Herkules (Herakles)

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Beschützer, der jederzeit zur Keule greifen kann

Herkulesstatue
Herkules ist der lateinische Name für den griechischen Halbgott Herakles. Der Sage nach war Herakles der Sohn des Zeus und der Alkmene. Sein Name steht in Beziehung zu der Zeus-Gattin Hera, die den Sohn der Alkmene vernichten wollte. Doch bereits als Neugeborener hatte Herakles so viel Kraft, dass er die von Hera gesandten Schlangen erwürgen konnte.

Berühmt wurde Herakles durch seine List und Stärke, die er bei der Erledigung seiner zwölf Aufgaben unter Beweis stellen konnte. Er überwand Ungeheuer und sorgte für Ordnung (Reinigung des Augias-Stalls). Aber er war nicht nur ein Kraftprotz, sondern auch ein Tugendheld. Denn am Scheideweg entschied er sich gegen den bequemen und für den schwierigen Pfad der Tugend. Eben diese ideal scheinende Verbindung von schier unüberwindlicher Kraft und und tugendhafter Gesinnung ließ den Halbgott Herakles zu der Gestalt werden, als die sich weltliche Herrscher gern verkörpert sahen. Daher wurden seit der griechischen Antike Herakles und seine Taten unzählige Male in Vasen, in Reliefs und Skulpturen dargestellt.

Die berühmteste Fassung, die auch die Vorlage für Kassel lieferte, stammt von dem griechischen Bildhauer Lysipp. Er soll seine knapp drei Meter große Kolossalfigur um 320 v. Chr. geschaffen haben. Zu sehen ist ein vor Kraft strotzender Held, der sich nach getaner Arbeit ausruht. Er stützt sich auf seine Keule, über die er das Fell des von ihm besiegten Löwen gehängt hat. Sein linker Arm hängt lässig über der Keule. Seine rechte Hand hat er hinter den Rücken gestreckt. In ihr liegen die drei goldenen Äpfel, die ein Hochzeitsgeschenk an Zeus und Hera waren und die Herakles von den Hesperiden zurückgeholt hat Das griechische Original dieser Figur ist nicht erhalten. Überliefert ist aber die römische Kopie, die nach ihrem Aufstellungsort in Rom Herkules Farnese genannt wird. Gleich zwei Fassungen dieses Herkules Farnese waren 1546 zufällig in den Caracalla-Thermen gefunden worden, als man bei Abbrucharbeiten Baumaterialien für den Petersdom gewinnen wollte. Papst Paul III. ließ die beiden Kolossalfiguren in der Hofloggia des Palazzo Farnese aufstellen, wo sie zu Attraktionen für die Besucher wurden.

Auch Landgraf Karl, der 1699/1700 nach Italien reiste, um Anregungen für den geplanten Bergpark zu sammeln, schaute sich am ersten Tag seines Rom-Besuchs den Herkules Farnese an und war gewiss überwältigt. Die Entscheidung, den Bergpark und das Oktogonschloss oben auf der Höhe mit einem dreifach vergrößerten Herkules zu krönen, fiel aber erst 13 Jahre später.

Ein Landgraf, der eine solche Gestalt eine ganze Landschaft überragen lässt, verfolgt natürlich einen eindeutigen Zweck. Ohne sich selbst an die Stelle des kraftvollen Halbgotts zu setzen, sieht er sich in der Gestalt sinnbildlich verkörpert als siegreicher und tugendhafter Held. Der sich ausruhende Herkules wirkt mit seinem nach unten geneigten Kopf leicht melancholisch, keinesfalls triumphierend. Man kann ihn als pausierenden Beschützer ansehen, aber auch als Mahnung und Bedrohung, denn jederzeit kann er wieder zur Keule greifen.

Die Kasseler, die die antike Sagenwelt nicht kannten, sahen in der Kraftgestalt eine Art biblischen Christopherus, weshalb der Herkules oft Christoph genannt wurde. Nach der Aufstellung der aus Kupfer getriebenen 9,20 Meter hohen Figur wurde das gesamte Figurenprogramm der Wasserspiele und Grotten unterhalb des Oktogons auf den Herkules bezogen. Das Oktogon ist ohne Figur 63 Meter hoch. Der 1,55 Meter hohe Kopf des Herkules erreicht die Höhe von 596 Metern über dem Meeresspiegel.