Adrian W. Thomasius

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geb. am 30.1.1670 in Hofgeismar, gest. am 28.8.1753 in Kassel

Komponist, Organist und Jurist

Adrian W. Thomasius wird am 30. Januar 1670 in Hofgeismar nördlich von Kassel geboren und erhält bereits im Alter von 12 Jahren Orgel- und Tonsatzunterricht. Während des Jura-Studiums an der Universität Marburg von 1689 bis 1694 nimmt er beim Organisten der Marburger Elisabethkirche erneut Unterricht in Orgelspiel und Komposition. Nach Abschluss seines Studiums wird Thomasius Kammergerichtsrat in Kassel und ist als Organist und Chorleiter an verschiedenen Kirchen der Stadt tätig. Charakteristisch für seine schlichten barocken Vokalkompositionen ist der dreistimmige Satz für zwei Frauen- und eine Männerstimme, in dem homophone Teile mit leichten fugierten Passagen abwechseln. Seine Themenbildung ist von strenger Geschlossenheit und deutet bereits Satztechniken der Klassik an. Es ist zu vermuten, dass die überlieferten Arbeiten Gelegenheitskompositionen für Laienchöre sind, die unter Thomasius’ Leitung im Gottesdienst gesungen wurden. Er komponiert außerdem Orgel- und Klavierwerke sowie kurze Orchesterkompositionen im Stile Georg Philipp Telemanns. Die beiden Musiker lernen sich während eines Kuraufenthaltes 1742 in Bad Pyrmont kennen. 1700 setzt Thomasius sich für eine Kasseler Aufführung der Oper Orion seines Großenhainer Organistenkollegen Christian Ludwig Boxberg ein, hier zeigt sich, dass der einflussreiche Jurist durchaus Ansehen im kulturellen Leben Kassels genießt. In seinen juristischen Publikationen äußert sich Adrian W. Thomasius wiederholt zu den Arbeiten seines entfernten Verwandten, des Philosophen Christian Thomasius. Zu dessen Thesen über Hexenprozesse etwa bezieht er durchaus progressiv Stellung. Zu den wenigen biographischen Zeugnissen, die von Thomasius erhalten sind, zählt ein im Oktober 1732 verfasster Brief an den Bruder seiner Frau Katharina (geb. Dupont), aus dem hervorgeht, dass er als Gast in jenem Gottesdienst in der Kasseler Martinskirche war, in dem Johann Sebastian Bach am 28.9. die neue Orgel einweiht. „Der Herr Seb. Bach war aus Leipzig angereist und hat allhie eine Musick veranstaltet wie man sie in Cassel schwerlich je gehöret hat“, schreibt der 62-jährige Thomasius. „Er wird zu Recht als der beste lebende Organist verehret und seine Fertigkeiten seynd für unsern lieben Gott ein himmlisches Geschenk. Hätten wir doch solcherley Musici auch in unserem guten Cassel.“ Unter den erhaltenen Kompositionen Thomasius’ befindet sich neben drei Psalm-Motetten, die aus den Jahren 1705-1707 stammen, auch eine 1730 geschriebene Kantate zur Beerdigung von Landgraf Karl, den Thomasius für sein kulturelles Engagement sowie seine religiöse Toleranz zutiefst verehrt. Diese Verehrung wird am deutlichsten anhand zweier Sonaten, die Thomasius für jenes Instrument schreibt, das der Landgraf selbst spielt. Es handelt sich um die beiden Sonaten in C-Dur und c-moll für Viola da Gamba und Basso continuo; auch die Wahl der Tonarten ist als Huldigung an Landgraf Karl zu verstehen. Eine anlässlich der Erbauung des Kasseler Herkules geplante Oper, in der der mythologische Held im Zentrum der Handlung steht, wird zwar in einem eigenhändigen Werkverzeichnis erwähnt, ist jedoch vermutlich nie aufgeführt worden und gilt als verschollen. Adrian W. Thomasius stirbt am 28. August 1753 in Kassel.