Von der Idee besessen

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Mit Arnold Bode fing 1955 alles an - Erste Pläne für eine Großausstellung schon 1947


Die Frage, warum ausgerechnet Kassel zum Ort der Weltkunstausstellung documenta werden konnte, hat viele Geister beunruhigt. Denn rein theoretisch könnte man sich eine der klassischen Kunstmetropolen viel eher als Standort vorstellen.

Und wenn bis heute anlässlich einer documenta Porträts der Stadt geschrieben werden, die nicht unbedingt voll des Lobes sind, dann liegt es auch daran, dass viele noch keine plausible Antwort auf die Frage gefunden haben.

Dabei ist die Antwort ganz einfach: Kassel wurde zur Heimat der documenta, weil die Stadt auch die Heimat des umtriebigen Arnold Bode (1900-1977) ist. Bode war, wenn man so will, der Erfinder der documenta. Sicher, die heutigen Dimensionen der Ausstellung hätte er nicht vorausgesagt. Die Tatsache aber, dass sich die Ausstellung in fünf Jahrzehnten behaupten konnte, hätte er als Beweis der Richtigkeit seiner Idee genommen. Arnold Bode hatte in den 20er-Jahren erlebt, wie man im Sommer (damals in der Orangerie) eine anspruchsvolle Kunstausstellung außerhalb der Institutionen organisiert. Vor allem 1929, als er mit einem Kollegen für die Auswahl der deutschen Künstler zuständig war, entschied er sich für die Bauhaus- und Brücke-Künstler (Feininger, Heckel, Kandinsky, Klee, Mueller, Schlemmer und andere), die auch in der ersten documenta dabei sein sollten. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg zerstörten nicht nur viele Pläne, sondern machten aus den meisten der Avantgarde-Künstler Verfolgte. Aber der Krieg war noch nicht zu Ende, da begann Bode schon wieder an Größeres zu denken. 1947, als alles noch in Trümmern lag, so belegt ein neues, von Heiner Georgsdorf herausgegebenes Arnold Bode-Buch (B&S Siebenhaar Verlag, Berlin), schmiedete Bode den Plan für eine internationale Großausstellung, an der Künstler aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und aus den USA beteiligt sin sollten. Weder hatte Bode das Geld noch die Autorität, ein solches Unternehmen damals durchzusetzen. Doch im Prinzip war da schon der Grundstein für das Unternehmen documenta gelegt.

Als dann 1953 die Vorbereitungen für die Bundesgartenschau 1955 begannen und die Idee von einer begleitenden Kunstausstellung geboren wurde, ergab sich für Bode alles weitere wie von selbst. Im Handumdrehen hatte er einen Freundeskreis um sich geschart, der ihn unterstützte. Und schon bald stand das erste Konzeptpapier, in dem Bode davon träumte, die Ausstellung im Vier-Jahres-Rhythmus zu wiederholen.

HNA 22. 6. 2007