Franz Marmon

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Franz Maromon war Kassels letzer Gestapo-Chef und war 1945 für drei Massaker verantwortlich, die 119 Menschen das Leben kostete.


Leben

Franz Marmon wurde am 11. Juni 1908 im schwäbischen Sigmaringen geboren. Sein Vater Franz Xaver Marmon war Bildhauer. Franz Marmon verbrachte eine sorglose Jugend und schloss seine Schullaufbahn nach dem Besuch der Volksschule am humanistischen Gymnasium in Sigmaringen (heute: Hohenzollern-Gymnasium) 1928 mit dem Abitur ab. Seine Pläne, Berufssoldat zu werden, verwarf Marmon. Stattdessen studierte er Jura an der Universität München. Sein Studium setzte er 1930 an der Universität Frankfurt fort und beendete es dort 1933 mit dem Staatsexamen. Als Referendar wurde er am Amtsgericht Sigmaringen, dem Landgericht Frankfurt am Main, der dortigen Staatsanwaltschaft sowie dem Kammergericht Berlin eingesetzt. Im Oktober 1938 schloss er das zweite Staatsexamen in Berlin ab. Marmon war von Klein auf Patriot und wurde bereits 1916 Mitglied in der Bismarckjugend und während des Studiums der katholischen CV-Studentengruppe. Noch während seiner Studienzeit trat Marmon Anfang März 1933 der NSDAP(Mitgliedsnr. 1.536.914). Drei Monate später wurde er Mitglied der Schutzstaffel (SS - Mitgliedsnr. 89.797) Ab Januar 1936 gehörte er dem Sicherheitsdienst (SD) in Frankfurt am Main an und war ab Anfang Februar 1936 beim Sicherheitshauptamt I in Berlin tätig. 1938 übernahm er die hauptamtliche Abteilungsleitung im Berliner Sicherheitshauptamt I parallel zu seinem juristischen Vorbereitungsdienst zum zweiten juristischen Staatsexamen am Berliner Kammergericht. 1939 wurde Marmon Staatsbeamter auf Probe. Ein Jahr später war er für die Staatspolizei in Prag im Protektorat Böhmen und Mähren tätig. Danach war er beim dortigen Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD (BdS) und zwischenzeitlich drei Monate in Polen eingesetzt. Anschließend war er persönlicher Referent des BdS und dessen Verbindungsmann zum Reichsprotektor Böhmen und Mähren. Im November 1940 wurde Marmon zum SS-Sturmbannführer ernannt. Ab 1941 war er für die Geheime Staatspolizei (Gestapo)in München tätig. Bis März war er dort als Leiter der Abteilung II (Exekutive) tätig. Zusammen mit dem stellvertretenden Gestapoleiter Alfred Trenker war Marmon für die Vernehmung der Geschwister Scholl von der Widerstandsgruppe Weiße Rose zuständig, bis das Verfahren vom Oberreichsanwalt übernommen wurde. [1].

Im Frühjahr 1943 wurde Marmon zum BdS in Belgrad abgeordnet, wo er im Wesentlichen „abwehrmäßige Abwehraufgaben“ wahrnahm und die Außendienststellen in Albanien leitete. Ab Anfang April 1944 war er wieder bei der Staatspolizeileitstelle München tätig, wo er zum stellvertretenden Leiter aufstieg. Am 11. August 1944 erhielt Marmon einen strengen Verweis, da er einen SS-Untersturmführer der Kriegsdienstverweigerung bezichtigt hatte.

Am 16. August 1944 wurde Marmon auf Anordnung Ernst Kaltenbrunners mit der Leitung der Staatspolizeistelle Kassel betraut, die er ab Oktober 1944 ausführte. Offiziell übernahm Marmon die Leitung aber erst Anfang Januar 1945, die er bis zur Auflösung der Dienststelle Ende März 1945 innehatte. Marmon war in dieser Funktion Vorgesetzter von Erich Engels, der das Arbeitserziehungslager Breitenau leitete.

Ab März 1945 war Marmon noch Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD Kassel.[3] Kurz vor dem Einmarsch der US-Armee wurden auf Anordnung Marmons noch drei Endphaseverbrechen verübt:

   Am Abend des 29. März 1945 wurden 28 Gefangene des Arbeitserziehungslagers Breitenau durch Gestapomitarbeiter und SS-Angehörige beim Fuldaberg ermordet.[4]
   Am Morgen des 30. März 1945 wurden zwölf Häftlingen des Zuchthauses Wehlheiden durch die Gestapo Kassel ermordet.
   Am 31. März 1945 wurden 78 italienische Zivilarbeiter nahe dem Bahnhof Wilhelmshöhe wegen Plünderung eines Wehrmachtszuges durch Gestapomitarbeiter aus Kassel erschossen. Die Italiener, die im Bahnhof zum Gleisbau eingesetzt waren, wurden in Gruppen von sechs bis acht Personen liquidiert.[3]

Marmon floh Anfang April 1945 mit weiteren Angehörigen der Sicherheitspolizei über Witzenhausen zum Harz. Dort gelang es ihm in Zivil unterzutauchen. Unter dem Pseudonym Peter Pfriemer war er danach in Hitzelrode gemeldet und anschließend in Rheinsheim bei Bruchsal. Er war u.a. als Vertreter für Dachpappen tätig.

Marmon wurde Anfang August 1950 in Waiblingen verhaftet. Ab dem 3. August 1950 befand sich Marmon in der Strafanstalt Kassel-Wehlheiden in Untersuchungshaft und wurde wegen „rechtswidrigen Erschießungsbefehlen“ in Breitenau, Kassel-Wilhelmshöhe und Kassel-Wehlheiden angeklagt. Marmon berief sich auf Befehlsnotstand und gab vor Gericht an, das er auf Weisung des Reichssicherheitshauptamtes bzw. im Fall der italienischen Zwangsarbeiter nach Himmlers Katastrophenerlass (Umgehende Erschießung von Plünderern) gehandelt habe. Während der Verhandlung trat der Vater von Sophie und Hans Scholl als Entlastungszeuge für Marmon auf. Robert Scholl schilderte am vierten Verhandlungstag vor Gericht, dass sein Sohn vor der Hinrichtung ihm gegenüber persönlich gesagt habe, dass Marmon „ein feiner Mensch“ gewesen sei. Scholl versuchte in der Folgezeit erfolglos mit Marmon in Kontakt zu treten.[5]

   „Aber ich habe die ganzen Jahre an Marmon denken müssen und seit 1945 auf die Gelegenheit gewartet, denn mein Sohn hat ihn in das letzte Gebet eingeschlossen.“
   – Robert Scholl während seiner Entlastungsaussage im Prozess gegen Marmon[6]

Marmon wurde am 5. Februar 1952 durch das Schwurgericht am Landgericht Kassel wegen Totschlags in „Rechtsfahrlässigkeit“ zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt, auf welche die Untersuchungshaft angerechnet wurde. Die Reststrafe wurde ihm erlassen. Nach einer Berufung wurde das Urteil durch den Bundesgerichtshof am 2. Juli 1953 rechtskräftig.

Quellen und Weblinks

  1. [1] Wikipediaartikel zu Franz Marmon