Emmauskapelle Hatzfeld

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Die Hatzfelder Emmauskapelle. Foto: Klaus Jungheim (Copyright: HNA)

Im Jahr 1686 war die Orgel, die heute in der Hatzfelder Emmauskapelle steht, von dem Orgelbauer Conrad Schmidt aus Kirdorf zunächst für die Pfarrkirche des Ederstädtchens erworben worden. Ihren eigentlichen Namen erhielt sie aber durch den Orgel-Baumeister Johann Christian Rindt (geboren 1672 in Hatzfeld, gestorben 1744 in Schönstadt). Er renovierte diese Orgel im Jahr 1706 eingehend. 1870 wurde die nach ihm benannte Rindt-Orgel in der Emmauskapelle aufgestellt, die sich auf dem Friedhof befindet. Die Rindt-Orgel wurde von Gerald Woehl 1984 umfassend und originalgetreu restauriert. Sie ist die älteste noch klingende Orgel Nordhessens und mit ihrem reich verzierten barocken Orgelprospekt ein überaus sehens- und hörenswertes Instrument.

Namhafte Künstler aus der Bundesrepublik Deutschland und dem Ausland werden zu Konzerten in der Emmauskapelle verpflichtet. Die Emmauskapelle hat sich als Torso einer ursprünglichen dreischiffigen Basilika mit vorspringendem Rechteckchor (vielleicht auch Chorturm) in ihren romanischen Bauformen bis heute rein erhalten. Ursprünglich als Dorfkirche des im 30-jährigen Krieg verwüsteten Dorfes Niederhatzfeld St.Cyriacus geweiht, dient sie den Hatzfeldern seit Generationen als Friedhofskapelle. Wann sie den Namen Emmauskapelle erhielt, ist nicht bekannt, vermutlich nach ihrer Instandsetzung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch an der Kenntnis genauer Daten ihrer Erbauung und Renovierung fehlt es bis heute.

Zwischenzeitlich kann davon ausgegangen werden, dass für die Zeit um 1200 der Hof bzw. die Siedlung Niederhatzfeld eine größere Bedeutung besaß. Die Herren von Hatzfeld sind wohl auch als die Gründer bzw. Stifter der Kirche anzusehen (Eigenkirche), deren Patronat sie besaßen. Als Baudenkmal und als historisches Zeugnis der alten Siedlung Hatzfeld fällt der Emmauskapelle heute eine besondere Bedeutung zu. Wie es um die gesellschaftliche Situation in Hatzfeld um die Zeit der Rindt-Orgel-Renovierung und danach bestellt war, darüber geben die geschichtlichen Hatzfelder Hefte ausführlich Auskunft: Über die Reparatur des Pfarrhauses sowie der Stadt- und der Totenkirche finden sich zahlreiche Angaben in den erhaltenen Archivalien für das 18.Jahrhundert.

Bereits 1712 teilt der Bürgermeister der Regierung in Gießen mit, dass das Pfarrhaus sich in einem sehr schlechten und bedauernswerten Zustand befinde. Der Pfarrer könne nur unter großer Gefahr in dem Hause wohnen. Auch der Superintendent vertrat die Auffassung, dass ein neues Pfarrhaus gebaut werden müsse. Die Stadt bittet daher die Regierung um Genehmigung, aus den fürstlichen Waldungen Bauholz beziehen zu dürfen. Aus einem Bericht von 1735 geht hervor, dass sich beide Kirchen, also die Stadt- und die Totenkirche, in einem ganz baufälligen Zustand befänden. Man müsse unbedingt die Baumängel abstellen, denn falls solche nicht bald repariret werden, die gänzliche Niederfallung zu befürchten sei". Mehrfach bittet die Stadt die Regierung um Bewilligung einer Kollekte. Erst am 30.Oktober 1739, also vier Jahre nach dem gestellten Gesuch, wird die Genehmigung zur Erhebung einer Kollekte erteilt. Auch in den Jahren 1774-1776 geben die Archivalien Auskunft über rege Baumaßnahmen an den Kirchen- und Schulgebäuden der Stadt.

Die für das 18. Jahrhundert vorliegenden Akten über Anstellung und Besoldung des Lehrers zeigen den Kampf des Lehrers um eine gerechtere Besoldung, zumal die Tätigkeit des Lehrers sich nicht nur auf die Erteilung des Unterrichts erstreckte. Lehrer Johann Jost Löber schildert im Brief vom 9. Mai 1737, mit dem er um Erhöhung seiner Besoldung bittet, deutlich, dass er außer dem Schulunterricht den Organistendienst noch zu versehen habe. Außerdem müsse er, wenn Pfarrer Müller es verlange, diesen beim Predigtdienst vertreten. Die von den Lehrern nachgesuchten Besoldungserhöhungen wurden fast ausnahmslos bewilligt. Von 1769-1774 berichten die Akten über beträchtliche Auseinandersetzungen um die Besoldung der Rektorstelle. Die jährlichen Einkünfte betrugen 26 Gulden und fünf Albus.

Rektor Lyncker stellt am 13. 9. 1774 an den Geheimen Rat und das Konsistorium ein Gesuch um Besoldungserhöhung von zehn Gulden aus dem geistlichen Landkasten. Das Gutachten von Pfarrer Kolb lautet: Die Hatzfelder Schulbesoldung ist mager und schlecht und reicht nicht zur Besorgung. Bei diesen Umständen wäre demnach dem untertänigsten Supplikanten wohl zu gönnen eine Erhöhung, so wie bereits am 19. 9. 1768 schon beantragt. Nachdem bereits der Vorgänger Lynckers, Rektor Löber, schon um eine Besoldungserhöhung gebeten hatte, wurde dem Gesuch stattgegeben.

Von Klaus Jungheim (HNA-Serie Unsere Kirchen)