Johannes Jeep

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Lieder mitten aus dem Herzen

Vorspann: Kenner schätzen Johannes Jeep als originellen Komponisten

Johannes Jeep: Musiker, Komponist und Kupferstecher. FOTO: SAMMLUNG HARTUNG/NH

Als die Dransfelder vor 22 Jahren den 400. Geburtstag von Johannes Jeep feierten, war Friedel Rehkop aus dem Häuschen: Der Dransfelder Chronist startete nicht nur eine Reise durch Archive der Republik, er gab auch eine Festschrift heraus und rief die Gaußturmstadt auf, die örtliche Schule nach dem Musiker zu benennen und nicht weit entfernt von der Ortsdurchfahrt ans Johannes-Jeep-Straßenschild eine Zusatztafel zu montieren: Musiker, Komponist und Kupferstecher (1582 - 1644) sollte darauf stehen. Noch mehr könnten die Kirchengemeinden in diesen Tagen den gebürtigen Dransfelder feiern: mit dem Musizieren von Psalmen, Choralsätzen und Gesängen dieses vortrefflichen Organisten.

Die Wahl des Größten aus dem Altkreis Münden ist ein schwieriges Unterfangen. Welcher Maßstab soll etwa bei einem Vergleich zwischen dem Bildhauer Gustav Eberlein und Johannes Jeep gelten? Beide wirkten im Ausland: Eberlein schuf in Argentinien eine monumentale Skulptur Jeep reiste als einer der ersten deutschen Musiker nach Italien und sammelte Anregungen. Beide Künstler aber verfolgten zeitversetzt verschiedene Ziele. Der eine in der Kunst, der andere in der Musik. Jeep-Kenner begeisterten sich für die Werkvielfalt: Neben geistlicher Musik schuf Jeep mit seinem Studentengärtlein originelle Lieder, die Stimmungen des menschlichen Herzens wiedergeben. Zu seinen in weiten Teilen verschollenen Werken gehören auch ein Andächtiges Betbüchlein, ein Hochzeitsgesang und Madrigale. Heimatforscher schätzen Jeep auch für seine Kupferstiche. Einer von etwa 1620 zeigt die Stadt Dransfeld mit ihren Stadtmauern. Friedel Rehkop stellt in seiner Festschrift den Dransfelder Sohn gar als Dichter vor: er habe während des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) verschiedene Ereignisse geschildert. In Dransfeld geboren, in Hanau gestorben solche Lebensdaten zeigen für die Zeit vor 400 Jahren bereits ein bewegtes Leben an.

Seine frühe Jugend verbrachte Jeep vermutlich in Dransfeld und Hann. Münden. Beiden Orten sind Kompositionen gewidmet. Seine Eltern schickten den tüchtigen Sohn auf die Lateinschule in Göttingen. Kurze Zeit später stieg er für gut vier Jahre als Sängerknabe in die Celler Hofkapelle ein. Für die Zeit danach ist sein Lebenslauf nur lückenhaft nachvollziehbar. Bald nach 1600 soll es Jeep in die Nürnberger Gegend verschlagen haben. Ob er dort Student, Hilfslehrer oder Organist war, geht aus den Dokumenten nicht hervor.

Möglicherweise ist der gebürtige Dransfelder in großen Teilen Autodidakt gewesen. Auf jeden Fall aber erkannten Zeitgenossen seine großen Qualitäten: 1613 wird er an den Hof der Grafen zu Hohenlohe nach Weikersheim berufen, wo er nach seinen eigenen Worten als Hofkapellmeister und Organist vor Königen und Kurfürsten in angesehener Stellung wirkte. Um 1635 übernahm Jeep für ein Jahr das Organistenamt am Frankfurter Dom. Zwei Jahre später tritt er in Frankfurt eine Musikerstelle an. Den durch den Dreißigjährigen Krieg erschwerten Verhältnissen am Main schien er aber nicht lange gewachsen zu sein. Immer wieder litt Jeep an Wechselfieber. Der Stadtrat sah sich hinter seinem Rücken nach einem Nachfolger um und kündigte ihm die Stellung. Der Komponist, Musiker und Kupferstecher ging nach Hanau, wo ihn Johann Ernst, der letzte Graf aus dem Hause Hanau-Münzenberg, 1642 als Kapellmeister an seinen Hof berief. Zwei Jahre später stirbt der Musiker. (LGR)

Literatur:

  • Brennecke, Wilfried: Jeep. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Band 6). Kassel 1989;
  • Rehkop, Friedel (Herausgeber): Johannes Jeep. 400-Jahrfeier. Dransfeld 1982.

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