Zwei junge Männer ließen Leben

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HNA Bericht vom 26.02.2011

Adam Ritze (75) aus Hertingshausen, eigentlich ein waschechter Altenbaunaer, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Bauna-Tals und mit Geschichten aus alten Zeiten. In unserer Serie erzählt Ritze aus seinen Erinnerungen und ergänzt sie mit Fakten, die er zusammengetragen hat. Heute geht es um die Kriegsjahre in Baunatal.


Serienteil: "Zwei junge Männer ließen Leben"

Baunatal. Es gab sehr unheilvolle Nachwirkungen des Krieges. Der schlimmste Unfall ereignete sich an einem Sonntagnachmittag im Herbst 1945. Fast alle Jungs vom Jahrgang 1931 waren daran beteiligt. Es war der Jahrgang, welcher im Frühjahr 1945 konfirmiert werden sollte. Wegen des Kriegsverlaufs wurde die Konfirmation auf den Herbst verschoben. Leider für zwei junge Männer zu spät. Was war geschehen?

HNA Bericht vom 26.02.2011

Die Flakstellung vor Großenritte mit den Flugabwehrkanonen war noch nahezu komplett vorhanden. Nur durch das Entfernen des hinteren Verschlusses sind die Kanonen zum Schießen unbrauchbar gemacht worden. Da aber noch Munition vorhanden war, sollte trotzdem mal geschossen werden. Man braucht den physikalischen Zusammenhang nicht zu erklären, um zu verstehen, dass der Schuss nach hinten losging. Der Junge, welcher durch einen Schlag mit einem Gegenstand die Detonation ausgelöst hatte, war sofort tot.

Ein weiterer Junge ist ein paar Tage später seinen schweren Verletzungen erlegen. Die anderen wurden durch Splitter mehr oder weniger stark verletzt. Nur einer, der sich durch Erledigung eines natürlichen Bedürfnisses in sicherer Deckung befand, blieb unverletzt. Die gewaltige Detonation war noch im Ortskern von Altenbauna deutlich zu hören.


Warten auf Nachricht - Feierliche Weihnachten und Sorge um vermisste Angehörige

HNA Bericht vom 26.02.2011

Sozusagen schneller als erwartet stand Ende 1945 das erste Weihnachtsfest nach dem Krieg vor der Tür. Wir Kinder empfanden es diesmal ganz besonders feierlich. Obwohl es vielen Leuten gar nicht gut ging. Dadurch, dass keine Verdunkelung der Fenster mehr erforderlich war, hatten auch die Nächte ein freundlicheres Gesicht. Aber die größte Sorge in vielen Familien war nicht das tägliche Brot, sondern die Sorge um die noch nicht heimgekehrten Angehörigen. Einige sind verhältnismäßig schnell wieder nach Hause gekommen. Aber bei vielen fehlte noch jedes Lebenszeichen.

Dieses ersehnte Lebenszeichen ist leider bei einigen bis heute nicht eingetroffen. Aber zwischendurch sorgte der Suchdienst vom Roten Kreuz doch für freudige Überraschungen. Wie ein Lauffeuer

Irgendwann im Jahr 1947 bekamen auch wir das ersehnte Lebenszeichen von meinem Vater Heinrich. Solche Nachrichten gingen wie ein Lauffeuer durch das Dorf. Weckten sie doch bei den anderen wieder neue Hoffnung.

Erst am 10. Mai 1949, gerade noch rechtzeitig zu meiner Konfirmation, konnten wir meinen Vater – endlich – wieder in die Arme schließen. Die sogenannten Frühheimkehrer und die ersten eintreffenden Flüchtlinge sorgten aber auch durch ihre Erlebnisberichte über Grausamkeiten und Racheakte der Sieger für neue Aufregung und große Sorgen. Adam Ritzes Vater Heinrich starb 1971, die Mutter Maria 1965; beide waren Jahrgang 1913. Bruder Christian, geboren 1939, lebte bis 2008.

Dieser Artikel ist am 26.2.2011 erschienen unter dem Titel "Zwei junge Männer ließen Leben - Kurz nach dem Krieg passierte ein schlimmer Unfall an der ehemaligen Flakstellung bei Großenritte".

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HNA-Serie "Früher im Bauna-Tal" mit Adam Ritze und Ria Ahrend

Adam Ritze: Teil 1 bis 17 | Teil 1: Erinnerungen an den Baunsberg | Teil 2: Amerikanische Besatzung | Teil 3: Zwei junge Männer ließen Leben | Teil 4: Erste Vertriebene kamen | Teil 5: Abenteuer im Baunsberg | Teil 6: Endlich wieder Kirmesvergnügen | Teil 7: Man lernte, was möglich war | Teil 8: Eine neue Glocke für die Kirche | Teil 9: Die Zeit, als sich alles änderte | Teil 10: Die Abrissbirne regiert im Dorf | Teil 11: Kriegsende zum Osterfest | Teil 12: Sirenengeheul prägte Schulzeit | Teil 13: Kindergartenzeit im Krieg | Teil 14: Luftmine fiel vom Himmel | Teil 15: Bei Angriff in den Splittergraben | Teil 16: Blick auf das brennende Kassel | Teil 17: Bombenangst im Keller | Ria Ahrend: Teil 18 bis 40 | Teil 18: Flucht in den Kirchenbunker | Teil 19: Füße auf dem Küchentisch | Teil 20: Schlange stehen fürs Brot | Teil 21: Schwein mit drei Beinen | Teil 22: Ein Dieb stahl die Marken | Teil 23: Neue Stiefel von den Amis | Teil 24: Auf Reisen in Trizonesien | Teil 25: Bucheckern für etwas Öl | Teil 26: Spielen mit den Lämmchen | Teil 27: Spaß mit Hickelkästchen | Teil 28: Morgenwäsche im Bach | Teil 29: Bunker sind unvergessen | Teil 30: Kaffeemühle war der Hit | Teil 31: Polster im Hosenboden | Teil 32: Baden bei Denn und Ditt | Teil 33: Kindliche Gaumenfreuden | Teil 34: Zum Zahnarzt ging’s mit Briketts | Teil 35: Omas am Spinnrad|Teil 36: Zum Geburtstag gab’s Klöße | Teil 37: Stinkattacke auf die Läuse | Teil 38: Klassenzimmer mit Kino | Teil 39/40: Mit Zöpfen auf dem Motorrad | Weitere Artikel: Teil: 41 Kreuzkirche feiert Jubiläum | Gotteshaus feiert 100-jähriges Bestehen | Besuch bei Molly in Besse | Englisch-Lektion auf der Treppe


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