel entlang der Fulda erhielt ein vertikalbetontes Beton-Fensterraster und der zweigeschossige Seitenflügel wurde, der historischen Vorlage gleich, schmaler und lediglich zweigeschossig ausgeführt.

Seit 1985 heißt das Ensemble an der Fuldabrücke: Willi-Seidel-Haus, seit 1995 mit dem Zusatz: - Zentrum für Jugendgruppen.

Willi-Seidel-Haus - Zentrum für Jugendgruppen

Wolfgang Schmelzer 2006/02/13 16:49//

Quellen / Links

Wikipedia.de

Chronik der Stadt Kassel von Frank-Roland Klaube, Stadtarchivar

Kassel: Geschichtliches von Hans-Joachim Wirth, Kassel

  • Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.); Wiesbaden 1983 „Baudenkmale in Hessen: Stadt Kassel 1 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland)“
  • Hinz, Berthold; Tacke, Andreas (Hrsg.); Berlin 2002 „Architekturfuehrer Kassel“


  • Holtmeyer, Alois: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, Bd. VI, Kreis Cassel-Stadt, Marburg 1923.