Haus Paepke Carlsdorf

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Haus und Garten Paepke in Carlsdorf sind in den Jahren 1958-1960 nach den Plänen des Architekten und Landschaftsplaners Hermann Mattern mit einer Wohnfläche von 130 Quadratmetern ( auf einer Grundstücksfläche von 2.768 Quadratmeter) entstanden.

Bis 2007 war die Gesamtanlage Wohnsitz der Familie Paepke. Seit 2009 stehen Haus, Garage und Garten unter Denkmalschutz.

Presse

Als Hügel-Hermann zum Star

Design-Häuser und Gärten seit 50 Jahren unverändert - Offene Türen in Carlsdorf

Hofgeismar/ Carlsdorf. Er war ein Umweltschützer, schon lange bevor es diesen Begriff gab. Der aus Hofgeismar stammende Stararchitekt und Landschaftsplaner Hermann Mattern wollte Landschaft nicht romantisierend übertünchen, sondern sie so stark gestalten, dass sie die moderne Technik aushält. Das setzte Mattern nicht nur bei Großbauten um, sondern auch bei den wenigen Privathäusern, die er auch in seiner Geburtstadt gestaltete.

"Der Himmel gehört uns nicht. Wir müssen so bescheiden wie möglich sein, denn den Himmel brauchen wir zum atmen", erinnert sich der pensionierte Hofgeismarer Berufsschullehrer Wulfried Heidrich an einen Grundsatz Matterns. Dem aus Berlin zugezogenen jungen Ehepaar Heidrich war es 1964 gelungen, den nach Berlin weggezogenen Mattern dazu zu bewegen, sein kleinstes Projekt zu planen - das Wohnhaus und den Garten der Heidrichs am Wippeteich.

Der Name Matterns, der zum Beispiel mehrere Bundesgartenschauen, das Autobahnkreuz Frankfurt, den Killesberg in Stuttgart und die Wiesbadener Innenstadt gestaltete, machte auch die örtlichen Banken plötzlich viel freigiebiger. Denn Mattern verlangte ein stattliches Honorar.

Das war es allerdings auch wert. Heidrichs fühlen sich in ihrem schlicht, aber absolut zweckmäßig und raumsparend gestalteten Bungalow so wohl, dass sie bis heute kaum etwas darin verändert haben.

Das solide Flachdachgebäude mit gekalkten Wänden und viel Holzeinbauten wurde so gestaltet, dass die Küche als zentraler Bereich alle übrigen Räume mit erschloss, drei kleine Kinderzimmer inbegriffen. Alles fand auf einer Ebene statt, eine Treppe hatte Ingrid Heidrich ausdrücklich ausgeschlossen.

"Sowas Verrücktes" meinten andere Hofgeismarer und die Bauarbeiter mussten davon abgehalten werden, so wie immer zu bauen. Das Entscheidende war letztlich der intime Garten vor dem Haus, der durch aufgeschüttete Hügel entstand und sich mit ihm organisch verband. Nach fast 50 Jahren wirkt es immer noch zeitlos und modern. Ähnlich zeitlos ist das Haus Paepke in Carlsdorf, das die Besitzer aus Altersgründen verkaufen wollen. "Es ist ein Haus für Individualisten und Kenner, die die vielen durchdachten Details, die noch originalen Farben der 50er Jahre und die Platz sparenden Einbauten zu bemerken und zu würdigen wissen", schwärmt der Berliner Immobilienmakler Peter W. Voigt, der in Kürze (siehe unten) einen Besichtigungstag veranstaltet.

"Das Haus ist sehr stabil und die Möbel auch. Die Wände wurden aber mehrmals neu gestrichen und die Sessel bezogen, das musste sein", meint Cornelia Walter, als sie durch das bunte Haus am Schützenplatz in Carlsdorf führt. Im Gegensatz zum Heidrich-Haus ist das 1958 gebaute Haus ihrer Eltern, des Lehrerehepaares Paepke, poppig bunt gestaltet, nicht nur außen, sondern auch innen: blaue und gelbe Wände, rote und fast schwarze Decken rufen die 50-er mit voller Breitseite ins Bewusstsein zurück. Das Haus ist nahezu stilrein erhalten, eine Designikone der Nachkriegsmoderne in Deutschland.

Cornelia Walter trennt sich ungern von dem Haus mit dem riesigen Garten, an dem viele Erinnerungen hängen. Sei es die breite Heizungsbank am Panoramafenster, auf der sich die vom Schlittenfahren heimgekehrten Kinder aufwärmen konnten oder das Verbot des Vaters, sich in den gemütlichen runden Fenstern zu kuscheln, weil die weißen Wände leiden konnten.

Vielleicht, so hofft sie, erliegt wieder jemand dem speziellen Charme Matterns.

von Thomas Thiele

(aus: HNA-online vom 18.4.2008)

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