Dilichstraße (Korbach)

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Eine vorbildhafte Stadtansicht

Die Dilichstraße heißt nach einem bekannten Kupferstecher. Er schuf eine erste detailreiche Ansicht von Korbach. Nikolai- und Kilianskirche sind darauf in ursprünglicher Form zu sehen.

Am 21. August 1986 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, eine der Straßen im Neubauviertel jenseits des Südrings, heute von den Korbachern als Flugplatzdorf bezeichnet, nach dem bekannten Kupferstecher Dilich zu benennen. Dilich hieß eigentlich Wilhelm Scheffern. Ihm haben wir eine erste, differenzierte bildliche Darstellung der Stadt Korbach zu verdanken. Dieser Kupferstich ist Teil seiner Hessischen Chronica, die bei Wilhelm Wessel in Kassel gedruckt wurde und 1606 erschien.

Dilich bietet uns eine Ansicht der Stadt vom Waldecker Berg aus. Die Türme der beiden Stadtkirchen sind stark überhöht dargestellt. Bei St. Nikolai ist der damals noch vorhandene Umgang unterhalb des Daches deutlich zu erkennen. Er wurde 1725 wegen Baufälligkeit abgenommen. St. Kilian hat noch ein spitzes Turmdach. Die Südseite des Kirchenschiffs weist die ursprüngliche Gliederung auf. Zu sehen sind auch die Dachreiter der Klosterkirche und des Rathauses. Hinter der Stadtmauer mit ihren zahlreichen Verteidigungstürmen sieht man die Dächer der Bürgerhäuser.

Im Hintergrund sind die Uplandberge zu erkennen. Über den ganz links im Bild erscheinenden Eisenberg gibt der Begleittext Auskunft. Bey Cörbach ligt auff einem hohen berge das schloß Eisenberg, welches Josias Graff zu Waldeck mit schönen gebewen vermehret und fast von newen auffgerichtet. Der berg, darauff das schloss steht ist reich an ertz und hat man auch vor kurtzen Jahren goltgruben daselbsten gebawet. Natürlich fehlt auch der gräfliche Galgen auf dem benachbarten Klusenberg nicht. Später erschienen Kupferstiche mit der Korbacher Stadtansicht in Daniel Meissners Politischem Schatzkästlein (1626) und in Matthäus Merians Topographia Hassiae (1646). Beide benutzten den Stich Dilichs als Vorlage. Das Andenken auch dieser beiden Kupferstecher wird in Korbach durch nach ihnen benannte Straßen bewahrt.

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße).

Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.