Amselhähne

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Der Macho mit dem Schmelz

Morgens die Ersten, abends die Letzten: Amselhähne sind begnadete Sänger

Amselhahn während einer Gesangspause. Foto: Bogumil

Hann. Münden. Die Amsel oder Schwarzdrossel ist mit 55 Millionen Brutpaaren in Europa eine der häufigsten und weit verbreitesten Singvögel. Ursprünglich ein scheuer Waldvogel, trifft man sie zunehmend in den besiedelten Grünzonen der Städte und Dörfer an.

Besonders beeindruckend ist der einmalig schöne Gesang der schwarzen Amselhähne mit den leuchtenden orangegelben Schnäbeln und den typischen Augenringen. Mehrstrophig, meist von einer erhöhten Warte aus, trällern und flöten sie schmelzreich ihre Liebeslieder.

Morgens, oft noch im Dunkeln, läuten sie die „Vogeluhr“ ein, um abends als letzte zu verstummen. In diesem frühlingshaften Winter sind die ersten unter den Kehlkopfakrobaten bereits zu hören. Denn Amselhähne wählen ihre Partnerinnen sinnvoll schon im Vorwinter aus. Dabei kommt es zu regelrechten Bodenkämpfen unter den schwarzrockigen Kontrahenten.

Das eigentliche Brutgeschäft beginnt im März. Das Weibchen legt in ein napfkuchenförmiges, innen mit Lehm stabilisiertes Nest, drei bis fünf braun gesprenkelte, bläuliche Eier. Nach 14 Tagen schlüpfen die Jungen, die nach weiteren zwei Wochen ausfliegen. Auf diese Weise sind bei den Schwarzdrosseln jährlich bis zu drei Bruten möglich.

Währenddessen feilt der kleine Amselhahn, der sich am Brutbetrieb gar nicht und bei der Fütterung der Jungen kaum beteiligt, unermüdlich am Repertoire seiner Melodien oder nimmt mit breit gefächerten Flügeln im warmen Sand wie ein Macho ein ausgiebiges Sonnenbad.

Amseln sind Allesfresser. Zur Aufzucht der Jungvögel ist allerdings tierische Nahrung, vom Regenwurm bis zum Maikäfer, erforderlich. Da in den zunehmend milderen Wintern das Futterangebot mit Beeren und Früchten aller Art üppiger wird, ziehen immer weniger Amseln in die Mittelmeerländer. Selbst in Schweden, wo die Amsel als eine Art Nationalvogel gilt, ist sie Wintertags anzutreffen. Von Manfred Bogumil