Die Straße ist ein Sumpf: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Bild:Wiki479.jpg|right|thumb|300pix|Die Bahnhofstraße vor etwa 80 Jahren – Ende des 19. Jahrhunderts ärgerten sich Einheimische wie Besucher über ihren schlechten Zustand. Foto: Repro Pezold]]
  
 
''Von Dr. Johann Dietrich von Pezold''
 
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[[Hann. Münden]]. Die heutige, 1873 angelegte Bahnhofstraße, war 1889 immer noch nicht gepflastert. Die Fahrbahn bedeckte lediglich Basaltschotter. Dies führte zu Unzuträglichkeiten, die ständig wiederkehrende Klagen auslösten. Aber auch die immerhin schon vorhandenen Trottoirs gaben Anlass zu Beschwerden. Rechtsseitig stadtauswärts befand sich das Trottoir Anfang Juni 1884 in einem Zustand, dass es „bei Regenwetter fast nicht zu passiren und dann auch nur schwer das anderseitige über die mit Schlamm und Dreck überdeckte Straße zu erreichen“ war.
 
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Hann. Münden. Die heutige, 1873 angelegte Bahnhofstraße, war 1889 immer noch nicht gepflastert. Die Fahrbahn bedeckte lediglich Basaltschotter. Dies führte zu Unzuträglichkeiten, die ständig wiederkehrende Klagen auslösten. Aber auch die immerhin schon vorhandenen Trottoirs gaben Anlass zu Beschwerden. Rechtsseitig stadtauswärts befand sich das Trottoir Anfang Juni 1884 in einem Zustand, dass es „bei Regenwetter fast nicht zu passiren und dann auch nur schwer das anderseitige über die mit Schlamm und Dreck überdeckte Straße zu erreichen“ war.
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Mehr als zwei Jahre später sah es nicht anders aus. „Die neue Bahnhofstraße befindet sich augenblicklich wieder in einem solch schauderhaften Zustande“, schimpfte im Herbst 1886 ein Leserbriefschreiber, „daß dieselbe einem Sumpfe ähnlicher sieht wie einer Straße, die den größten Verkehr auszuhalten hat.“ Im Juli 1885 sahen sich die Mündenschen Nachrichten ihrerseits veranlasst, jahreszeitlich bedingte, ganz andersartige Missstände anzuprangern. „Sollte es nicht möglich sein“, fragten sie, „Einrichtungen zu treffen, welche verhindern, daß die Passanten der Bahnhofstraße namentlich vor Abgang und nach Ankunft der Eisenbahnzüge förmlich mit Staub überschüttet werden? Wenn ein solcher Zustand schon für Anlieger der Bahnhofstraße selbst sehr lästig ist, so macht es jedenfalls auf die zahlreichen Besucher von Münden keinen angenehmen Eindruck, beim Besuch unserer Stadt sich mit beschmutzten Kleidern einführen zu müssen.“  
 
Mehr als zwei Jahre später sah es nicht anders aus. „Die neue Bahnhofstraße befindet sich augenblicklich wieder in einem solch schauderhaften Zustande“, schimpfte im Herbst 1886 ein Leserbriefschreiber, „daß dieselbe einem Sumpfe ähnlicher sieht wie einer Straße, die den größten Verkehr auszuhalten hat.“ Im Juli 1885 sahen sich die Mündenschen Nachrichten ihrerseits veranlasst, jahreszeitlich bedingte, ganz andersartige Missstände anzuprangern. „Sollte es nicht möglich sein“, fragten sie, „Einrichtungen zu treffen, welche verhindern, daß die Passanten der Bahnhofstraße namentlich vor Abgang und nach Ankunft der Eisenbahnzüge förmlich mit Staub überschüttet werden? Wenn ein solcher Zustand schon für Anlieger der Bahnhofstraße selbst sehr lästig ist, so macht es jedenfalls auf die zahlreichen Besucher von Münden keinen angenehmen Eindruck, beim Besuch unserer Stadt sich mit beschmutzten Kleidern einführen zu müssen.“  
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Die jüngsten Tage erst haben die Bahnhofstraße allen Leuten, die dieselbe passirten, in einem Zustande gezeigt, der der hohen Intelligenz der Mündener Bevölkerung, der großen Industrie unserer Stadt, dem lobenswerthen Anstreben, die Reize unserer Gegend den Sommerfrischlern immer mehr und mehr zugängig zu machen und den Fremdenverkehr zu heben, durchaus nicht entspricht.“ Dutzende von Spaziergängern hätten sich schon genötigt gesehen umzukehren, da der Schmutz mehr als lästig war.“ Schmutz und Schlamm bei Regenwetter lösten bei Trockenheit Staubwolken ab, verursacht durch Pferdefuhrwerke im Trab, was verboten war.
 
