Regentschaftsrat der hessischen Stände

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1504 erkrankte Landgraf Wilhelm II. wie sein älterer Bruder an Syphilis und übertrug 1506 die Vormundschaft über seine beiden Kinder Elisabeth und Philipp, seinen geisteskranken Bruder Wilhelm, dessen Ehefrau und über seine eigene Gattin Anna testamentarisch einem aus fünf adeligen Mitgliedern bestehenden Regentschaftsrat, der ihn bereits seit dem Ausbruch seiner Krankheit vertrat und sich um die Regierungsgeschäfte kümmerte.

Zwei Jahre später änderte er jedoch sein Testament und setzte seine Ehefrau Anna und einen bischöflichen Onkel als Vormünder ein. Da der Onkel noch im gleichen Jahr starb, oblagen Vormundschaft und Regierungsgeschäfte ausschließlich seiner Gattin. Das wiederum brachte die Landstände und die bis dahin an der Regierung beteiligten Räte gegen sie auf. So waren die folgenden Jahre geprägt von rechtlichen Auseinandersetzungen darüber, wer denn nun rechtmäßiger Vormund und Regent sei.

Für Anna schien alles verloren, als die Landstände 1509 das zweite Testament ihres Gatten offiziell nicht anerkannten. Der Regentschaftsrat hatte zunächst obsiegt.

Quelle:

  • Uwe Feldner: Stadt-LEXIKON - (Fast) alles über KASSEL, erschienen im Herkules Verlag

Hintergrund

Die Landstände der Landgrafschaft Hessen bestanden seit dem Mittelalter und endeten formal erst mit dem Reichsdeputationshauptschluss, faktisch aber mit der Teilung der Landgrafschaft nach dem Tod von Landgraf Philipp I. von Hessen. Zuvor gelang ihnen im Vormundschaftskonflikt eine umfassende Machterweiterung.

Der Vormundschaftskonflikt entstand nach dem Tod von Landgraf Wilhelm II.. Im Jahre 1509 kam es zwischen seiner Ehefrau, Landgräfin Anna und den hessischen Ständen zu einer Auseinandersetzung. Während der Landgraf in einem ersten Testament (aus 1506) fünf Räten die Vormundschaft über seine Kinder Elisabeth und Philipp sowie seine Gemahlin übertragen hatte, wurde von Anna ein zweites Testament (aus 1508) vorgelegt, das keine Anerkennung fand. In dem zweiten Testament hatte Wilhelm II. seine Ehefrau Anna und einen bischöflichen Onkel als Vormünder eingesetzt. Da der Onkel noch im gleichen Jahr starb, hätten Vormundschaft und Regierungsgeschäfte ausschließlich seiner Gattin oblegen. Das wiederum brachte die Landstände und die bis dahin an der Regierung beteiligten Räte gegen sie auf. So waren die folgenden Jahre geprägt von rechtlichen Auseinandersetzungen darüber, wer denn nun rechtmäßiger Vormund und Regent sei (1509-1514: Regentschaftsrat der hessischen Stände).

Trotz der für sie ungünstigen Entscheidung der Landstände stritt Anna auch in den Folgejahren weiter um ihr Recht und ihren Regentschaftsanspruch . Da kam es ihr sehr entgegen, dass die Regentschaftsräte untereinander zerstritten und einige Ritter und Städte mit der Politik des Rates nicht länger einverstanden waren. Mit deren Unterstützung und mit stiller Duldung des Kaisers gelang es Anna 1514, ihren Herrschaftsanspruch und ihren Anspruch auf Vormundschaft über ihre minderjährigen Kinder durchzusetzen.

Im Jahr 1518 erklärte Kaiser Maximilian ihren Sohn Philipp für volljährig. Bis dahin regierte Landgräfin Anna in Hessen, ohne offiziell dafür legitimiert worden zu sein.

siehe auch

Weblinks