Volles Haus beim ersten Ball

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Volles Haus beim ersten Ball

Der Arbeiterbildungsverein konnte 1903 das lang ersehnte Vereinsheim eröffnen

Von Dr. Johann Dietrich von Pezold

Hann. Münden. Dem 1862 gegründeten Mündener Arbeiterbildungsverein stellte der Magistrat der Stadt im Sommer 1864 das Gebäude der ehemaligen Lateinschule zwischen dem Rathaus und der St. Blasiuskirche als Vereinsheim zur Verfügung. Für Schulzwecke wurde es nicht mehr gebraucht und so konnten dort abends die Fortbildungsveranstaltungen des Vereins abgehalten werden. Sonntags fanden gesellige Unterhaltungsabende sowie die häufigen Mitgliederversammlungen statt. Außerdem wurde ein Lesezimmer zur Nutzung der wachsenden Bibliothek eingerichtet.

Schon 1864 hatte der Magistrat dem Verein eine Feuerspritze übergeben, und es entstand die „Arbeiterfeuerwehr“. Auch die Sänger unter den Mitgliedern schlossen sich zu einer eigenen Abteilung zusammen. Außerdem wurde später eine Sterbekasse gegründet. Als die Mitgliederzahl des Vereins stieg und Mitte der 1890er-Jahre die 300er-Marke überschritt, war das alte Schulgebäude längst zu eng geworden.

Bereits 1864 hatte man im Verein daran gedacht, sich ein eigenes Heim zu schaffen, wegen fehlender Geldmittel wurde die Idee aber nicht weiter verfolgt. Erst mehr als 25 Jahre später wurde der Plan wieder aufgegriffen. Der Mitgliedsbeitrag wurde 1892 um fünf Pfennig pro Monat und Mitglied erhöht und mit den Mehreinnahmen ein Baufond geschaffen, in den auch der Ertrag von Gesangs- und Theaterveranstaltungen floss.

Der Erfolg hielt sich in Grenzen, so dass der Verein im Sommer 1896 in einem öffentlichen Aufruf die Mündener Bevölkerung um Geldspenden für den Bau eines Vereinshauses bat. Obwohl jetzt neben kleineren Beträgen auch „bedeutende Schenkungen wohlwollender und begüterter Bürger“ zu verzeichnen waren, dauerte es doch noch Jahre, bis der Plan Gestalt annahm.

Ehemaliger Schafstall

Nach langem Suchen konnte endlich im Herbst 1902 ein Grundstück an der Ziegelstraße als Bauplatz erworben werden. Zunächst musste das darauf befindliche einstöckige, unansehnliche Fachwerkgebäude, das in früheren Zeiten als Stall für die städtische Schäferei gedient hatte, abgerissen werden. Der zweigeschossige Neubau des Arbeiterbildungsvereins passte sich besser in die Straßenfront ein.

Im Erdgeschoss befanden sich ein Unterrichtsraum, die Bibliothek mit angrenzendem Lesezimmer, ein kleiner Raum für Vorstandssitzungen sowie Toiletten. Das Obergeschoss wurde vom Veranstaltungssaal mit Garderobenraum eingenommen.

Die feierliche Einweihung fand am 4. Oktober 1903 statt. In Anwesenheit von Bürgermeister Heinrich Weißker, Landrat Hans von Stockhausen und Superintendent Schumann hielt Pastor Wilhelm Meyer die Festrede. Der abendliche Ball fand im Saal statt, der sich für diesen ersten Anlass als zu klein erwies.

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