Die jüngsten Tage erst haben die Bahnhofstraße allen Leuten, die dieselbe passirten, in einem Zustande gezeigt, der der hohen Intelligenz der Mündener Bevölkerung, der großen Industrie unserer Stadt, dem lobenswerthen Anstreben, die Reize unserer Gegend den Sommerfrischlern immer mehr und mehr zugängig zu machen und den Fremdenverkehr zu heben, durchaus nicht entspricht.“ Dutzende von Spaziergängern hätten sich schon genötigt gesehen umzukehren, da der Schmutz mehr als lästig war.“ Schmutz und Schlamm bei Regenwetter lösten bei Trockenheit Staubwolken ab, verursacht durch Pferdefuhrwerke im Trab, was verboten war.
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[[Kategorie: Geschichte]]
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[[Kategorie: Hann.Münden]]

Aktuelle Version vom 8. Juni 2008, 14:30 Uhr

Straße ist ein Sumpf

Historische Bahnhofstraße sorgte bei den Zeitgenossen ständig für Klagen

Die Bahnhofstraße vor etwa 80 Jahren – Ende des 19. Jahrhunderts ärgerten sich Einheimische wie Besucher über ihren schlechten Zustand. Foto: Repro Pezold

Von Dr. Johann Dietrich von Pezold

Hann. Münden. Die heutige, 1873 angelegte Bahnhofstraße, war 1889 immer noch nicht gepflastert. Die Fahrbahn bedeckte lediglich Basaltschotter. Dies führte zu Unzuträglichkeiten, die ständig wiederkehrende Klagen auslösten. Aber auch die immerhin schon vorhandenen Trottoirs gaben Anlass zu Beschwerden. Rechtsseitig stadtauswärts befand sich das Trottoir Anfang Juni 1884 in einem Zustand, dass es „bei Regenwetter fast nicht zu passiren und dann auch nur schwer das anderseitige über die mit Schlamm und Dreck überdeckte Straße zu erreichen“ war.

Mehr als zwei Jahre später sah es nicht anders aus. „Die neue Bahnhofstraße befindet sich augenblicklich wieder in einem solch schauderhaften Zustande“, schimpfte im Herbst 1886 ein Leserbriefschreiber, „daß dieselbe einem Sumpfe ähnlicher sieht wie einer Straße, die den größten Verkehr auszuhalten hat.“ Im Juli 1885 sahen sich die Mündenschen Nachrichten ihrerseits veranlasst, jahreszeitlich bedingte, ganz andersartige Missstände anzuprangern. „Sollte es nicht möglich sein“, fragten sie, „Einrichtungen zu treffen, welche verhindern, daß die Passanten der Bahnhofstraße namentlich vor Abgang und nach Ankunft der Eisenbahnzüge förmlich mit Staub überschüttet werden? Wenn ein solcher Zustand schon für Anlieger der Bahnhofstraße selbst sehr lästig ist, so macht es jedenfalls auf die zahlreichen Besucher von Münden keinen angenehmen Eindruck, beim Besuch unserer Stadt sich mit beschmutzten Kleidern einführen zu müssen.“

In der Sache weiter ausgreifend und das Ehrgefühl der Mündener anrührend, griff vier Jahre später ein Leserbriefschreiber die Misslichkeiten wieder auf. „In dem Namen ‘Bahnhofstraße’ liegt schon die Bedeutung derselben,“ stellte er grundsätzlich fest und forderte: „Eine Straße, die den Bahnhof mit der Stadt verbindet, die Verkehrsader für die Umgegend von Münden mit deren Centrum, die verkehrsreichste von allen, die als Entree von Münden gilt, die für jeden Fremden maßgebend ist in Fällung eines Urtheils über unsere Stadt, muß als Straße besonders berücksichtigt werden.

Die jüngsten Tage erst haben die Bahnhofstraße allen Leuten, die dieselbe passirten, in einem Zustande gezeigt, der der hohen Intelligenz der Mündener Bevölkerung, der großen Industrie unserer Stadt, dem lobenswerthen Anstreben, die Reize unserer Gegend den Sommerfrischlern immer mehr und mehr zugängig zu machen und den Fremdenverkehr zu heben, durchaus nicht entspricht.“ Dutzende von Spaziergängern hätten sich schon genötigt gesehen umzukehren, da der Schmutz mehr als lästig war.“ Schmutz und Schlamm bei Regenwetter lösten bei Trockenheit Staubwolken ab, verursacht durch Pferdefuhrwerke im Trab, was verboten war.