Stadtkirche Hatzfeld

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Die Evangelische Stadtkirche von Hatzfeld. Innenansicht. Foto: Klaus Jungheim (Copyright: HNA)

Die älteste Hatzfelder Kirche ist die romanische Emmauskapelle, die aus dem 11./12.Jahrhundert stammt. Sie war das Gotteshaus der wüstgewordenen Siedlung Nieder-Hatzfeld und ist das älteste Gebäude des kleinen Ederstädtchens. Schon um 1310 und 1332 werden Pfarrer und Priester von Hatzfeld genannt. Die heutige Stadtkirche St. Johannes entstand erst im 14. Jahrhundert. Das genaue Baujahr ist nicht bekannt. Die Emmauskapelle wird in einer Urkunde von 1379 die Alte Kirche genannt. Das heißt, dass damals die Stadtkirche schon errichtet gewesen sein muss.

Die Hatzfelder Grafen hatten sie im Stil einer gotischen Fachwerk-Kirche auf halber Höhe des Burgberges errichtet. Hatzfeld selbst war 1340 mit Stadtrechten bedacht worden. Die Stadtkirche dürfte bereits einen Vorläufer gehabt haben, denn sie wurde auf den Grundmauern einer älteren Steinkapelle errichtet. Über die Entstehung der heutigen Fachwerk-Kirche lassen sich allerdings keine exakten Angaben machen. 1459 wird die erste Glocke für die St. Johannes-Kirche von Meister Albert von Eversberch hergestellt. Man nimmt an, dass zu dieser Zeit der Spitzhelmturm der Kirche schon vorhanden war. Diese Glocke läutet noch heute. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt ein sehr schönes spätgotisches Kruzifix, das den Altarraum schmückt. Es ist ein Werk von hoher künstlerischer Qualität, das um die Mitte des 15. Jahrhunderts anzusetzen ist. An den vier Enden des Kreuzes sind die Evangelisten-Symbole angebracht.

Das kunsthistorisch interessante Taufbecken hat vermutlich zuerst als Weihwasser-Behälter, später dann als Opferstock gedient. Seine Entstehung ist schwer zu datieren. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Hatzfeld calvinistisch-reformiert, wurde aber 1624 wieder lutherisch. Es könnte im 16. Jahrhundert entstanden sein. Im 30-jährigen Krieg wurde die Kirche - wie auch die Stadt Hatzfeld - durch die Schweden stark in Mitleidenschaft gezogen. Graf Melchior von Hatzfeld, der Nachfolger Wallensteins als Oberkommandierender der kaiserlichen Truppen, stellte sich 1636 mit seinen Soldaten den Schweden entgegen. Es kam zu schweren Kämpfen. Dabei wurde die Kirche durch schwedische Übergriffe schwer beschädigt. Es dauerte Jahrzehnte, bis sie wieder aufgebaut war. Der Holzpfeiler zum Altarraum trägt die Jahreszahl 1676 - ein Hinweis darauf, dass erst nach 40 Jahren die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen waren. Seit 1636 sind auch die Kirchenbücher erhalten. Im selben Jahr entstand eine Erinnerungstafel für die neun verstorbenen Söhne des Grafen Georg Anton, Herr von Hatzfeld, und seiner Frau. Offenbar sind die Kinder einer Pest-Epidemie zum Opfer gefallen. Die Tafel befindet sich heute im hinteren Aufgang der Kirche. Davor, an der Wand zum Altar, ist der einzige noch erhaltene Grabstein der neun Kinder eingefügt.

1636 und 1664 erhielt die Kirche die zweite und dritte Glocke sowie 1706 die historische Rindt-Orgel Hatzfeld. Die Stadtkirche wurde 1787/88 infolge größerer Sturmschäden gründlich restauriert. Bei der Einrichtung der Innenausstattung entstanden dabei die farbenfrohen Apostel- und Evangelistenbilder sowie schöne Blumenmuster an der Empore, die heute noch das Bild der Kirche bereichern. Das Portal geht ebenfalls auf 1787 zurück. 1958 wurde die dritte Renovierung des Gotteshauses vorgenommen. Es wurde mit einem Gestühl, einer neuen Orgel sowie einem neuen Altar, der die Form eines Tisches hat, ausgestattet. Ebenfalls entstanden sechs neue Bildfenster von Eberhard Klonk (Marburg) im Chor. Folgende Motive aus der Bibel sind dargestellt: der Judaskuss, die Kreuzigung, die Auferstehung, das Abendmahl, die Geschichte vom verlorenen Sohn und das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner. 1974 bis 1978 erfolgte eine weitere gründliche Renovierung mit Trockenlegung und Anbau zur Bergseite, dem Einbau einer Fußbodenheizung, einer neuen Verschieferung sowie der Neugestaltung der Außenanlagen mit der Erstellung eines Parkplatzes, des Jugendhauses neben der Kirche und der Fertigung eines neuen Treppenaufganges.

Von Edgar Weigel und Alfred Schärer (HNA-Serie Unsere Kirchen)