Gerhard Fieseler

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Gerhard Fieseler lernte das Fliegen als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg. Nach Kassel kam er 1926 als 30-Jähriger und fing bei der Flugzeug-Baufirma Raab-Katzenstein als Fluglehrer an. Er entwarf ein eigenes Kunstflugzeug, das in Kassel gebaut wurde, die Fieseler F1. Als Kunstflieger verdiente er pro Auftritt 5000 Mark und im Ausland teilweise noch deutlich mehr. Als Raab-Katzenstein 1930 Bankrott machte, kaufte er die Firma.

1934 feierte Gerhard Fieseler seinen größten Erfolg. In Paris wurde er der erste Weltmeister im Kunstflug. Bei diesem Wettkampf kamen zwei Flieger ums Leben. Fieseler gab deshalb den Kunstflug auf.

Wegen seiner NS-Vergangenheit war Fieseler nach dem Krieg ein halbes Jahr interniert und musste sich vor Gericht verantworten. Das Verfahren wurde ohne Ergebnis eingestellt, Fieseler galt als entlastet. 1950 versuchte er einen neuen Firmenstart, schloss den Betrieb aber sieben Jahre später.

Nach einer Kehlkopfoperation zog er sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Sein Vermögen brachte er 1980 in die Gerhard-Fieseler-Stiftung ein, die bis heute gemeinnützige Institutionen unterstützt. Fieseler starb 1987 im Alter von 91 Jahren.

Die Faszination Fieseler

Bahnhofshalle des Kasseler Kulturbahnhofs mit Fieseler Storch (2005)
Der Fieseler Storch wird im Caldener Flughafen vorgestellt (2012)

Werner Kossin und Karl-Heinz Roth arbeiten an Film über den Kunstflugweltmeister

Sie hatten Einblick in die Schatzkammer der Fieseler-Stiftung, sie interviewten Zeitzeugen und sichteten jede Menge Dokumente. Seit über einem Jahr bestimmt die Fliegerlegende Gerhard Fieseler den Alltag von Werner Kossin (66) und Karl-Heinz Roth. Die beiden Amateurfilmer sind ein eingespieltes Team, das sich als Chronisten der Kasseler Lokalhistorie einen Namen gemacht hat. Im November soll der neue Film fertig werden.

Die Berichte der Zeitzeugen, die sich nach dem Aufruf in der HNA meldeten, zeichnen ein Bild Gerhard Fieselers, das bislang so nicht bekannt war. Immer wieder wird das gute Betriebsklima gelobt. Ehemalige Mitarbeiter erinnern sich an Ausflüge der Belegschaft mit dem Dampfer Elsa, gemeinsame Feste, an den Betriebskindergarten, die eigene Krankenkasse oder die Gesundheitshäuser in den drei großen Werken an der Lilienthalstraße, in Waldau und Lohfelden.

Und das in einer Rüstungsschmiede, in der tausende von Zwangsarbeitern schufteten? "Wir haben Zeitzeugen befragt und diese Antworten bekommen", sagt Werner Kossin.

Sie sind ein Mosaikstein im Bild. Allein die Produktionszahlen belegten, dass der Druck auf die Arbeiter bei Fieseler immer größer geworden sein muss. 1941 wurden in den Werken 500 Flugzeuge produziert. Trotz erheblicher Schäden durch die Luftangriffe der Engländer und Amerikaner verließen im letzten Kriegsjahr 1146 Flugzeuge die mittlerweile auf 65 Standorte verteilten Werkshallen. Zu diesem Zeitpunkt war Gerhard Fieseler als Firmenchef längst entmachtet. Er hatte die immer höher geschraubten Produktionszahlen nicht erreicht und wurde abgesetzt.

In seiner Villa an der Kurhausstraße in Bad Wilhelmshöhe haben Fieselers private Fotos den Krieg überstanden. Karl-Heinz Roth und Werner Kossin durften sie für ihren Film auswerten. Vom Händeschütteln des Kunstflugweltmeisters mit dem berühmten Schauspieler Heinz Rühmann, Testflügen mit dem Storch bis zu Aufnahmen von der Zerstörung der Werke in Kassel und Lohfelden. Wenn der Film fertig ist, werden wir einen Teil davon in der HNA veröffentlichen.

Die beiden Hobbyfilmer geben ihn zum Selbstkostenpreis auf Video oder DVD weiter. Kontakt unter Tel. 24 69 8 und 51 63 64.

Von Thomas Siemon / HNA vom 3.10.2006

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