Angelgise

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Bedeutung

Erstmalige schriftliche Erwähnung der heutigen nordhessischen Dörfer Kleinenglis und Großenenglis im Jahre 775 im "Breviarium sancti lulli", dem Güterverzeichnis des Kosters Hersfeld unter dem Namen "Angelgise".

Beide Ortschaften haben offensichtlich gemeinsame Wurzeln. Setzt man sich mit dem Wort "Angelgise" auseinander, so ist mit "Angel" oder "Angelus" ein Engel (möglicherweise der Erzengel Michael) gemeint, und "Giese" ist die mittelhochdeutsche Bezeichnung für eine Wohnstätte in der Nähe eines fließenden Gewässers oder eines Baches (Hundsbach). Damit gelangt man sehr schnell in die Zeit des Bonifatius. Dessen frühe Kapellen-/Kirchengründungen waren sehr oft dem Heiligen Michael geweiht. So ist es durchaus realistisch, dass man den Zeitraum um das Jahr 722 als Entstehung des Ortsnamens "Angelgise" annehmen kann, da in dieser Zeit Bonifatius, von Amöneburg kommend, die Gegend um Fritzlar missioniert hat und auf der fränkischen Festung Büraburg seinen Stützpunkt eingerichtet hatte.
1 Der Heilige Michael.jpg


Im Amöneburger Bereich, wo der Missionar erstmals in Hessen,im Jahr 721, in Erscheinung trat, gibt es heute noch einige Michaelskirchen aus damaliger Zeit. Auch die wieder errichtete Kapelle und heutige ev. Kirche in Kleinenglis trägt den Namen des Hl. Michael. Der Name Gise deutet darauf hin, dass es sich offenbar um eine Umwandlung von einer vorchristlichen Kultstätte in eine christliche Kapelle/Kirche handelt,die dem Heiligen Michael geweiht war. Diese Form der Umwandlung taucht immer wieder auf in der Zeit des Bonifatius und scheint daher eine gängige Missionspraxis gewesen zu sein. Die Umwandlung/Neugründung einer Kapelle um 722, die offenbar schon dem heiligen Michael geweiht war, führte zeitgleich auch zur entsprechenden Namensgebung für die Siedlung, in der diese Umwandlung stattfand - Angelgise. In der Folgezeit wurde aus dem lateinischen "Angelus" oder englischen "angel" der deutsche "Engel" und die Siedlung nannte sich "Engelgis" bis zur Teilung in Engelgis-minori (Kleinenglis) und Engelgis-maiori (Großenenglis).

Standortbestimmung

So ist auch die Stelle nachvollziehbar, an der sich die Siedlung "Angelgise" befunden hat, in der das Kloster Hersfeld Besitzungen hatte und diese, bei der Erstellung des klostereigenen Güterverzeichnisses im Jahr 775, auch so, schriftlich erwähnte. Die dabei genannte Örtlichkeit befindet sich in der heutigen Kleinengliser Gemarkung, Flur 3, Flurstücke 112 und 114, (Flur Wüste Kirche, etwa 1km nördlich des heutigen Ortes).

Großenenglis

Zwischen den Jahren 775 und 1239, der erstmaligen Erwähnung von "Engelgis minori" = klein (StAM, Best. K 234b), hat man offensichtlich den Standort "Angelgise" aufgegeben. Ein genauer Zeitpunkt ist nicht bekannt. Teile der damaligen Bewohner zogen ca. 2 Kilometer östlicher Richtung zu den wasserreicheren Stellen um die Holderbachquelle und die Quellen am heutigen Rosengartenweg (Großenengliser Löschteiche). 1255 wird erstmals der Name "Engilgis maiori" (maiori = groß) urkundlich in einer Urkunde des Klosters Spießkappel (StAM, Urk. 18, Nr. 71) erwähnt. Zehn Jahre später, 1265, wird bereits eine Kirche in Großenenglis genannt.

Kleinenglis

Einen anderen Teil der Bevölkerung verzog es etwa 1 Kilometer in südliche Richtung, ebenfalls in die Nähe wasserreicher Stellen, am heutigen Hasenbrunnen, die Teichstraße und an den Hundsbach. 1239 wird hierfür erstmals der Name "Engelgis minori" = (minori = klein, StAM,Best. K 234b) genannt, die Geburtsstunde von Kleinenglis. Die St.-Michael-Kapelle wurde hier wieder aufgebaut und 1262 erstmals schriftlich erwähnt. Auch die zeitnahen Ersterwähnungen beider Kirchen stützen die Annahme des Standortwechsels der einstigen Bewohner von "Angelgise".

Literatur

  • Friedrich Döring
 - Thomas Franke, Breviarium sancti Lulli 1986, 
 - StAM Bestand, K 234 b, 
 - Urk 18 Nr.71
 - Bistum Fulda, St.Bonifatius,Leben und Wirken 1983

Siehe auch