Spare in der Zeit...

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Da gab’s den Reichspfennig noch: So warb die Sparkasse um Kunden. Repro: Privat/nh

Die Stadt gründete vor 175 Jahren die Sparkasse zur Vorsorge für wenig Betuchte

HANN. MÜNDEN. Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not - so lautet ein altes Sprichwort. Ob die Gründer der Sparkasse in Münden sich von dieser Volksweisheit haben leiten lassen, ist nicht verbrieft. Allerdings waren es soziale Gründe, die Mündens Stadtregierung veranlasste, vor 175 Jahren die erste öffentliche Sparkasse in der Dreiflüssestadt aus der Taufe zu heben. Die Sparkasse Münden feiert dieses Jubiläum, Höhepunkt wird ein Konzert im Oktober sein.

Der soziale Gedanke bei der Gründung der Sparkasse wird deutlich in einem Beitrag im Hannoverschen Magazin von 1838. Der Autor schrieb zur Gründung der elf Sparkassen im Königreich Hannover, darunter auch der in Münden, folgenden Satz: „Damit aber diejenigen aus den unbemittelten Volksclassen, welche sich der Sparsamkeit befleißigen, auch Gelegenheit finden, ihre kleinen Ersparnisse sicher und zinsbar unter zu bringen, so hat man öffentliche Sparcassen, unter obrigkeitlicher Aufsicht, errichtet.“

Ziel der Stadtregierung war es also, den weniger betuchten Einwohnern eine sichere Geldanlage zu verschaffen. Dazu das Hannoversche Magazin: „Bei weitem der größere Theil der armen Volksclasse denkt hinsichtlich der Zukunft gar zu leichtsinnig.... Die Meisten leben so zusagen in einer Art von Betäubung dahin, die sie nie recht zur Besinnung kommen läßt. In den guten Tagen denken sie nie an schlimme Zeiten....“

Städtischer Eigennutz

Der Gründung des Geldinstituts lag aber auch ein gerüttelt Maß städtischen Eigennutzes zugrunde. In der Chronik zum 150. Geburtstag der Kreis-und Stadtsparkasse Münden heißt es dazu: Die Kommunen erkannten nämlich „den bedeutenden Nutzen, welcher den Gemeindeverwaltungen dadurch entstehe, daß die Ausgaben für die gesetzliche Armenpflege sich verringern würden, indem Unbemittelten Gelegenheit gegeben werde, sich aus eigener Kraft ein Kapital zur Gründung einer Existenz oder als Notgroschen für Krankheitsfälle und das Alter zu sammeln.“ Wer einen Betrieb gründen wollte, brauchte Geld und wandte sich zwecks Kredit an die Sparkasse. Geld zu borgen - gegen Zinsen versteht sich - dem fühlt sich die Sparkasse nach wie vor verpflichtet.

Machen wir einen Zeitsprung. Die Not der Nachkriegsjahre bekamen die Kunden zu spüren. Ihre Guthaben wurden durch die Währungsreform vom 20. Juni 1948 im Verhältnis 10:1 abgewertet. Das zwang auch die Sparkasse zum völligen Neubeginn. Der Start glückte, die Bilanzsumme verdoppelte sich binnen drei Jahren - von 14 Millionen DM im Jahr 1955 auf 28,3 Mio. im Jahr 1958. Die Sparkasse hortete das Geld nicht, sondern borgte Kommunen Geld zum Bau von Straßen und Schulen sowie Unternehmen zum Bau von Wohnungen. Denn diese fehlten in der Nachkriegszeit.

Immer mehr Kunden richteten Sparkonten ein, das sogenannte Kleinsparen war beliebt. Schüler sparten, Sparvereine wurden gegründet, das Prämiensparen lockte. Eine Sparkasse muss Gewinne machen, sonst wird sie nicht überleben. Dass das Geldinstitut aber einen öffentlichen Auftrag hat, daran erinnert die gesetzliche Vorschrift, einen Teil des erwirtschafteten Jahresüberschusses für gemeinnützige Zwecke zu verwenden. (kri)

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