Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde

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300 Jahre eine Gemeinde

Volles Gotteshaus: Den Festgottesdienst zum 300-jährigen Bestehen der Evangelisch-reformierten Gemeinde in Münden ließen sich viel Gläubige nicht entgehen. 3 Fotos: Huck

Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde in Münden feierte am Wochenende

Hann. Münden. „Der Geist Gottes hat die Menschen bewegt, eine Gemeinde zu gründen. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass wir heute das 300-jährige Bestehen unserer Kirche feiern.“ Pastor Ernst-Ulrich Göttges freute sich beim Festgottesdienst am Montag zusammen mit seiner Gemeinde über das Jubiläum der Evangelisch-reformierten Kirche in Hann. Münden.

Zum Festgottesdienst am Pfingstmontag war Kirchenpräsident Jann Schmidt gekommen, um zu gratulieren und zu predigen. Auch viele Gäste aus befreundeten Gemeinden, von der Stadt und aus Hann. Münden kamen zum Gratulieren. Bei einem gemütlichen Miteinander im Innenhof im Anschluss an den Gottesdienst wurde das Jubiläum dann bei schönstem Sonnenschein gefeiert. (zwh)

Ein „geistlich" Wirtshaus“

Auf das neue und Jubiläumsjahr: Bei der Neujahrsbegegnung stieß Pastor Ernst-Ulrich Göttges (Mitte, mit Karnevalsfliege) mit Gemeindemitgliedern an. Von links August Palubitzky, Luise Götze, Juliane Göttges, Andre Boos, Ankia Pflum und Eileen Boos. Foto: Uebner

... feiert: Seit 300 Jahren gibt es die Evangelisch-reformierte Gemeinde zu Münden

Von Ilse-Ruth Uebner

Hann. Münden. In diesem Jahr feiert die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Hann. Münden ein besonderes Ereignis: Vor 300 Jahren, am 11. Mai 1708, wurde das Gasthaus Zum Fisch an der Burgstraße in ein „geistlich" Wirtshaus“ umgewandelt, wie es eine Urkunde wörtlich besiegelt. Den reformierten Mündenern war damit erlaubt, ihren eigenen Gottesdienst zu feiern - allerdings möglichst unauffällig im sonst Evangelisch-lutherischen Umfeld.

„Wir haben jeden Grund zu feiern. Allein schon die steigende Mitgliederzahl der Gemeinde von 1360 im vergangenen Oktober auf jetzt 1517 stimmt optimistisch.“
Pastor Ernst-Ulrich Göttges

Weniger unauffällig will die Kirchengemeinde das Jubiläum in diesem Jahr gestalten. „Wir haben jeden Grund zu feiern“, meinte Pastor Ernst-Ulrich Göttges. Allein die steigende Mitgliederzahl der Gemeinde - bei der Kirchenzählung im vergangenen Oktober noch 1360, jetzt bereits 1517 - stimme ihn optimistisch. 58 Gottesdienste im vergangenen Jahr wurden gut besucht, im Schnitt kamen 77 Menschen zu diesen Feiern.

Auch am Sonntag konnte der Pastor auf ein gefülltes Gotteshaus blicken. 120 Gäste wollten sich seine Predigt in Versen zum Faschingssonntag nicht entgehen lassen. Diesmal hatte Göttges die satellitengesteuerten Wegweiser aufs Korn genommen. Mit „Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl“ hatte er für die Gemeinde auch das passende Lied dazu gefunden. Aber auch auf das Programm für das Gemeindejubiläum waren alle gespannt (siehe Kasten unten).

Der Biergarten steht unter dem Motto „Alles Käse“ und „Echt scharf“.

Sobald die Temperaturen es zulassen, werden die Festlichkeiten auch auf dem Hof stattfinden. Das „geistlich’ Wirthaus“ will sich nämlich im Jubiläumsjahr in einen Biergarten zurückverwandeln und zu Themen wie „Alles Käse“, „Ist mir wurscht“ oder „Echt scharf“ Kulinarisches und Kulturelles anbieten.

Obwohl schon Vieles fest eingeplant ist - der Programmumfang sei nach oben offen, sagte Göttges. Auch Hilfe werde noch gern angenommen, so Göttges. Wer wollte, konnte sich bereits am Sonntag in eine Liste eintragen.

Die Musik zum Fest: Der Chor alla Capella unterstützte den Festgottesdienst musikalisch unter der Leitung von Jörn Tegtmeyer

Ein Anfang ohne großes Aufsehen

Im Gasthaus Zum Fisch begann alles

Schon 1700 ließen sich in der Handelsstadt Hann. Münden, die zu dem Evangelisch-lutherischen Kurfürstentum Hannover gehörte, immer mehr Evangelisch-reformierte Kaufleute und Handwerker nieder. Eine Ausübung ihrer Religion war ihnen nur in den hessischen Nachbarorten Wilhelmshausen und Vaake möglich.

1708 ging eine Bitte um Gestattung der Religionsausübung an den inzwischen zur Regierung gelangten Kurfürsten Georg Wilhelm. Am 11. Mai 1708 erhielt die Gemeinde das kurfürstliche Patent, das ihr das Recht, Gottesdienst zu halten, verlieh, allerdings solle dies in einem Privathaus und ohne großes Aufsehen geschehen.

1710 erwarb die Gemeinde das baufällige Gasthaus „Zum Fisch“ und errichtete an dessen stelle die heutige Fachwerk-Kirche. Am 25. Oktober 1711 fand der erste Gottesdienst in der neuen Kirche statt, wo auch der erste Pfarrer der Gemeinde, Georg Christoph Clausenius seine Antrittspredigt hielt. Ende der 1970er Jahre wurde die Kirche renoviert und das Gemeindezentrum angebaut.

Pastor Ernst-Ulrich Göttges ist heute der 18. Pastor, der die Evangelisch-reformierte Gemeinde leitet, die zur Zeit über 1500 Mitglieder zählt, Tendenz steigend. (zwh)