Bergkirche Thalitter

Aus Regiowiki
(Weitergeleitet von Bergkirche von Thalitter)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bergkirche in Thalitter

An die Bergbaugeschichte von Thalitter erinnert auch die Bergkirche, die - erhöht am Berghang an der Straße nach Obernburg/ Hof Lauterbach (auf der Grundlage der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten mittelalterlichen Bartholomäuskapelle der Herrn von Itter) - in der Zeit um 1715/ 16 durch die Berggewerkschaft und Knappschaft für die Bergleute in Thalitter und den umliegenden Orten errichtet wurde.

Geschichte

Aus der Geschichte der Bergkirche

In den Jahren zwischen 1710 und 1868 wurde am Ort Kupferbergbau mit einer eigenen Kupferhütte betrieben. Davon zeugt auch das dreigeschossige Fachwerkhaus (das "Große Haus"), das im 18. und 19. Jahrhundert als Sitz des Berginspektors diente.

Anstelle des alten entstand ab 1715 ein neues Kirchenschiff und 1723 der Anbau des Altarraums, nachdem der Unterbau des gotischen Westturms schon in den Jahren 1660 - 63 einen verschieferten Aufbau erhalten hatte. [1]

Die Frankenberger Allgemeine veröffentlichte am Samstag, 23 November 1968, folgenden Artikel:

Fromme Bergleute gruben nach Kupfer

Thalitter Bergwerk vor 100 Jahren stillgelegt

Thalitter. Ein dunkelgrauer Schiefermantel umschließt den Turm der Bergkirche von Thalitter, deren Glocken vor 250 Jahren noch täglich die Bergleute des Kupferbergwerkes zum Gebet riefen, ehe die Arbeit unter Tage begann. Die Gefahren in den Stollen, die ständige Bedrohung durch Unfall und Tod, aber auch der Dank der Bergleute für den Reichtum, der in der Erde gewachsen war, bestimmten ihre Frömmigkeit und ihr Fühlen. Die kleine Bergwerkskirche ist heute eines der wenigen Zeugnisse aus jener Zeit.

Urkunden, Inschriften, Gedenkmünzen und ein eigenes Gesangbuch berichten von dem Glauben und der Zuversicht der Bergleute, Grabsteine und Bilder im Kircheninneren schildern ihren Tod. Vom Aberglauben ist jedoch auch die Rede, von einem rätselhaften "Bergmönch" erzählen die Chroniken, von merkwürdigen Lichtern im Schacht und einer Gestalt mit einem Hundekopf, die zwei Knappen in Schrecken jagte.

Eine Persönlichkeit, die besonders nachhaltig auf das Denken und Tun der Bergleute einwirkte, war der Bergwerksgründer Balthasar Müller, der dem Gotteshaus auch eine Glocke stiftete mit der Inschrift: "Als das itt-rische Bergwerk im Flore war, im siebzehnhundertfünfzehnten Jahr, ließ mich Herr Inspektor Müller gießen, dass ich der Knappschaft thät zu wissen, wie sie hät vor die Seel´ zu wachen und treulich ihre Schicht zu machen. Ein jeder, der mein Schall wird hören, kehr sich von Sünd, leb´ Gott zu Ehren."

700 Lieder und Gebete
Die Bergwerksangehörigen von Thalitter besaßen sogar ein eigenes Gesangbuch, das im Jahr 1722 erschien und 1756 noch einmal in zweiter Auflage gedruckt wurde. Es enthielt über 700 Lieder, Gebete und eine Geschichte des Itterschen Bergwerkes, die von dem Herausgeber des Gesangbuchs, dem Bergsekretär Sebastian Jasche, geschrieben worden war.

Dieser Bergsekretär stürzte am 25. Januar 1734 in den Schacht "Neuer Segen" und wurde unter der Kanzel der Bergkirche von Thalitter beerdigt. Auf der kupfernen Grabplatte stehen die Zeilen: "Ich war in dem Beruf auf meines Gottes Wegen. Da fiel ich in den Schacht, genannt der "Neue Segen". Nun wird hier meinen Leib dies Grab solange bedecken, bis Jesus, Gottes Sohn, vom Tod mich wird auferwecken."

Tödlich verunglückt
Bereits 1716 war in dem Schacht "Bergmannshoffnung" ein Haspelknecht tödlich verunglückt, der als erster auf dem neu angelegten Friedhof in Thalitter beigesetzt wurde. Ein Jahr nach dem Unfall Jasches gab es ein neues Unglück auf der Kupferzeche: Ein Gewitter zog durch das Ittertal, und ein Blitz schlug in das Zechenhaus. Dort hatte sich eine Menschengruppe versammelt und vor dem Regen Schutz gesucht. Zwei Kinder wurden getötet.

Dem Bergwerksgründer Müller war die Frau im Tode vorausgegangen. Sie wurde ebenfalls in der Bergkirche begraben, wie eine große Kupferplatte berichtet, auf der Christus am Kreuz dargestellt ist. "Du musst ein Wanderer, ein kühner Bergmann werden", heißt es in ihrer Inschrift, "der täglich fähret ein in düstern Schoß der Erden. Dann wird dich Tod und Grab im Sterben nicht erschrecken und Jesus sich nebst mich zum Leben auferwecken..."

Seltsame Stimmung
Eine seltsame Stimmung geht von dem großen, in dunklen Farben gehaltenen Ölgemälde aus, das heute an der Seitenwand des Kirchenschiffes hängt. Es ist von Balthasar Müller gestiftet worden und zeigt in seinem oberen Teil Christus am Kreuz, umgeben von Frauen und Kindern. Auf seinem unterem Teil wird seine im Sarg liegende Frau dargestellt, um die herum eine Gruppe von Menschen mit bedrückten Gesichtern steht. "Sie stehen alle hier betrübt und Kummer voll und trösten sich der Stimm, die uns erweckten soll", lauten die beiden letzten Zeilen der dazugehörigen Inschrift.

Am 4. Februar 1867 läuteten die Glocken der Bergkirche von Thalitter mittags um 12 Uhr eine Viertelstunde lang: Die Herrschaft Itter, und damit auch das Bergwerk, war preußisch geworden. Vor hundert Jahren, 1868, wurde es schließlich stillgelegt. Importiertes Kupfer aus dem Ausland hatte die Preise fallen lassen, die Bergleute verloren ihren Arbeitsplatz und wanderten in andere Gebiete ab oder suchten sich einen neuen Beruf. Die Zeit "reichen Segens" aus den Tiefen der Itterberge war vorbei.

siehe auch

Bergkirche in Thalitter

Weblinks, Videos und Quellen

Quellen

  1. Informationen auf www.kirchenkreis-frankenberg.de

Video

Weblinks