Burg Gieselwerder

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Gieselwerder - Rathaus im Bereich der ehem. Burganlage

Von der ehemals an der Weser gelegenen Wasserburg in Gieselwerder sind heute nur noch Reste der ursprünglichen Anlage vorhanden. Auf dem Gelände wurde das heutige Fachwerk-Rathaus errichtet.

Geschichte

Gieselwerder wurde im Jahre 1093 bei der Gründung des Klosters Bursfelde erstmals urkundlich erwähnt. Ein Edler Albert de insula ist als Vorbesitzer des Hofgutes "Miminde" vermerkt.

Begegnet man zu Beginn des 12. Jahrhunderts den Grafen von Werder in alten Urkunden, ändern sich die Besitzverhältnisse im Jahre 1231. Gieselwerder befand sich jetzt im Besitz des Erzbischofs von Mainz und erhielt Stadtrechte (von 1240 bis ca. 1350).

Die Lage der damaligen Siedlung auf einer langgestreckten schmalen Insel, einem sogenannten Werder, lässt sich heute noch erahnen. Erst Anfang des 19. Jh. wurde der sumpfige, trennende Kanal endgültig trockengelegt. Der Straßenname "In der Laake" erinnert an ihn. [1]

Um das Jahr 1250 entstand zunächst auf dieser Weserinsel eine Siedlung mit zwei Burgen, der Spitzenburg und der Wasserburg. Der Ort an der Oberweser entstand somit auf der früheren Flussinsel, die zunächst am nördlichen Ende und später am südlichen Ende durch eine Burg begrenzt wurde (vgl. dazu: Informationsschrift des Vereins Heimat und Kultur Gieselwerder e.V.: Stadt Gieselwerder um 1250/1300 auf einer Weserinsel).

Auf der Spitzenburg haben die Grafen von Werder im 11. und 12. Jahrhundert gelebt, denen man zu Beginn des 12. Jahrhunderts in alten Urkunden begegnet. Zu dem völlig zerstörten Bauwerk der Spitzenburg konnte nach Untersuchungen, u.a. mit Bodenradar eine Rekonstruktionszeichnung erstellt werden. Ferner ließ sich die Stelle der mittelalterlichen Kirche St. Johannis mit Friedhof bestimmen. Auch einige Bodenfunde konnten geborgen werden.

Nach der Änderung der Besitzverhältnisse befand sich Gieselwerder ab dem Jahre 1231 im Besitz des Erzbischofs von Mainz. Als mainzische Wasserburg wurde nach einer Darstellung in der Geschichtsschreibung die Burganlage rund um das heutige Rathaus erst im Jahre 1240 errichtet. Nach anderer Darstellung entstand die Wasserburg schon zu Zeiten der Grafen von Northeim und durch das Erzbistum Mainz nur aufwändig in Stand gesetzt. Von den Northeimern kam die Burg danach auf dem Erbweg an die Erben der Herzöge von Braunschweig und wurde kurz nach 1231 von dem Edelherrn Wittekind von Vesperte an den Mainzer Erzbischof Siegfried III. verkauft, unter dessen Herrschaft die Burg dann zwischen 1231 und 1241 komplett renoviert wurde.

Dem Edelherren Konrad II. von Schoeneberg, der für das Erzbistum Mainz ein wichtiger Lehnsmann war, wurde jedenfalls 1240/ 41 von dem mainzischen Erzbischof Siegfried III. nicht nur die Burghut auf dem Schöneberg (bei der Stadt Hofgeismar) anvertraut sondern auch die Burghut auf der Burg Gieselwerder.

Lange Fehde schlossen sich an. Das Erzbistum Mainz verlor die Burg bereits 1257 an den Welfen Albrecht den Großen. Auch danach war der Besitz der Burg mehrmals umstritten, bevor Gieselwerder dann im Jahre 1462 unter Landgraf Ludwig II. hessisch wurde.

Die Burg in Gieselwerder war vorübergehend Amtssitz und diente bis 1538 den Herren von Werder als Amtssitz (bis zur Verlegung des Amtsitzes nach Sababurg), bevor ihr im 16. Jahrhundert eine neue Rolle als Zolleinnahmestelle zukam.

Literatur

Vor dem Rathaus in Gieselwerder: Modell der ehemaligen Burg Gieselwerder

Sagenwelt

„Gar oft saß Giesela in stillen, lauen Sommernächten auf dem Söller ihrer Burg und blickte sinnend und träumend hinab zur Weser, die leise raunend dahinflutete“, heißt es in einer alten Sage [2]. In Gieselwerder an der Weser erbaute die Riesin Giesela danach ihre Burg. Der Sage nach war sie die gütigste der sechs Töchter des Riesen Kruko von der Krukenburg in Helmarshausen. Alle sechs Töchter sollen später auf eigenen Burgen im Reinhardswald, im Bramwald und an der Weser gelebt haben: die Riesentöchter waren Drenta und ihre Schwestern Trendula (auf der Trendelburg), Saba (auf der Sababurg), Brama (auf der Bramburg), Lippolda (in Lippoldsberg) und Giesela (in Gieselwerder).

Der Sage nach soll Giesela die Namensgeberin des Ortes Gieselwerder sein. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass Gieselwerder nach Gisela, der Gemahlin des deutschen Kaisers Konrad II. benannt wurde, der hier längere Zeit verweilte.

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Informationen auf www.eco-pfade.de
  2. Eberhard Michael Iba, Sagen und Geschichten aus Nordhessen: von Weser, Diemel und Fulda, 7. Auflage, Hameln 1998

Weblinks