Dorfmuseum in Nienhagen

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Jeden Sonntag öffnen Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins von 14 bis 17 Uhr das Dorfmuseum in Nienhagen im Gollong-Haus bei freiem Eintritt.

Ausstellung

Viele Exponate im Dorfmuseum Nienhagen stammen vom Künstlerehepaar Gollong

Zigarren, Tanzkappe, Keksdose: Im Wohnzimmer des Gollong-Hauses, des Dorf- und Heimatmuseums in Nienhagen, erinnern nicht nur die Möbel an die Vorbesitzer.
(Foto: Wienecke)

Die Erinnerung lebt weiter

Von Bettina Wienecke

Staufenberg. Möbel, Geschirr und sogar Zigarren, viele Exponate im Nienhagener Gollong-Haus, dem heutigen Dorf- und Heimatmuseum, erinnern an die Vorbesitzer, das Künstlerehepaar Erika und Christian Gollong.

„Er rauchte Zigarren, sie Zigaretten“, erinnert sich Erich Haldorn vom Kultur- und Heimatverein: „Der Garten, das Kochen am Herd sowie eine gute Zigarre waren für ihn das Wichtigste.“ „Die Möbel im Museum stammen wie der Tisch aus der Berliner Zeit Gollongs“, ergänzt Nienhagens Ortsbürgermeister Karl Kersten, der im Museum laut Aussage der Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins als „Mädchen für alles“ fungiert.

Komisches Talent

Auch in den Erinnerungen der ehemaligen Kollegen sind die Ballettmeisterin und der Schauspieler noch immer präsent. So hat Karl-Heinz Mauthe ab 1952 in Operetten, Singspielen und Kriminalstücken mit Christian Gollong auf der Bühne gestanden.

„Besonders in humorvollen Grotesken war Gollong durch seine Mimik erfolgreich. Er kam 1937 nach Kassel, ging dann nach Berlin und kam 1952 wieder nach Kassel zurück“, berichtet der 92-Jährige. „Von dem Geld, das er in seiner Berliner Zeit durch Rollen in Filmen verdiente, kaufte er sich Land in Nienhagen.“

Dies beschreibt auch die Chronik Nienhagens. „Das heutige Dorfmuseum hat Christian Gollong 1941 von einem Nienhäger Bürger gekauft und ab 1945 bis zu seinem Tode 1988 bewohnt“, heißt es da. Von der Beerdigung von Christian Gollong berichtet der pensionierte Schauspieler Mauthe aus Kassel: „Wir haben danach das gegessen, was er so gerne mochte. Mit Rippchen mit Sauerkraut haben wir ein Gollong-Essen veranstaltet.“

Karl Kersten traf 2001 mit einer inzwischen auch durch das Fernsehen bekannten Kollegin von Christian Gollong zusammen. Er überreichte der Schauspielerin Witta Pohl, die ihr erstes Theaterengagement 1957 in Kassel hatte, einen Scheck für ihren Verein Kinderluftbrücke.

Die Einnahme stammte von der 650-Jahr-Feier Nienhagens. „Mein Golli“ habe sie Christian Gollong genannt, berichtete Witta Pohl damals. Sein Fleiß, seine Zuverlässigkeit und Disziplin hätten sie geprägt. Ferner war sie von den Aktivitäten des Ortes, das Erbe von Christian Gollong zu bewahren, sehr angetan.

Artikel in RegioWiki

Kaufmannsladen der 50er-Jahre im Gollong-Haus.
(Foto: Wienecke)

Zahlreiche weitere Artikel der Autorin Bettina Wienecke zum Dorfmuseum in Nienhagen sind zu finden unter:

Informationen zum Museum und Führungen

6282 Besucher kamen seit 1996 bereits in das Museum, Führungen sind nach Absprache möglich.

Elke Schmidt aus dem Vorstand des Kultur- und Heimatvereins verdeutlicht einen interessanten Aspekt des Gollong-Hauses: „Ältere Besucher berichten den jüngeren gern davon, welche der Ausstellungsstücke sie noch aus eigener Erfahrung kennen“, sagt sie. Das Team, das das Museum nicht nur für Durchreisende, sondern auch Stammgäste öffnet, kommt wie Elke Schmidt aus Nienhagen sowie aus Escherode und Ehlen. Erich Haldorn lebt inzwischen in Kassel bei seiner Tochter.

Der 80-Jährige kannte die früheren Eigentümer des Hauses, Christian und Erika Gollong, noch persönlich. Dank der Erbschaft des Künstlerpaares konnte ihr Wohnhaus, das heutige Museum, erworben werden.

„An dieser Stelle gedenken wir zwei Menschen, die durch ihre Verbundenheit zu Nienhagen ein Vermächtnis hinterlassen haben, was von großer Bedeutung für das kulturelle Leben unseres Dorfes ist“, heißt es in der Dorfchronik Nienhagens, die der Kultur- und Heimatverein 2001 herausgegeben hat.

Erich Haldorn und Adolf Kraft, seit mehr als 25 Jahren ehrenamtlich als Ortsheimatpfleger tätig, haben sie zusammengestellt. Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Kultur- und Heimatvereins, Simone Deutsch, sind beide Testamentsvollstrecker der Gollong-Stiftung, die der Geldgeber des Museums ist.

Das Dorf- und Heimatmuseum Nienhagen im Gollong-Haus in der Ingelheimstraße ist ganzjährig jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Kontakt: Tel. 05543/2597, -/870, -/99 95 55.

Literatur

  • Adolf Kraft, Erich Haldorn (Hrsg.) Nienhagen 1351-2001 - Ein Dorf erzählt aus seinem Leben, Kultur- und Heimatverein Nienhagen (Selbstverlag), Nienhagen 2001

siehe auch

Weblinks