Jörg Berger

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Jörg Berger

Jörg Berger (* 13. Oktober 1944 in Gotenhafen, Polen; † 23. Juni 2010 in Duisburg) war als Fußballtrainer auch beim KSV Hessen Kassel tätig.

Berger, der als erfolgreicher Jugendtrainer der DDR mit seiner spektakulären Flucht in den Westen 1979 für Schlagzeilen sorgte, profilierte sich im Laufe seiner Karriere in Zweit- und Bundesliga als ,,Feuerwehrmann“, der Mannschaften - gerade im Abstiegskampf - erfolgreich motivieren konnte.

In Nordhessen allerdings blieb Jörg Berger der große Wurf verwehrt. Gleich zweimal hintereinander scheiterte er in den Jahren 1984/85 mit dem KSV Hessen Kassel als Tabellenvierter denkbar knapp am Bundesliga-Aufstieg. In dieser Zeit musste der bei den Fans beliebte Trainer zwei sportliche Tiefschläge einstecken. Am 9. Juni 1985 fuhr der KSV als Spitzenreiter nach Nürnberg, um dort vom Verfolger im letzten Spiel mit 0:2 aus dem Aufstiegsrennen katapultiert zu werden. Am 3. Januar 1986 endete Bergers Zeit in Kassel abrupt. Knall auf Fall gaben der Löwen-Vorstand um Peter Meyer-Tonndorf dem Trainer den Laufpass, der von seinem Rauswurf im Skiurlaub durch die Presse erfuhr. ,,Das ist einfach schlechter Stil“, urteilte Berger, ehe er seine Koffer packte, um beim Erstligisten Hannover 96 anzuheuern.

Turbulent ging es im Leben des in den Kriegswirren am 13. Oktober 1944 in Gotenhafen (heute Gdingen/Gdynia) geborenen Jörg Berger häufig zu. Der als Nachfolger von DDR-Auswahltrainer Buschner gehandelte Jugendcoach geriet nach seiner Flucht in den Westen ins Visier der DDR-Staatssicherheit, die in seiner Kasseler Zeit sogar einen Giftanschlag auf Berger verübte. Das erfuhr dieser nach dem Mauerfall durch das Studium seiner Stasi-Akten, in denen Berger außerdem lesen konnte, dass ihn zwei seiner Freunde, darunter Auswahltrainer Bernd Stange, verraten hatten.

Nach seiner ersten Cheftrainerstelle beim FC Darmstadt 98 (1979) trainierte Berger zahlreiche Profiklubs, darunter die Erstligisten Fortuna Düsseldorf, Hannover 96, 1. FC Köln und Schalke 04, mit dem er 1996 die Vizemeisterschaft errang.

Sein Husarenstück als Retter lieferte Jörg Berger bei der Frankfurter Eintracht ab. Mit den Adlerträgern 1990 bereits Vizemeister ging es am letzten Spieltag der Saison 98/99 um den Klassenhalt, der mit dem seinsationellen 5:1 über Kaiserlautern tatsächlich noch geschafft wurde. ,,Jörg Berger hätte sogar die Titanic gerettet“, rief Torschütze Jan-Age Fjörtoft damals inmitten des Siegestaumels aus.

Auch wenn Jörg Berger im Laufe seiner Karriere viele sportliche Probleme erfolgreich zu lösen vermochte, sein persönliches Schicksal war unabwendbar. 2002, er war Trainer in Aachen, wurde bei ihm ein Darmtumor diagnostiziert. Nach drei Operationen und mehreren Chemotherapien übernahm Berger im Mai 2009 sogar noch einmal das Traineramt beim Abstiegskandidaten Arminia Bielefeld, ohne allerdings die Ostwestfalen vor dem Absturz retten zu können.

Mit dem Tod von Jörg Berger endet ein bewegtes Leben, das der Fußballlehrer in seiner Biografie ,,Meine zwei Halbzeiten - ein Leben in Ost und West“ beim Rowohlt-Verlag veröffentlichte, der gestern auch die traurige Nachricht vom Ableben verbreitete. Berger hinterlässt seine Ehefrau und Zwillingstöchter sowie einen Sohn aus erster Ehe. ,,Man muss alles Negative beiseite schieben. Ich wollte mich von Anfang an nicht ständig mit dem Krebs beschäftigen; sondern nach vorn schauen. Das habe ich im Sport gelernt: Ich muss verdrängen können, um den nächsten Schritt zu machen“, gab sich Motivationskünstler Berger bis zum Schluss hoffnungsvoll. Eine Hoffnung, die sich leider nicht erfüllte.