Stückkirchen

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Mittelalterliche Wüstung Hessenhagen mit Ruine Stückkirchen

Bei der Ruine Stückkirchen lag im Mittelalter ein Dorf. Es wurde im 14. Jahrhundert verlassen und ist seitdem eine Wüstung. Nur die Kirche ist noch sichtbar. Sie hieß früher Hessenhager Kirche. Seit dem 19. Jahrhundert nennt man sie aus unbekannten Gründen Stückkirchen. An der Stelle der Kirche liegt in West-Ost-Richtung eine große Erhebung von etwa 25 m Länge, 9 m Breite und bis 1,50 m Höhe. Am westlichen Ende ist die Westmauer mit einer Innenecke auf ganzer Länge freigelegt worden und zeigt, dass der Kirchensaal außen 8,45 m breit gewesen ist. Die Länge der Kirche und die Form des im Osten liegenden Chors (Altarraum) sind unbekannt. Die unregelmäßige Oberfläche der Erhebung rührt von früherem Steinraub und Wühlgrabungen. Solche haben nachweislich 1948 und um 1950 stattgefunden, ohne dass Einzelheiten bekannt sind. Weitere Ausgrabungen sind nicht vorgesehen, vielmehr ist die unveränderte Erhaltung des gegenwärtigen Zustands das oberste Ziel. Von den Wohn- und sonstigen Gebäuden des Dorfes, die aus Holz errichtet waren, zeichnen sich keine obertägigen Spuren ab. Funde von Keramikscherben aus dem 13./14. Jahrhundert, die auf dem Waldboden und an Baumwurzeln gefunden wurden, zeigen, dass die ehemalige Siedlung rings um die Kirche gelegen und sich besonders im Süden bis in etwa 200 m Entfernung ausgedehnt hat. Etwa 100 m westlich und 170 m nördlich der Kirche liegen zwei Quellen. Die eine besitzt eine kleine Steinfassung ( Ideborn) die andere ist ein großes Quellloch ( Glockenborn ), dessen Wasser in eine Wiese fließt. Auf dieser Wiese ist die Geburtshelferkröte oder auch Glockenkröte heimisch. Der Ruf des Männchens ähnelt einem Glockenton. Daher wahrscheinlich die Sage, dass in ihm die Glocke von Stückkirchen versenkt sei und man sie noch aus der Tiefe läuten hören könne. Es gibt urkundliche Überlieferungen. Seit dem 19. Jahrhundert hat man gemeint, hier habe das Dorf Lobesrode gelegen und Stückkirchen sei die zusammen mit diesem Dorf überlieferte Kirche St. Juliane. Seit 1993 weiss man, dass das falsch ist, denn die Kirche St. Juliane stand bei Helsa–St. Ottilien auf dem St. Ottilienberg, und Lobesrode lag in dessen Nähe. Der Waldoert ist vielmehr die Wüstung Hagen. Dieser Ort erscheint erstmals 1155 in einer Urkunde des Klosters Breitenau, genannt. Die Wüstwerdung des Dorfes erfolgte im 14. Jahrhundert im Zuge der spätmittelalterlichen Wirtschafts- und Agrarkrise, die 1309 mit Hungersnöten begann und ab 1349 durch die Pest verschärft wurde. Später ist der Ortsname zu Hessenhagen geworden. Der neben der Kirche verlaufende unbefestigte Waldweg hieß früher Amtspfad. Er führte von Eiterhagen und Wattenbach nach Oberkaufungen und wurde vor allem von Fußgängern benutzt, die Amtsgeschäfte im Amtsgericht Oberkaufungen zu erledigen hatten. LR