Dreißigjähriger Krieg

Aus Regiowiki
Version vom 8. November 2006, 17:21 Uhr von Frank Schneider (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Söldnerheere durchzogen im Dreißigjährigen Krieg auch den Solling und legten sie in Schutt und Asche

„Es ist nicht auszusprechen, wie viel herzbrechende Klagen der armen Leute täglich einkommen. Das Land ist längst allen Vorrats an Getreide, Vieh, Kleidern, Hausrat und Pflügen beraubt; die Dörfer sind meist eingeäschert, und die kleine dem Tode bisher entgangene Bevölkerung haust in Hütten oder auf freiem Felde oder sucht im Wald Obdach.“ Als der Uslarer Amtmann Pape diese deprimierende Situationsbeschreibung 1625 zu Papier brachte, tobte der Dreißigjährige Krieg sieben Jahre in Deutschland. Obwohl im Solling keine größeren Schlachten zwischen protestantischen und katholischen Armeen geschlagen wurden, zerstörten durchziehende Söldnerheere, die auf dem Höxterschen Weg zur westfälischen Kleinstadt unterwegs waren, Dörfer und Städte und verwüsteten die Felder.

Erstmalig vom Krieg berührt wurde diese Region im Jahre 1623, als der protestantische Heerführer Christian von Braunschweig, der Bischof von Halberstadt, mit seinem 21 000 Mann starken Heer durch dieses Gebiet zog. Der „tolle Christian“ flüchtete vor den Truppen des katholischen Generals Tilly.

Tillys Söldner brandschatzten in Schönhagen, Kammerborn, Bodenfelde, Nienover und Wahmbeck und nahmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest war. Allein in Bodenfelde stahlen sie 95 Pferde, dazu Kühe, Schafe und Schweine in großer Menge. In Wahmbeck ließen die Fremden alle Besitztümer der Kirche mitgehen, während sie in Kammerborn die gesamte Ernte auf dem Halm vernichteten. In Uslar nahm Tillys Reiterhauptmann Carthaus Quartier.

Im Jahre 1625 griff der dänische König Christian IV. auf evangelischer Seite in den Krieg ein und wurde vom Niedersächsischen Kreise zum Heerführer berufen.

Um die Dänen zu vertreiben, marschierten die katholischen Feldherren Tilly und Wallenstein nach Norddeutschland. Am 1. Juni 1625 überquerte Tilly mit einer starken Truppe die Weser bei Höxter und suchte zunächst den nördlichen Solling heim. Um Michaelis raubten die Kaiserlichen Uslar aus und brannten die Stadt teilweise nieder. Im November 1625 bezogen sie trotzdem in der Kleinstadt Winterquartier.

In den folgenden Monaten suchten die Söldner in katholischen Diensten die Dörfer des südlichen Sollings heim. „Anno 1626 ist dies Hauß durch die Kayerlichen Völcker gantz abgebrannt mit dem Vorwercke, Mühlen, Schäffery und Kruge“, notierte Henning Hillefeld, der Sohn des Amtmanns von Nienover.

Ostern 1626 ließ sich Christian von Braunchweig wieder von den welfischen Dörfern Südniedersachsens aushalten. Ihm folgten dänische Verbände und später wieder kaiserliche Truppen.

Am 27. November 1626 schreibt der Uslarer Magistrat an das herzögliche Konsistorium in Wolfenbüttel, dass die Winterfrucht erfroren sei und die Sommerfrucht „wegen täglichen streifens, plündern und raubens gar nicht bestellet werden können“.

Stadt ist ausgebrannt

Am 9. Mai 1628 berichten Bürgermeister und Rat, dass vor dem Kriegsunglück 300 Bürger in der Stadt gewohnt hätten, danach nur noch 50. Das Vieh sei ihnen geraubt und den täglichen Unterhalt müssten sich die Uslarer aus „fremden Ländern“ beschaffen. „Die Stadt ist abgebrannt und die eingepfarrten Dörfer von Grund auf ruiniert und durch Pestilenz, Schwert, Hunger, Kummer, Angst und Not gänzlich heruntergekommen“ klagt Uslars Superintendent Specht ein paar Tage später. Dr. Wolfgang Schäfer