Johann Joachim Quantz (1697 - 1773)

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Der Paukenschlag des Flötisten

Vorspann: Johann Joachim Quantz - Musiker, Komponist, Autor und Berater des Königs

Johann Joachim Quantz (1697 - 1773).FOTO: SAMMLUNG HARTUNG
In Scheden: Johann Joachim Quantz (1697-1773)

Er war ein Tausendsassa. Als Flötenlehrer Friedrich des Großen erlangte Johann Joachim Quantz Ruhm. Doch die Genialität des in Scheden geborenen Musikers trieb noch weitere Blüten. Er verfasste ein Lehrbuch, das für nachfolgende Generationen, die das Spiel auf der Querflöte lernten, das Standardwerk schlechthin werden sollte. Er komponierte an die 300 Konzerte, außerdem zahlreiche Suiten, Sonaten und Kammermusik. Er kann als Multiinstrumentalist bezeichnet werden: Neben der Querflöte beherrschte er alle gängigen Instrumente, darunter Violine, Oboe, Trompete, Posaune, Fagott, Gambe, Kontrabass und Klavier. Johann Joachim Quantz wurde im Januar 1697 in der Dorfschmiede geboren. Er war fünf Jahre alt, als seine Mutter starb. Der Tod des Vaters brachte die Wende im Leben des damals Elfjährigen. Mit dem Schicksalsschlag war die für ihn geplante Zukunft als Hufschmied beendet. Die Liebe zur Musik sollte von nun an für den jungen Schedener lebensbestimmend werden. Sein Onkel, der Merseburger Stadtmusikus, übernahm jetzt Erziehung und Ausbildung des Jungen. Fünf Jahre ging der Neffe bei ihm in die Lehre. Bereits als 21-Jähriger hatte Quantz sein erstes Engagement. Am Dresdener Hof August des Starken verdingte er sich als Oboist in der Hofkapelle. In dem jungen Musiker erwachte langsam das Interesse an der Querflöte (Flute traversière). Der renommierte Lehrer Buffardin unterrichtete das Talent. Reisen führten Quantz durch ganz Europa. Auf seinen Fahrten schloss er Bekanntschaft mit den großen Musikern seiner Zeit. Er traf in London auf Georg Friedrich Händel, war aber am stärksten von Antonio Vivaldi beeindruckt. Diese Komponisten wie auch andere schrieben für Quantz, der sich nun vollständig der Querflöte widmete, Stücke. Sie wollten den Musiker mit Aufträgen halten. Doch der junge Mann verfolgte seine eigenen Ziele. Er kehrte zurück nach Dresden. Als der preußische Kronprinz Friedrich gemeinsam mit seinem Vater im Februar 1728 ein Konzert von Quantz verfolgt, möchte er das Flötenspiel erlernen. Sein Vater, der Soldatenkönig, bezeichnet diesen Wunsch als weibisch, nennt seinen Sohn spöttisch Querpfeifer und Poet. Als Friedrich II. nach dem Tod seines Vaters die Thronfolge antritt, wechselt Johann Joachim Quantz ans Potsdamer Schloss Sanssouci, wo er dem Monarchen zunächst als Flötenlehrer, später auch als einer seiner engsten Vertrauten beiseite steht. Bald beginnt Quantz sich auch handwerklich auszuprobieren, er baut Flöten und verbessert das damals hölzerne Instrument mechanisch. Eine seiner Erfindungen ist die Pfropfschraube. In der Komposition zählt er zu den Urhebern des gemischten Stils, in dem sich italienische, französische und deutsche Elemente verbinden. Hier beeinflusste ihn vermutlich der Kontakt zu den Künstlern seiner Zeit. Allein für den König schrieb Quantz an die 200 Flötenkonzerte. In den Augen seiner Nachwelt gelang dem Musiker aber ein weitaus größerer Paukenschlag. Denn sein Buch aus dem Jahre 1752 Versuch einer Anweisung die Flöte traversière zu spielen hat ganze Querflöten-Generationen geprägt. Noch heute wird das dicke Werk in seiner Bedeutung hoch geschätzt. In ihm erfährt der Schüler alles über die Technik, den richtigen Ansatz des Instruments, selbst Flötenverzierungen sind in ihm abgebildet. Quantz stirbt am 12. Juli 1773 in Potsdam. Der Alte Fritz gibt bei einem Künstler für seinen langjährigen Freund ein Grabdenkmal in Auftrag. In seinem Geburtsort Scheden ehren ihn die Menschen mit einer Bronzeskulptur. Jüngste Form der Ehrerbietung ist ein Museum in der St. Markuskirche, in dem eine Dauerausstellung über Leben und Werk Johann Joachim Quantz berichtet. (ANT) Quelle: Gottfried Mehr, 950 Jahre Scheden

Wussten Sie schon, dass ... ?

  • ... die Vorfahren des Flötenmeisters Friedrich II., Johann Quantz, aus dem im Edersee versunkenen Dorf Bringhausen stammen? Johann Quantz war ein Enkel des Hufschmieds Zacharias Quantz, der 1624 in Bringhausen geboren wurde und nach Oberscheden auswanderte. Dort kam 1697 Johann Quantz auf die Welt.
    August Bollerhey, Wehren