1985

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Dicke Luft sorgt für Smog-Alarm

Am 15. Januar 1985 wird in Kassel erstmals Smog-Alarm ausgelöst. Die dringende Empfehlung: Das Auto stehen lassen und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Wie eine Dunstglocke lag die Luft über Kassel, und sie wurde immer schlechter. Die Abgase der Fabrikschlote, Heizungen und Kraftwerke machten sich ebenso breit wie die aus den Auspuffrohren der Autos. Unten hing die kalte Winterluft im Kasseler Becken, oben hielt sie warme Mittelmeerluft fest. Und wenn dann doch einmal der Wind blies, dann kam er aus Richtung Osten und brachte reichlich Schadstoffe aus der Braunkohlefeuerung mit.

Alarmstufe I

Solche Wetterlagen hatte es schon früher gegeben, Anfang 1985 griff aber zum ersten Mal eine neue Verordnung. Alarmstufe I wurde am 15. Januar ausgerufen, das war der erste Kasseler Smogalarm. Fahrverbote gab es noch nicht, aber jede Menge Appelle, das Auto stehen zu lassen.

Die Stadt sperrte den ansonsten als Parkplatz genutzten Innenhof des Rathauses und forderte die Mitarbeiter auf, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu kommen. Eine eher symbolische Geste, der sich auch die Bundeswehr anschloß. Die stoppte immerhin ihren Fahrschulbetrieb.

Außer Appellen gab es für die Kommunalpolitik nur begrenzte Möglichkeiten, den Schadstoffausstoß zu verringern. Die städtische Müllverbrennungsanlage wurde ebenso heruntergefahren wie das Kraftwerk an der Dennhäuser Straße. Umweltschützern war das noch viel zu wenig. Eine Gruppe von Demonstranten blockierte die Rathauskreuzung und verteilte Flugblätter. Die Autofahrer reagierten mit einem Hupkonzert und konnten nach einer Viertelstunde wieder Gas geben. Nach Rücksprache mit der Polizei setzten die Demonstranten ihre Aktion vor dem Kasseler Rathaus fort. Auch in den Leserbriefspalten sorgte das Thema Smog für Diskussionen. Es sei erschreckend, wie rücksichtslos und uneinsichtig einige Autofahrer reagierten, schrieb eine Leserin. Ganz schlimm sei es an der Hauptpost gewesen: "Hier konnte man parkende Wagen mit laufendem Motor qualmen sehen, während ihre Besitzer die Post abholten."

Eine der Forderungen aus dieser Zeit war ein Nulltarif bei Smog für Busse und Straßenbahnen der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG). Daraus ist nichts geworden. Längst eingeführt wurden aber bleifreies Benzin und der Katalysator für Autos, seit April 1985 ist die Abgassonderuntersuchung Pflicht. Zu den Konsequenzen aus den Smogerfahrungen gehörten bessere Filteranlagen für Kraftwerke und die Müllverbrennung, die Umstellung von Kohle auf Gas sowie die bessere Nutzung der teurer gewordenen Energie.

Fernwärmeausbau

Ein Projekt gegen die Luftverschmutzung war bereits 1985 der Ausbau der Fernwärme. Ende September floß erstmals das auf rund 130 Grad erhitzte Wasser durch das Rohrsystem vom Müllheizkraftwerk zum Standort der Gesamthochschule am Holländischen Platz. Bisher war am Lossewerk lediglich Strom produziert worden, jetzt sollte auch die Wärme sinnvoll genutzt werden.

Das Projekt in der Nordstadt war der Einstieg, bereits ein Jahr später erhielten die ersten Haushalte und Betriebe in den südlichen Stadtgebieten Fernwärme aus dem neuen Heizkraftwerk an der Dennhäuser Straße. Seitdem wurden fast überall in den dichter besiedelten Teilen des Stadtgebiets Rohre für die Fernwärme verlegt, die Baustellen waren nicht zu übersehen.

Kasseler Literaturpreis an Loriot

Zum ersten Mal wurde im Herbst 1985 der "Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor" verliehen. Der mit 15 000 Mark dotierte Preis - gestiftet von Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner - ging an den bekannten Autor, Karikaturisten und Fernsehstar Vicco von Bülow alias Loriot.


300 Jahre Hugenotten in Hessen

1985 übernahm die Stadt Kassel die Aufgabe, mit einer großen zentralen Ausstellung in Deutschland an die Bedeutung der Hugenotten für das Sozial-, Wirtschafts- und Kulturleben der Einwanderländer zu erinnern. Nach 1685 fanden fast 8000 Franzosen eine neue Heimat im heutigen Bundesland Hessen. Dorothea Pierson z.B., besser bekannt als Dorothea Viehmann, ist eine Hugenottin und vielleicht das beste Beispiel für gelungene Integration. Die Kasseler Oberneustadt war nach Berlin die bedeutendste Hugenottengemeinde Deutschlands. Um 1700 war jeder fünfte Kasseler ein Hugenotte. Viele Wissenschaftler, Fabrikanten und andere gelehrte Einwanderer konnten den Landgrafen Karl und seinen Nachfolgern helfen, aus Hessen ein modernes und fortschrittliches Land zu machen. Die Ausstellung "300 Jahre Hugenotten in Hessen - Herkunft und Flucht, Aufnahme und Assimilation, Wirkung und Ausstrahlung" fand unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Holger Börner und des Bischofs der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck, Dr. Hans-Gernot Jung, vom 12. April bis 28. Juli 1985 im Museum Fridericianum statt.