Tuchfabrik Gottschalk

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Die Tuchfabrik Gottschalk und Co. war eine Tuchweberei in der Kasseler Nordstadt. An dem damaligen Standort steht heute die Uni Kassel.


Geschichte

Ein Stück Kasseler Industriegeschichte: Das Torhaus B an der Gottschalkstraße wurde von der früheren Zelt- und Tuchfabrik erbaut. Seit dem Jahr 2000 steht es leer. Foto: Schachtschneider

Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens, das Zelte und Tücher bis nach Afrika geliefert hatte, begann mit ihrer Gründung im Jahr 1881. Moritz Gottschalk und Johannes Coenning waren die Gründer. Sie erbauten auch das Gebäude an der Gottschalkstraße. 1905 übernahm die Tucheberei die Weberei Dieterici & Lebon in Eschenstrutt und zahlreiche Erweiterungen folgten. Als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, gelang es dem jüdischen Gründer Moritz Gottschalk zunächst, die Firmengeschicke weiter zu lenken. Dafür nahm er 1933 zwei Nationalsozialisten in die Führung auf. Mit fortschreitender Arisierung wurden jüdische Webereien boykottiert. Nach Informationen des Stadtmuseums bekamen sie keine Aufträge mehr von Reichswehr, Post und Bahn und erhielten weniger Rohstoffe. Auch mit KZ wurde gedroht. So musste auch Gottschalk 1938 die Firma verlassen, die den Henschel-Werken angegliedert wurde. Nach Kriegsende kehrte Gottschalks Enkelin Leni Frenzel (1915-1987) aus dem Exil zurück und baute die im Krieg beschädigte Fabrik wieder auf. [1]

Ab den 1950er-Jahren ging es aufwärts. Zweigwerke entstanden in Bettenhausen, Zierenberg und Gensungen. Inzwischen produzierte Gottschalk sogar Sportbekleidung, mit der 1964 sogar die deutsche Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen ausgestattet wurde. 1990 übernahm die Fuldaer Mehler AG den Betrieb. Doch die Umsätze sanken weiter. Die Textilproduktion war in Deutschland zu teuer geworden. 1999 wurde der Betrieb eingestellt.

Das Gebäude

Das Gebäude, in dem die Fabrik untergebracht war, wurde 1930 gebaut. Seit dem Jahr 2000 steht es leer. Im Oktober 2015 wurde beschlossen, dass das Torhaus B der ehemaligen Fabrik für vier Architektur-Studiengänge der Uni Kassel hergerichtet wird. [2]


Quellen und Weblinks

  1. HNA.de vom 4. September 2014: Wo heute die Uni steht: Vor 15 Jahren schloss die Tuchfabrik Gottschalk
  2. Hna.de vom 26. Oktober 2015: Gottschalk-Gebäude wird für 5,3 Mio. Euro für Uni saniert